Corona Interviews und Impulse

PTHV liefert Gedankenanregungen in der Corona-Krise

Auch wenn die aktuelle Zeit in der Corona-Krise einige gravierende Einschränkungen mit sich bringt, so bietet sie auch Chancen über christliche Werte, Begriffe wie Solidarität, Nächstenliebe oder Dankbarkeit (neu) nachzudenken und hebt die Wichtigkeit (guter) Pflege nochmal auf eine neue Bedeutungsebene. Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) bildet an zwei Fakultäten – Theologie und Pflegewissenschaft – Menschen aus, die insbesondere auch in der aktuellen Situation, elementare Stützen der Gesellschaft darstellen: Seelsorgerinnen und Seelsorger, Priester, theologisches Fachpersonal, Pflegefachpersonal, Forschende in den Bereichen Weiterentwicklung guter Pflege sowie Lehrerinnen und Lehrer in beiden Fakultäten.

Mit den ab sofort regelmäßig erscheinenden Impulsen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beider Fakultäten liefert die PTHV auf innovative Weise geistige Anregungen zu drängenden Fragen im Rahmen der Corona-Krise für Kirche, Gesellschaft und Politik und macht dadurch indirekt auf die Studienangebote und Themenfelder an der PTHV aufmerksam.

Corona Interview 1: Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der PTHV und Dr. Hanno Heil, Lehrbeauftragter für Pastoraltheologie und Diakonische Theologie an der PTHV: "Aktuelle Herausforderungen in der Langzeitpflege" [pdf hier]

Corona Impuls 2: Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch, Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte: "Quarantäne in der Fastenzeit" [pdf hier]

Corona Impuls 3: Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, bis zum 01.04.2020 Rektor an der PTHV: "Solidarität" [pdf hier]

Corona Impuls 4: Prof. Dr. Hubert Lenz SAC, Leiter der Weg-Initiative "Glaube hat Zukunft" an der PTHV: "Suchen und Glauben in der Krise?!" [pdf hier]

Corona Impuls 5: Dr. Hanno Heil, Lehrbeauftragter für Pastoraltheologie und Diakonische Theologie an der PTHV: "Corona - was dann?" [pdf hier]

Corona Impuls 6: Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der PTHV: "Theologie, Ethik und Pflege – Antworten auf die Corona-Krise" [pdf hier]

Corona Impuls 7: Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der PTHV und Verena Breitbach, Pressereferentin an der PTHV: "Was hat uns Albert Camus Werk 'Die Pest' in der aktuellen Krise zu sagen?" [pdf hier]

 

#lebenszeichenausderpthv

In Folge finden Sie Beiträge von Lehrenden und Studierenden der PTHV zur Corona-Krise unter dem Stichwort #lebenszeichenausderpthv: In Form von Impulsen, selbstgeschriebenen Liedern, Meditationen und den dazu passenden Bildern. Wir haben diese Beiträge alle seit Beginn der Corona-Krise auf der PTHV-Facebook-Fanpage veröffentlicht.

#lebenszeichenausderpthv

Kristina Blum, Theologie-Studentin: Nachtrag zu Pfingsten

„Atme in uns Heiliger Geist, brenne in uns Heiliger Geist, wirke in uns Heiliger Geist, Atem Gottes komm!“ (Gotteslob Nr. 346)

Mit diesem Lied hätten wir in Nicht-Corona-Zeiten vermutlich auch das diesjährige Pfingstfest gefeiert. Aber auch, wenn dieses Jahr nichts den sonst normalen Umständen entspricht, haben es vielleicht dennoch einige von uns in der Pfingstmesse gehört. Mich hat dies in diesem Jahr zum Nachdenken gebracht, nicht zuletzt, weil auch die Predigt meines Heimatpfarrers sich daran orientierte.

Denn gerade in der Situation, in der wir uns momentan befinden ist der Atem ja eigentlich das, wovor wir uns gegenseitig zu schützen versuchen. Wir tragen Masken, verhüllen damit unser Gesicht, um uns – und vor allem die Anderen – zu schützen. Wir verändern unser Verhalten und unsere Gewohnheiten, weil das Erkennen der Mimik schon fast unmöglich ist. So müssen wir lernen mit den Augen zu kommunizieren, weil ein einfaches Lächeln momentan nicht möglich ist. Im Moment ist das, was wir selbst zum Überleben brauchen auch das, was uns alle so sehr in Gefahr bringt: Das Atmen.

Dabei spielt der Atem ja schon immer eine wichtige Rolle. Vor allem für uns Christen. So hat Gott selbst bei der Schöpfung dem Menschen seinen Lebensatem (ruach) eingehaucht und uns zu seinem Ebenbild geschaffen. (Gen 2,7) Und auch Jesus haucht im Evangelium seine Jünger an, damit sie den Heiligen Geist empfangen. (Joh 20,22)

So kommt gerade im Moment eine neue Seite dieses Atems hervor. Eine die wir bisher nicht kannten und die es zu unterbinden gilt.

Und, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, geht uns da nicht gerade im wahrsten Sinne des Wortes die Puste aus? Wir sehnen uns alle nach Lockerungen, nach unseren Freunden und Familienangehörigen, die wir längere Zeit nicht gesehen haben. Wir wollen eigentlich alle nur zurückkehren in eine Welt vor Corona. Und nur der Gedanke an diese „andere“ Welt lässt uns durchhalten. Eben weil wir genau wissen, dass es auch anders sein kann.

Aber gerade deswegen ist es doch sinnvoll für uns alle zusammen noch einmal durchzuatmen, die Zähne zusammenzubeißen und weiterzumachen, uns gegenseitig zu schützen und zu unterstützen. Um dann wieder in eine Welt zu gelangen, in der wir alle frei atmen können!

Und genau dazu ruft uns dieses Pfingstfest doch eigentlich auf. Im Lied heißt es weiter: „Komm du Geist, durchdringe uns, komm du Geist kehr bei uns ein. Komm du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich.“

Lassen wir uns doch vom Heiligen Geist anstecken – so komisch das auch gerade im Moment klingen mag – um wieder Eins zu werden und diese „besondere“ Zeit zusammen durchzustehen und später gestärkt als Gemeinschaft wieder in eine neue Zukunft blicken zu können.

„Komm du Geist, mach du uns eins, komm du Geist, erfülle uns. Komm du Geist, und schaff uns neu, wir ersehnen dich. Atme in uns Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns Heiliger Geist, Atem Gottes komm!“

Vertrauen wir in dieser Zeit ganz besonders auf die Kraft des Heiligen Geistes und darauf, dass er kommen wird, um uns und unsere Welt „neu zu machen“.

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Diakon Ulrich Bork, Hamburg, ehemaliger Theologie-Student der PTHV: Impuls zum Pfingstsonntag – 31.05.2020 „Und plötzlich ist alles anders…!“

Am 31. Mai feiern wir mit der ganzen westlichen Kirche das Pfingstfest. Nur zu sehr stelle ich immer wieder fest, wie viele Menschen mit diesem Fest „fremdeln“. So zeigen sich in der Öffentlichkeit diese Feiertage eher durch ausgiebige Familienfeste und Pfingstwagen. Mit dem Bericht des Evangeliums über die Sendung des Heiligen Geistes und damit der dritten Personen des einen Gottes, wie es bereits das Konzil von Konstantinopel 381 definierte, bleibt es vielen heute einfach fremd. Und trotzdem betet die ganze Christenheit das Nicäno-Konstantinopolitanum, das Große Glaubensbekenntnis dieses Konzils. Der Heilige Geist bleibt also die „fremde Kraft“!?

Die Bilder dazu helfen uns dabei nur bedingt. Natürlich wird, wenn man auf das Heilig-Geist-Fenster im Petersdom schaut, die Kraft und Pracht dieser Geist-Taube nur allzu deutlich. Aber auch dieses bildliche Hilfsmittel wird dem Verständnis dessen, was wir im Heiligen Geist sehen und bekennen, nur fragmentarisch deutlich. Das Credo von Konstantinopel spricht ziemlich deutlich von dieser un-endlich schöpferischen Kraft, die vom Heiligen Geist ausgeht. Die Apostel haben es leibhaftig erfahren, als sie am Pfingsttag mit diesem schöpferischen Geist erfüllt wurden und plötzlich von den Menschen, in allen versammelten Sprachen, verstanden wurden (Apg. 2,4). Vielleicht ist das wirklich ein Kernpunkt des Pfingstereignisses. Für mich ist dabei weniger wichtig, dass die Apostel plötzlich andere Sprachen verstanden, sondern dass die Menschen SIE verstanden. Die Botschaft Jesu sprang also heraus aus dem traditionellen jüdischen Umfeld und wurde für alle begreifbar. Gott will, dass alles anders wird und dafür gibt er uns seinen Heiligen Geist. Damit werden wir Kraftquelle des Verständnisses. Dadurch ist Pfingsten eben auch der Gründungstag der Kirche und der Berufung eines jeden von uns, „GEISTvoll“ zu sein.

Gerade in den letzten Wochen und Monaten haben wir erfahren, was es heißt, wenn plötzlich „alles anders ist“. Das kann dazu verleiten, an Gottesgerichte zu glauben oder an Weltverschwörungen. Aber wir haben auch die Möglichkeit zu akzeptieren, dass immer wieder „alles anders wird“ und wir mit genau dieser Kraft Gottes beschenkt sind, die uns ermöglicht, die verständliche Worte und Taten zu finden.

Ein anderes Bild, dass für mich viel mehr diese Kraft des Heiligen Geistes ausdrückt, ist auch aus Rom. Die große Wendeltreppe in den Vatikanischen Museen. Sie zeigt eine unglaubliche Dynamik und Bewegung. Zugleich denkt man, wie zielstrebig die Menschen zum Zentrum am Fuße der Treppe geleitet werden. Doch wenn man sie nach oben geht, weitet sie sich immer mehr und bringt die Menschen zu fast grenzenloser Weite. Mitte und Weite, das sind die beiden Pole christlichen Seins. „Komm, Schöpfer Geist!“

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Karin Herrmany-Maus, Fachschaft Pflegewissenschaftliche Fakultät: Onlineuni läuft noch nicht rund – differenzierte Sicht nötig!

In einem Artikel vom 28.04.2020 berichtete die Rheinzeitung über einige Studierendenvertreter in Rheinland-Pfalz, die die erste Woche des Online-Semesters als kritisch einstufen. Sie fordern, dass das laufende Sommersemester 2020 aufgrund der Corona-Krise und den damit verbundenen Schwierigkeiten, wie zum Beispiel Serverproblemen, nicht als Regelsemester gewertet wird. Einige Hochschulen verpflichten zudem Studierende wohl während der Online-Präsenz, die Kameras ständig einzuschalten, um die Anwesenheit zu überprüfen. Das erleben Studierende an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar anders.

An der Pflegewissenschaftlichen Fakultät werden die Studiengänge Bachelor Pflegeexpertise, Master Pflegewissenschaft, sowie Bachelor und Master Lehramt Pflege an Berufsbildenden Schulen sowie ein Promotions-Programm angeboten. Hier gibt es weder eine Kamerapflicht, noch gravierende Serverprobleme. Die Umstellung der Präsenzzeiten auf digitale Vorlesungen hat für die Zuständigen innerhalb kurzer Zeit zwar sehr viel Arbeit bedeutet, jedoch hat sich diese Investition gelohnt. Die Onlineuni funktioniert gut. Die gewählte Plattform OpenOlat steht den Rheinland-Pfälzischen Hochschulen zur Verfügung. Sie bietet für jeden Kurs vielfältige Möglichkeiten wie einen digitalen Meetingroom, Literaturordner, Podcasts, oder ein digitales „Whiteboard“. Jeder Dozent/ jede Dozentin gestaltet die Online-Vorlesung individuell mit den zu Verfügung stehenden Möglichkeiten, sowohl synchron als auch asynchron. Damit wird die jeweilige Vorlesung interessant und kurzweilig. Die für dieses Semester ausstehenden Referate sind kurzerhand in schriftliche Hausarbeiten mit verlängerter Abgabefrist geändert worden. Für mündliche Prüfungen, die aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden mussten, sind für viele Studierende individuelle Lösungen gefunden worden. Eine erschwerte Situation jedoch erleben diejenigen Studierenden an der PTHV, die sich zurzeit in einer Qualifikationsarbeit befinden. So sind zum Beispiel zurzeit die Bedingungen für Interviews und die Literaturbeschaffung sehr eingeschränkt. Auch hier bietet die PTHV individuelle Unterstützungsmöglichkeiten und Lösungen. Studierende, die Schwierigkeiten während einer Qualifikationsarbeit hätten, können sich umgehend mit ihrem Mentor/ ihrer Mentorin oder den Betreuenden der Abschlussarbeit in Verbindung setzen, damit individuelle Lösungen gefunden werden können, wie z. B. die Umwandlung von Interviews in Telefoninterviews. Dies deutet darauf hin, dass dieses Semester nicht pauschal bewertet werden kann, sondern hier eine differenzierte Sichtweise erforderlich ist.

 

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Fr. Augustinus Hernandéz, Theologie-Student: "Persönliche Gefühle nach einer Woche Onlinelehre"

Nach einer Woche „Onlinelehre“ möchte ich sehr persönliche Gefühle teilen:

Vor ca. einem Jahr fing mein Studium an der PTHV an, und ich muss gestehen, dass ich nicht sehr davon begeistert war, die Stille der Klosterklausur zu verlassen: Man könnte sagen, dass ich in „Quarantäne-Modus“ war und bleiben wollte. Doch: Wie schnell sollte sich meine Meinung ändern! Wie schnell wurde ich hier mit so guten Freunden beschenkt! Wie schnell habe ich diesen Ort lieb gewonnen!

Nun befinden wir uns alle gezwungenermaßen in „Klausur“ und müssen physischen Abstand voneinander halten. Ich hege das genau umgekehrte Gefühl: Wie sehr würde ich mich jetzt über Vorlesungen freuen, über Gespräche vor der Kaffeemaschine, mit echten Menschen statt vor kleinen Bildern auf einem Bildschirm. Trotzdem möchte ich herzlich allen danken, die sich viel Mühe geben, um uns das Studium auf diesem ungewöhnlichen Weg zu ermöglichen. Wenn ich jemanden zitieren darf: „Wir schaffen das!“

Last, but not least, möchte ich ein Bild unserer Abteikirche teilen, wegen der Krise leer, aber erfüllt vom Licht des Auferstandenen. Hier verweile ich, während ich mir die Rückkehr der Begegnungen und Überraschungen des normalen Alltags in der Hochschule wünsche.

Oremus pro invicem!

 

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Diakon Ulrich Bork, Hamburg, ehemaliger Theologie-Student: Zwei Bilder, die fast zwei Jahre auseinander liegen. Was hat sich verändert?

Am 16.04.2018 war mein erster Studientag an der PTHV. Mit großer Ungewissheit kam ich hier an, eine Woche verspätet, da unerwartet meine Mutter verstorben war. Als „Oldi“ wieder auf der Studentenbank. Eine echte Herausforderung!

Was ich fand, war nicht nur ein Studienort, an dem ich hochwertige Studieninhalte vermittelt bekam, sondern ich fand eine neue „Familie“. Die Mischung aus wissenschaftlicher Arbeit, vertrauensvolle Gemeinschaft mit den anderen Studierenden und dem Verwaltungs- und Lehrkörper gehört für mich zu einem der wertvollsten Abschnitte meines Lebens.

So wurde ich nun im Februar 2020 verabschiedet, zurückgeschickt in meinen Dienst in Hamburg. Das zweite Bild entstand jetzt an meiner Hamburger Pfarrei. Und wieder ist alles anders. Statt in den Schlussabschnitt meines Weges zur Priesterweihe gehen zu können, bin ich im Corona-Alltag meiner Pfarrei, bei den Sorgen und Nöten der Menschen in dieser schweren Zeit.

Doch bleiben meine Gedanken und meine dankbare Verbundenheit zu meiner PTHV-Familie, zu der ich mich immer zugehörig fühle. Die nächste Zeit wird für uns alle weitere Anstrengungen und Herausforderungen bringen. In unserer starken Gemeinschaft sind sie zu bewältigen - vor Ort an der PTHV – oder auch in der Gebetsverbundenheit unserer PTHV-Familie. Passen wir weiter gut aufeinander auf! Ihr fehlt mir - Bleibt alle gesund!

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Diakon Ulrich Bork, Hamburg, Theologie-Student: Zum 2. Sonntag der Osterzeit – Weißer Sonntag – Barmherzigkeitssonntag

„..sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ (Joh. 20, 27)

Eine Woche nach dem hohen Osterfest sind feiern wir den Weißen Sonntag. Geprägt wurde dieser Sonntag über lange Zeit von der Feier der Erstkommunionen in unseren Gemeinden. Das weiß der Kommunionkleider brauchte diesem Tag auch seinen volkstümlichen Namen ein.

Zugleich ist es der Sonntag mit der Erzählung des Evangeliums vom zweifelnden Jünger Thomas, der so gerne als „ungläubig“ bezeichnet wird. Die Auferstehung Jesu ist für ihn so unfassbar, dass er der Erzählung der anderen Jünger nicht glaubt. Er muss diese unfassbare Tatsache selber erfahren, mit allen Sinnen erfassen: sehen und fühlen. Jesus weiß um diese unsere menschliche Erfahrungssehnsucht und lässt diese sinnhafte Begegnung für Thomas geschehen.

Auch für uns ist es oft ganz schwer, die Nähe Gottes, die Zuwendung an uns zu erfassen. Gerade in diesem Jahr, wo uns die so festliche Feier der heiligen Tage der Kar- und Osterliturgie weitgehend verwehrt blieb. Ich hoffe zwar, dass uns diese ungewöhnliche Zeit nicht gleich zum ungläubig sein verführt, aber ich stelle schon fest, dass ohne die liturgischen Begleiterfahrungen das Osterfest viel verborgener und weniger erfahrbarer blieb.

Ein weiterer Aspekt, der uns an diesem Sonntag mitgegeben wird, ist die Feier des Barmherzigkeitssonntag. Der hl. Papst Johannes Paul II. hatte dieses Fest im Jahr 2000, nach der Heiligsprechung der polnischen Ordensschwester und Mystikerin Maria Faustyna Kowalska, für den zweiten Sontag der Osterzeit eingeführt. Ohne bei dieser Gelegenheit auf das Leben und Zeugnis der Heiligen einzugehen, bleibt für mich als Grundimpuls, dass wir Gottes Nähe kaum mehr erfahren können, als in seiner Barmherzigkeit. Wenn man die Geburt Jesu in Betlehem als Moment der völligen Annäherung Gottes an unsere menschliche Existenz sieht, ist es die Barmherzigkeit die größte Form der Zuwendung Gottes an uns persönlich. Wie bei Thomas im Evangelium, wird Gott in seiner liebenden Nähe und auch in seiner Vergebung für uns sichtbar und ertastbar. Dies ist keine Momentaufnahme des Glaubens, sondern Ausdruck der Treue Gottes zu uns Menschen. Der Taufbund hält, denn Gott bleibt uns nahe.

So erklingt in diesen Tagen das Loblied des Auferstandenen, der Lobpreis des barmherzigen Gottes: „Wir wollen alle fröhlich sein, …denn unser Heil hat Gott bereit.“ (GL 326,1)

Haben wir die Gelassenheit, in uns auch Zweifel und Furcht zuzulassen, denn in dieser Ungewissheit liegt der Anfang des gläubigen Vertrauens. Gott wird uns weiter ganz nahe kommen, damit wir nicht ungläubig sind, sondern gläubig.

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Fr. Augustinus Hernández, Theologie-Student: Zu Ostermontag

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Freunde,

gestern haben wir voll Jubel die Auferstehung des Herrn gefeiert und besungen. Der Tag, der keinen Abend kennt, der Tag, an dem wir uns freuen sollen, ist zwar angebrochen, aber unsere Welt scheint eher wenig davon zu spüren. Für viele erklingt das Halleluja nicht in einer großen Kirche mitten im lauten Chor der Gläubigen, sondern im Innersten der Seele in der Einsamkeit des Wohnzimmers, der Klosterzelle, ja sogar des Krankenhauses. Ob die Einzigartigkeit des Osterfestes dieses Jahr uns etwas von der Einzigartigkeit des Ostergeheimnis für jeden von uns lehren kann?

Ich meditiere in diesen Tagen ein Gedicht, das der heilige Johannes vom Kreuz im Kerker von Toledo 1577 gedichtet hat. Angeregt wurde diese Lektüre dadurch, dass die junge spanische Sängerin Rosalía es vor einigen Jahren vertont hat (s. Link): „Wohl kenn’ den Urquell ich, der quillt und fließet, obgleich’s bei Nacht ist.“ Der Dichter spürt die Quelle seiner Freude, seiner Hoffnung... „aunque es de noche – obgleich’s bei Nacht ist“. Dieser Refrain wiederholt sich immer wieder. Ja, meine Lieben, so wie bei uns in der Dunkelheit dieser Krise! Wir laufen wie die Jünger von Emmaus zusammen mit dem Meister – „obgleich’s bei Nacht ist“; können wir Ihn erkennen? Er ist auferstanden und will sich jedem von uns zeigen, will jeden von uns lieben – „obgleich’s bei Nacht ist“.
Frohe und gesegnete Ostern!
https://www.youtube.com/watch?v=6s-MQzPZ6IE&frags=pl%2Cwn

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Sabrina Dittscheidt, Theologie-Studentin: Zu Ostersonntag

„Fällt Ostern jetzt aus?“ Diese Frage wurde mir vor einigen Tagen von einem Firmling gestellt.

Bei einem Impuls für unsere Firmlinge habe ich zum Gedankeneinstieg geschrieben: „Mit dem Palmsonntag fängt für die Christen die Heilige Woche an, die wichtigste Woche im ganzen Kirchenjahr. Es folgt der Gründonnerstag, an dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert hat. Karfreitag ist der schmerzhafteste Tag dieser Woche, hier hören wir vom Leiden und Sterben Christi. Am sogenannten Karsamstag ist eine Ruhe zu verspüren, Jesus ist tot, was passiert jetzt?“

Dieser Tage ertappe ich mich dabei, wie ich genau bei dieser Frage stehen bleibe: „Jesus ist tot, was passiert jetzt?“ Aber ich weiß doch eigentlich was passiert… OSTERN passiert… AUFERSTEHUNG… Nachdem Jesus sein Kreuz getragen hat, ist er als das neue Leben, das neue Licht in die Welt gekommen. Es gibt Momente in meinem Leben, da fällt es mir schwer von meinem Kreuz wegzukommen, gerade in diesen Tagen, wo die Medien und natürlich das Leben nur das Corona-Virus kennen. Und doch weiß ich, dass nach den dunklen Momenten im Leben immer wieder das Licht da ist. Und so versuche ich es auch dieses mal zu sehen. Nach der Dunkelheit kommt das Leben!

Gerade die Osterzeit bietet sich für Hoffnung unglaublich gut an. Wir sehen, wie in diesen Tagen die Welt nach einem langen Winter wieder zum Leben erwacht, die Tage werden länger, es wird wärmer, die Blumen fangen an zu blühen.
Und genau das ist es, was uns jeden Tag wieder das Licht bringt, und mit der Auferstehung von Jesus kann das Licht auch wieder in unseren Herzen scheinen.

In der zweiten Strophe eines Osterliedes aus dem Gotteslob singen wir: „Verklärt ist alles Leid der Welt, des Todes Dunkel ist erhellt. Der Herr erstand in Gottes Macht, hat neues Leben uns gebracht.“ (GL 329,2) Und egal, wie dunkel die Welt im Moment für uns aussieht, wir werden wieder an den Punkt kommen, an dem das Licht auch wieder in unseren Herzen scheint.

Vieles fällt aus und wird verschoben, aber OSTERN fällt definitiv nicht aus. Wir müssen Ostern jetzt eben anders gestalten, und dazu gibt es so viele verschiedene Angebote: WhatsApp-Gruppen mit Osterimpulsen, kurze Online-Videos mit Gedanken zu Ostern, Livestreams der Ostergottesdienste. Viele Angebote, durch die wir als betende Gemeinschaft jeder zuhause und doch zusammen sein können.

Ich wünsche allen ein frohes und gesegnetes Osterfest! Lasst das Licht in eure Herzen scheinen!

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Lena Beuth, Theologie-Studentin zu Karsamstag: Video "Karsamstag und Ich (Die Geschichte vom Wir)"

Karsamstag und Ich (Die Geschichte vom WIR) — (Bitte wenn möglich mit Kopfhörern hören) Ein musikalisch und mit Bildern aus Israel veranschaulichter Poetry Slam über den Karsamstag unserer gegenwärtigen Gesellschaft im Spiegel der Jünger Jesu. Wie eine Art „Wechselgebet“ möchte dieser Poetry Slam die absolute Wüstenerfahrung, aber auch schon die österliche Perspektive, den Wandel vom ICH zum WIR durch die immer treue Liebe, schenken.
https://www.youtube.com/watch?v=2WJsEeH1dvw&feature=youtu.be&fbclid=IwAR0slIqACOM9f8ZzmqI4F45pxY4rbHHIuxna8d_YKwWzwjJz4SPCEWljruA

 

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Prof. Dr. Margareta Gruber OSF, Dekanin der Theologischen Fakultät: Zu Karfreitag. "Golgota" - Ort der dunklen Offenbarung

Die Hinrichtungsstätte Jesu ist ein Ort der Gottesferne, die selbst Jesus in seiner Todesstunde dort spürte. In der Corona-Krise fühlen sich viele Menschen Gott ebenfalls fern. Doch am Karfreitag können sie Hoffnung schöpfen.

Und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mk 15,34)

Die Kreuzigung Jesu nach dem Evangelisten Markus zeigt ab der dritten Stunde seine zunehmende Entblößung und Vereinsamung. In der sechsten Stunde hält die Zeit vollends an. Finsternis bricht herein und dauert bis zur neunten Stunde. Was geschieht in diesen drei langen Stunden? Auch der Text schweigt hier. Das schafft eine gewaltige Spannung, die dann im Schrei Jesu zum Ausbruch kommt. In diesem Schrei kehrt sich das Innerste nach außen. Er ist deshalb sein deutendes Wort für dieses Geschehen: Verlassenheit. Der, den die Stimme Gottes als den geliebten Sohn anredete, der Gott deshalb im Leben seinen Vater nannte, schreit im Sterben seine Finsternis einem distanzierten und fernen Eloi entgegen. Gottesnacht als grausame Realität.

Am Kreuz schreit Jesus, Gott schweigt, und Jesus haucht den Geist aus. Erst nach diesem Tod in der Finsternis und nach dem Schrei ins Schweigen Gottes wird Gottes Handeln sichtbar: Jetzt zerreißt der Vorhang des Tempels, der symbolische Himmel vor dem Allerheiligsten. Es zerreißt die Grenze von Diesseits und Jenseits. Der Vorhang trennte die Welt von der Heiligkeit Gottes, als es noch galt: „"Kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben." (Ex 33,20) Jetzt, danach aber, ist jeder Ort Gottes Ort. Das Allerheiligste hat sich an einem anderen Ort geöffnet, den jeder betreten kann. Dieser Ort ist das Gegenteil eines heiligen Tempels: Golgota, ein verfluchter Hinrichtungsort außerhalb der heiligen Stadt, ein Ort menschlichen Richtens und Verurteilens, ein Ort der Finsternis, des Todes und der Gottverlassenheit. Dort geschieht nun die Offenbarung Gottes. Es ist eine dunkle Offenbarung: Gottes Gegenwart im Gekreuzigten und Verlassenen. Und weil der Vorhang endgültig zerrissen ist, spricht nun der Heide aus, was die Jünger nicht erkannten, weil es erst in der Begegnung mit dem Gekreuzigten zu sehen ist: "Dieser Mensch war Gottes Soh." (Mk 15,39) Im Tempel galt: wer Gott sieht, muss sterben. Auf Golgota gilt: Jesus stirbt, damit wir Gott sehen können.

Über diesem Karfreitag 2020 liegt eine Finsternis, und keiner weiß, wie lange sie dauert. Und keiner weiß, welcher Schrei unser Schrei sein wird. Nach wem werden wir schreien? Wonach werden wir schreien? Nach dem Ende der Pandemie, dem Durchhalten des Gesundheitswesens, dem Ende der Angst um unsere Existenz, dem Ende unserer erzwungenen Isolation und Vereinsamung? Dem Ende der Selbstbedrohung durch die Zerstörung der Umwelt? Nach einer neuen Solidarität unter den Menschen und Staaten? Gläubige Menschen richten ihren Schrei an Gott und wissen nicht, ob er ihn hört. Manche erleiden die Finsternis über der Welt auch als eine Nacht ihres Glaubens.

Was hat der Hauptmann auf Golgota gesehen? Einen Menschen, der an seinem Gott festhält, selbst wenn dieser für ihn nicht mehr spürbar, sichtbar ist. Für den Evangelisten ist dies eine Aussage über Jesu radikale Hingabe, Glaubenskraft. Sich diesem Gott radikal überlassen zu können, selbst in die Gottesnacht hinein – das kann nur jemand, dem sich Gott seinerseits ganz und gar überlassen haben muss.

Golgota als Ort der dunklen Offenbarung spricht hinein in die Gottferne dieser Tage. Jesus verliert die Nähe Gottes, und gerade darin macht er sie offenbar und schenkt sie uns. In Jesus, dem Verlassenen, kommt Gott dem Menschen in seiner Verlassenheit ganz nah. Der Vorhang zerreißt ein für alle Mal: Die Trennung zwischen Orten, an denen Gott nahe ist, wie im Tempel, und Orten, an denen er fern ist, wie auf Golgota und allen Orten des Todes, ist hinfällig geworden. Ist die Gottverlassenheit Jesu der Ort der Offenbarung Gottes, kann es nichts mehr geben, was uns von der Liebe Gottes in Christus scheiden kann (vgl. Röm 8,39). Selbst die eigene Gottferne wird zum Ort der Nähe, weil sie uns in den Augen Gottes dem ähnlich macht, der sein geliebter Sohn ist. Für die Augen des Glaubens – die dies freilich als Geheimnis "mit Furcht und Zittern", oder besser: mit bebender Ehrfurcht bewahren mögen – ist die Gottesnacht der Menschen geheiligt durch die Gegenwart des allein Heiligen.

Dieser Text erschien auf dem Portal katholisch.de im Auftrag von "Denkbares - Begegnungen mit Büchern und Menschen".

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Burkard M. Lang, Theologie-Student: Zu Karfreitag

Ein sonniger Freitag im April, das Wetter lockt ins Freie, in den Straßencafés tummeln sich die Menschen und genießen ihren Cappuccino in der Frühlingssonne. Mitten durch diese friedliche Atmosphäre hasten Christen in kalte Kirchen, in denen von der Frühlingswärme nichts zu spüren ist, um pünktlich um 15 Uhr dem Leiden und Sterben Jesu Christi zu gedenken.

So sind meine Erinnerungen an den Karfreitag im vergangenen Jahr 2019. Dieses Jahr ist alles anders. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus steht das öffentliche Leben still: Keine öffentlichen Gottesdienste, Straßencafés haben geschlossen und auch beim erlaubten Spazierengehen an der frischen Luft ist zu spüren, dass etwas Freiheit eingeschränkt und alles anders ist.

Ist tatsächlich alles anders? Ist unsere Freiheit tatsächlich eingeschränkt? - Beschränkt auf unser persönliches Umfeld ist die momentane Situation tatsächlich ein Einschnitt. Corona hin oder her, gleichbleibend seit fast zweitausend Jahren, blicken Christen heute auf das Leiden und Sterben Jesu Christi. Und unser Glaube sagt uns, dass mit dem Kreuzestod nicht alles aus ist. Ein Satz aus der dramaturgischen Liturgie des Leiden und Sterben Jesu Christi bringt das deutlich zum Ausdruck: „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.”

Als Fast- und Abstinenztag stellt der Karfreitag eine Zäsur vor dem Osterfest dar. Vielleicht ist es dann auch ganz passend, dass die Straßencafés geschlossen haben und so etwas von der Todesstille um Christi Sterben erfahrbar wird. Verbinden wir uns als Hauskirche mit all den anderen Christen auf dem Erdkreis in der sicheren Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten. Corona hin oder her, eins ist sicher: Die ewige Freiheit, die uns Christus durch seine Auferstehung erkämpft hat, die bleibt. Ganz gewiss!

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Kristina Blum, Theologie-Studentin: Zu Gründonnerstag

Was verbinden wir damit, außer Spinat essen?

An Gründonnerstag beginnt für uns Christen das österliche Triduum und wir gedenken der Feier des Letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat. Das besondere an diesem Abendmahl sind die Worte, die Jesus selbst gesprochen hat und die wir bis heute bei jeder Wandlung in der Heiligen Messe hören. Jesus schenkt sich uns in Brot und Wein. Das wird an diesem Abend besonders deutlich – auch wenn seine Jünger diese Bedeutung erst später verstehen konnten.

Eine Besonderheit in dieser Messe ist, dass beim Gloria alle Glocken läuten, da sie danach für einige Tage schweigen werden. In dieser Zeit ist es oft Brauch die Glocken durch Kläppern (so nennt man es bei mir zuhause) ersetzt werden. Erst in der Osternacht werden die Glocken zum Gloria wieder läuten.

Nach dem Abendmahl betet Jesus im Garten Gethsemane und bittet auch seine Freunde mit ihm gemeinsam Wache zu halten. So wie wir es auch heute noch bei einer Ölbergwache tun. Doch Jesus wird enttäuscht von seinen Freunden und er ist allein mit seiner Angst. Jesus weiß, dass er sterben wird.

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P. Stanley Ekwugha ISch aus Nigeria, Theologie-Promovend: "Die Angst vor Corona hat die Menschen wiedervereinigt"

In dieser Zeit der Corona Virus Epidemie sind wir in eine Krise geraten. Wir sind verwirrt bzw. unglücklich. Jede Krisenzeit ist jedoch ein Kairos – Zeit der Gnade. Deswegen müssen wir pausieren und uns fragen, was Gott uns heute sagen will. In dieser Zeit wird unsere Begrenztheit enthüllt. Jetzt entdecken wir wieder unsere gemeinsame Wurzel und die Tatsache, dass es nur eine Rasse in dieser Welt gibt - die menschliche Rasse. Ein Missbrauch des Begriffs Rasse, um Menschheit zu typisieren, hat eine böse Geschichte und wurde 1859 von Charles Darwin veröffentlichten Buch The Origin of Species stark beeinflusst.

Endlich hat die Angst von Corona uns wiedervereinigt. Jetzt sehen wir uns als eine menschliche Rasse mit einem gemeinsamen Feind und einer gemeinsamen Bedrohung. Es ist Zeit zu spüren, dass wir einander zur Stütze und zum Schutz brauchen. Verstehen wir jetzt das Leiden der Flüchtlinge, und derer, die im Mittelmeer und in Lampedusa sterben? Diese Zeit lehrt uns, dass das, was uns miteinander verbindet, größer ist als das, was uns voneinander trennt. Sie lehrt uns, dass die Folgen eines Übels wie der Epidemie keinen Unterschied macht, und auch eine Lösung alle betreffen muss.

Es ist Zeit zu wissen, wie zwecklos das Leben ohne Vertrauen auf Gott ist. Es ist Zeit, demütig zu bleiben, um diese Realität klarer zu sehen. Es ist Zeit, näher an Gott heranzukommen. Nur Gott kann uns heilen. Gott allein kann diese Corona Epidemie aufhören lassen. Nur er kann uns unsere Freude wiedergeben. Wenn der Herr das Haus nicht baut, mühen die Bauleute sich umsonst. Wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, späht der Wächter umsonst. Wenden wir uns im Gebet an Gott.

P. Stanley Ekwugha ist ein nigerianischer Schönstatt Pater. Er promoviert zurzeit an der PTHV bei Prof. Dr. Margareta Gruber OSF. Gleichzeitig hat er eine Stelle als Kaplan in der Kirche St. Marien in Meiningen im Bistum Erfurt.

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Kristina Blum, Theologie-Studentin: "Das Einzige"

„Das Einzige, was mir die Corona-Krise noch nicht genommen hat, ist das Reiten.“ – dieser Gedanke kam mir, nachdem ich einen sonnigen Nachmittag im Pferdestall verbracht hatte. Ich hing diesem Gedanken noch eine Weile nach, bis mir klar wurde, dass es keinen Sinn macht über das nachzudenken was ich momentan nicht habe, sondern an das denken sollte, was ich gerade jetzt in dieser Zeit genießen kann.

Dabei kam mir vieles in den Sinn, weshalb es eigentlich keinen Grund gibt zu jammern. Wie schon gesagt, ich kann noch immer zu den Pferden gehen, während andere Menschen ihre Hobbys im Moment an den Nagel hängen müssen. Es wurde mir ermöglicht von zuhause aus meinem Studentenjob nachzugehen. Ich habe Zeit Bücher zu lesen, was ich ansonsten während des laufenden Semesters nicht schaffe. Ich kann mit meinen Freunden in Kontakt sein, zwar nicht persönlich, aber wir hören voneinander.

Was ich sagen möchte ist, dass wir uns doch alle einmal klarmachen sollten, was wir eigentlich HABEN, statt immer nur darüber zu grüben was uns gerade FEHLT. Die Menschheit ist seit langer Zeit einen so großen Wohlstand gewohnt, dass sich niemand mehr um das kümmert, was das eigentliche Leben ausmacht. So scheint es nun, als wären wir alle generell unzufrieden. Gehen wir arbeiten, dann jammern wir und sehnen das nächste Wochenende oder den nächsten Urlaub herbei. Haben wir viele Termine in unserem Kalender stehen, erscheint es uns, als würden wir nur von A nach B hetzten. Nun sind wir in einer Situation, in der wir weniger bis gar nicht abreiten können und auch unseren sonst so vielen Terminen nicht nachgehen. Und was ist? Auch das scheint wieder einmal nicht richtig zu sein. Wir haben uns so sehr an alles gewöhnt, dass es uns schwerfällt mit Änderungen umzugehen.

Aber sollten wir nicht gerade in dieser Zeit einmal versuchen mit den Änderungen klar zu kommen? Niemand von uns weiß, wie lange wir noch in dieser Situation leben müssen. Also sollten wir besser heute als morgen damit anfangen uns Gedanken um unser eigenes Leben zu machen.

Wer weiß denn schon wann wir noch einmal so viel Zeit haben werden, um unser eigenes Verhalten und unsere Undankbarkeit zu hinterfragen?
Wenn nicht jetzt, wann sollen wir wieder zur Vernunft kommen und erkennen, wieso wir auf dieser Erde leben?
Wenn nicht jetzt, wann sollen wir verstehen, dass Gott uns beisteht – auch in diesen schweren Zeiten?
Wenn nicht jetzt, wann lernen wir endlich miteinander zu leben und das Leben so anzunehmen, wie es gerade kommt und das Gute darin zu sehen?
Wenn nicht jetzt, wann werden wir Gott in unserem Leben erkennen?
Denken wir in dieser schwierigen Zeit daran was Jesus sagt: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

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Harald Düppe, Bolivien-Missionar und Theologie-Promovend: "Schilderung eines Hoffenden auf MOSOJ PUNCHAY"

Mosoj Punchay – „Ein neuer Tag “ kommt aus der Inkasprache Quetschuan. So heißt das Internat für die verbrühten Kinder, um die ich mich kümmere. Sie bekommen immer und immer wieder Hauttransplatantionen, manchmal am Kopf, im Gesicht, oder über den ganzen Körper, weil die verpflanzte Haut nicht mitwächst. Für sie gilt: Hoffen auf einen neuen Tag. So hoffen auch wir in der Zeit des Virus auf Mosoj Punchay – den neuen Tag. Es gab eine Ausgangssperre in Bolivien in den letzten beiden Wochen. Auf der Fahrt zum Flughafen gab es kaum Verkehr – kleine Laachen und große Seen bedeckten die Straßen vom Regen in der Nacht. Das eine oder andere Auto bespritzte sich selbst – Scheibenwischer reinigten die eigenen Scheiben wieder. In der Mitte dieser herausfordernden und unsicheren Zeit, in der wir uns in einer anderen Welt und in neuer Atmosphäre befinden durch personale Distanz und Isolation ohne Kontakte und mehr und mehr „Dis - takte“ - brauchen wir fortlaufende starke und gute Hoffnung. Wie könnte ich dem Virus entkommen – und doch bleiben? Wäre es eine Möglichkeit, in die hohen Anden zu ziehen, in abgelegene Gemeinden in 4.000 – 5.000 m Höhe? Und Menschen alphabetisieren? Dorthin wird wohl hoffentlich das Virus nicht kommen – zunächst oder eine längere Zeit wenigstens nicht.

Und dann war die Rückholaktion der Deutschen Regierung ein starkes Zeichen für eine andere Hoffnung.
Zwei Wochen waren mir möglich, frei und ungezwungen in einem virusfreien Bolivien zu leben und meiner Tätigkeit nachzugehen, mit meinen 15 verbrühten Kindern ein Pizzafest zu feinern in ihrem Internat Mosoj Punchay und einen Ausflug in die Umgebung zu planen. Aber diese Hoffnung wurde zerschlagen durch die Ankunft des Virus mit zwei Rückkehrern aus Italien. Nach einer Woche gab es eine staatlich verordnete Quarantäne. Zum Schutz wurden z.B. beim Eintritt in die Läden die Hände desinfiziert. Man musste über einen mit Desinfektionsmittel getränkten Teppich gehen und die Schuhe desinfizieren. Weitere private Schutzmaßnahmen, wie sie jeder hier in Deutschland auch kennt, gab es auch dort. Ein abrupter Abschied – unvorbereitet. Wie lange werde ich meine Kinder nicht mehr sehen - ihr Antlitz ? – Ihre Nähe spüren? Einige werden entlassen werden – andere kommen neu hinzu. Wie wird es ihnen gehen – gesundheitlich mit ihrer verbrühten Haut – und natürlich in einem Umfeld des Virus? Ich muss von Hoffnung leben – sie müssen auch. Ähnlich wird es auch allen Voluntarios, den Freiwilligen, gegangen sein. Sie mussten ihre Straßenkinder, ihre Kindergartenkinder, ihre Behinderten verlassen, ohne zu wissen, wann sie diese je wieder treffen werden. Die deutsche Regierung wurde aktiv in Bolivien.

In Zusammenarbeit mit der Regierung des Plurinationalen Staates Bolivien bereitete die Botschaft den Rückflug vor. Das Flugzeug sollte am 27.3.2020, 23 Uhr, in Santa Cruz starten. Da in allen Flughäfen, wie in den Städten die Geschäfte geschlossen haben, musste jeder für seine Verpflegung selbst sorgen. Bei der Rückholaktion wurden Deutsche und andere EU-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland, die sich in Bolivien vorübergehend als Touristen, Freiwillige, Studenten aufhielten, berücksichtigt. Reisende, die positiv auf COVID-19 getestet wurden oder Symptome aufwiesen, durften nicht mitreisen. Am Morgen vor dem Abflugtag kam ein E-Mail an ausgesuchte Personen, die nicht mit dem Fluzeug von Cochabamba nach Santa Cruz geflogen werden konnten, da die Zubringerflugzeuge überfüllt waren. Die angeschriebenen Personen mussten mit einem Bus fahren, neun Stunden bis Santa Cruz. Um 14 Uhr sollte der Bus abfahren. Also in kürzester Zeit die Koffer fertigpacken , die Wohnung räumen. Viele wussten, dass sie kaum wieder an diesen Ort zurückkehren würden. Welch ein Abschied! Abschiedsgefühle und Hoffnung kämpften miteinander.

In diesem Land mit seinen 11 Millionen Einwohnern habe ich mich sicher gefühlt bei „nur“ 74 Infizierten am Abflugtag. Für jemanden, der sich in dem Land mit den Menschen verbunden fühlt, ist es schwer, das Dilemma zu ertragen. Es war jedoch die einzige Möglichkeit, aus dem Land hinauszukommen, da durch die Quarantäne kein bolivianisches Flugzeug mehr international flog. Am Tag des Abfluges wurde die Quarantäne sogar um zwei Wochen verlängert – und damit gab es wiederum keine Möglichkeit, das Land zu verlassen. Also baute ich meine Hoffnung auf diesen Termin der Rückkehr nach Deutschland – auch wenn nicht alle aus Platzmangel ausgeflogen werden konnten. Die Busfahrt durch die Tropen mit den vielen grünen Bananen an den Bäumen oder Papayas in gelb stachen ins Auge und ins Herz, vor allem, weil ich selbst die Strecke schon oft gefahren war. Kein Halt mit einem Essen wie oft mal schon privat an der Stelle der Zuchtstation für Trucha (Forellen). Dafür hieß es eine Nacht und einen Tag im Flughafen von Santa Cruz zu verbringen. Eine erfreuliche Bekanntschaft aber hat sich ergeben mit Rolando, einem Gefäßchirurgen aus Berlin, Deutscher, geboren in Bolivien. In einem nach verschiedenen Gruppen geordneten Check- in kam noch eine Fiebermessung – bei mir negativ zu meiner schon bestehenden Sicherheit, da ich bereits länger als eine Woche in Einzelquarantäne in meinen beiden Zimmern verbracht hatte. Ein ruhiger, sicherer Flug brachte uns in 12 Stunden in einem Jumbo-Jet der spanischen Fluggesellschaft WAMOS , mit überaus freundlicher spanischen Crew und einer sanften Landung an unser Ziel: Frankfurt. Jeder kann sich vorstellen, wie viele Menschen mitgeflogen sind, wenn ich mehr als zwei Stunden auf meinen Koffer warten musste am Kofferfließband.

Dem Virus sind wir entkommen – um ihn in Deutschland wiederzutreffen – aber unter anderen Bedingungen in einem heimatlichen Wohlgefühl. Ich möchte das Rückkehrerlebnis und seinen Neubeginn deuten als etwas, wofür ich mich bedanke und mit der nahenden Semana Santa und der Nähe zu O S T E R N - ebenso einem Mosoj Punchay - verbinden möchte. Dank der Organisation und dem Einsatz der Deutschen Botschaft! Beim Abschied war aus vieler Munde zu hören: „Cuida te!“ – „ Pass auf dich auf!“ – dass wir uns wiedersehen am Ende der Epidemie und sagen können: „Como estas? Todo bien!“ „Wie geht es Dir? Es ist wieder alles ist gut.“ Ich wünsche allen viele neue Hoffnungstage, viele Mosoj Punchays !

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Caro Hostert: Theologie-Studentin: Zu Palmsonntag

Der Palmstrauß oder eher gesagt der Buchsstrauß am Kreuz über der Küchentür ist vertrocknet.

"Schade!" sage ich mir und werde etwas traurig, wenn ich daran denke, dass ich in diesem Jahr nicht dabei sein kann, wenn die Sträuße gesegnet werden.

Dennoch bieten viele Kirchengemeinden eine Möglichkeit den Palmsonntag trotz Krise "würdig" zu begehen.
Ab 14 Uhr kann man in meiner Gemeinde beispielsweise sein Sträußchen in den Kirchen abholen und eine Hausmesse feiern, während die Kreuze mit neuen Sträußchen bestückt werden.

Das Anstecken der gesegneten Sträußchen soll Schutz und Segen für das Haus und seine Bewohner bringen.
Aber an was erinnern wir uns eigentlich an Palmsonntag und was hat das mit der Kar- und Osterzeit zu tun?
Palmsonntag ist der sechste Fastensonntag und damit der letzte Sonntag vor Ostern. Er leitet in die Karwoche ein. Zu Beginn des üblichen Palmsonntag-Gottesdienstes werden die Palmzweige (die in unserer Region jedoch Buchszweige sind) mit Weihwasser gesegnet. Daraufhin ziehen die Christen oftmals in einer Prozession in die Kirche ein. Der Palmsonntag erinnert daran, wie Jesus auf einer Eselin in Jerusalem eingezogen ist. Die Menschen legten ihre Kleidung auf den Weg, andere schnitten Palmzweige ab und streuten sie auf den Weg. Sie jubelten beim Einzug des "Sohn Davids" (Mt 21).

Freud und Leid liegen an Palmsonntag jedoch nah aneinander: Erstmals wird an diesem Tag das Evangelium vom Leiden und Sterben Christi gelesen.

Wir begehen also an diesem Tag die Karwoche. Doch bevor Jesu Leiden beginnt, hören wir am Donnerstag auf dieser Seite, wie Jesus uns bei seinem letzten Abendmahl mit seinen Jüngern ein unfassbar großes Geschenk gemacht hat...

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JProf. Dr. Franziskus Knoll OP, Diakonische Theologie und Spiritualität: "Ethischer Impuls zur Corona-Krise"

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M. Bönig, Theologie-Studentin: "Es ist eine besondere Fastenzeit"

Es ist eine besondere Fastenzeit, in der wir alle neue Wege gehen müssen. In unserem eigenen Leben, mit unseren Familien und Freunden, aber auch in Studium und Beruf. Und ja, es ist wirklich nicht immer einfach. Gerade merke ich es besonders mit meiner Familie, wie wir uns alle daran gewöhnen müssen, dass ich für einige Wochen wieder zuhause bin. Daher genieße ich die langen Spaziergänge mit meinem Hund durch die Feldmark, um mich immer wieder neu auszurichten.

Wer bin ich? Wo komme ich her und wo möchte ich hin? All diese Fragen stelle ich mir, wenn mich der Wind durchpustet und ich die Weite meiner Heimat genießen kann. Manchmal sind es aber auch Begegnungen mit Christus, die ich auf den Spaziergängen habe. Das Vertrauen, er ist mit mir unterwegs und zeigt mir auch Wege abseits meiner gewohnten Runde mit dem Hund. Und so sind manche Wege eine Reise in meine Jugend und manchmal auch zurück zu mir.

Und vielleicht ist es in dieser Zeit etwas, wofür wir uns bewusst Zeit nehmen sollten. Neue Wege einschlagen, uns auf die Suche nach Begegnungen mit Christus machen.

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Manuela Völkel, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät: "Community Health Nursing wichtiger denn je…“

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Community Health Nursing-Projekt gibt es im Moment auch im Homeoffice viel zu tun, denn die Öffentlichkeitsarbeit für den neuen Studiengang, der zum Wintersemester 2020/2021 an der PTHV starten wird, muss von „persönlich“ auf „digital“ umgestellt werden. Dazu haben wir im Team mit Prof. Dr. Weidner und Dr. Maria Peters auch schon viele kreative Ideen. Dabei beschäftigt mich in diesen Tagen der Corona-Epidemie aber immer wieder der Gedanke: „Hätten wir doch nur jetzt schon Community Health Nurses in den Gesundheitszentren und in den Kommunen! Was könnte alles besser laufen?“

Die Kommunen stehen vor großen Herausforderungen: Sie müssen die Verwaltung und die Daseinsvorsorge der Bürgerinnen und Bürger aufrechterhalten und erhalten fast stündlich neue Anweisungen, welche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie zu veranlassen sind. Community Health Nurses könnten bei der Umsetzung erhebliche Unterstützung leisten. Sie sind (zukünftig) ausgebildet in Public Health und Epidemiologie und gleichzeitig kennen sie das Profil der Bevölkerungsstruktur und der Infrastruktur ihrer Kommune mit allem Stärken und Schwächen sehr genau. Sie haben zudem langjährigen Kontakt zu den Kitas, Schulen, Jugendzentren und Altenhilfeeinrichtungen aufgebaut und können so in Krisen leichter Handlungsanweisungen weitergeben. Sie sind auf die vulnerablen und diversen Bevölkerungsgruppen eingestellt und können Hinweise und Anleitungen barrierefrei und in verschiedene Sprachen übersetzen. Sie lassen keinen durch das Sorgenetz fallen und organisieren in kürzester Zeit Unterstützungsangebote für Bedürftige, denn sie kennen die relevanten „Drahtzieher“ und Stakeholder der Region.

Hätten wir Community Health Nurses in den Kommunen könnten sie auch hier einen wissenschaftlich fundierten Beitrag leisten für einen kommunalen Notfallplan im Falle einer Epidemie, denn nur 20% der Kommunen geben an, einen solchen Notfallplan vorbereitet zu haben. Deshalb arbeite ich auch jetzt motiviert weiter an der bevorstehenden Umsetzung unseres tollen Studienganges in „Community Health Nursing“, denn er hat großes Zukunftspotential!
„Jede Krise ist ein Geschenk des Schicksals an den schaffenden Menschen“ (Stefan Zweig)

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Lena Beuth, Theologie-Studentin

Song in Zeiten von Corona "Spread Love" (#coronathing) bei YouTube hier: www.youtube.com/watch

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Caro Hostert, Theologie-Studentin: "Alltagseinblick in Zeiten von Corona"

Hey, hey, Caro hier. Manche kennen mich aus Formaten wie #caroplaudert auf dieser Seite, als AStA Theologie - Chefin, Mitarbeiterin des Reinisch-Büros, WG-Bewohnerin oder einfach nur als Theologie-Studentin. Vor 1 1/2 Wochen war mein letzter Besuch in der PTHV und ich vermisse in Zeiten von #Corona mein zweites zu Hause schmerzlich. Morgens komme ich nur schwer aus dem Bett, mein sonst voller Terminkalender ist leer. Als hätte man die Uhr gestoppt. Ein Lichtblick ist die tägliche Sporteinheit - Joggen, Aerobic - irgendetwas, was mir meinen sonst so turbulenten Alltag näher bringt. Mein "Büro" teile ich mit meinem Mann, der seit einer Woche im Home-Office arbeitet und meinem kleinen Bruder, der seine Schulaufgaben gegenüber auf dem Platz Tag für Tag erledigt. Nach dem Haushalt, setze ich mich an meinen Laptop. Links und rechts von mir liegt das, was ich zur Zeit für die Bewältigung meiner Magisterarbeit brauche: Ein großer Bücherstapel und viele Zeitschriftenartikel, sowie Abschriften aus dem Archiv. Auch mein "Home- Office" aus dem Reinisch-Büro ist hier. Während ich schreibe, Mails checke und lese, helfe ich meinem Bruder mit seinen täglichen #Homeschooling-Aufgaben. Abends beim Essen hören oder sehen wir alle zusammen die Nachrichten, checken die Infizierten-Zahlen...

Und ich erwische mich jeden Tag beim innerlichen Meckern: Ich kann meine neugeborenen Nichten bzw mein Patenkind besuchen, das wöchentliche Einkaufen ist ein Spießrutenlauf, mein soziales Leben findet am Esszimmertisch und in WhatsApp statt und vor allem bräuchte ich Material aus dem Archiv und das ein oder andere Buch für meine Arbeit. Auch die Fastenzeit fällt mir gerade unglaublich schwer. Dabei geht es mir doch gut: heute habe ich sogar Klopapier im Supermarkt bekommen. Nein jetzt mal ohne Spaß: Ich verbringe so viel Zeit wie noch nie mit meiner Familie und vor allem mit meinem Mann, der mich sonst durch Fernbeziehung und Termine sehr selten sieht. Ich wohne auf dem Land, wir haben einen Garten und ein großes Haus. Ich habe Zeit, meine Arbeit zu schreiben und kann von zu Hause aus Geld verdienen. Ich kann im Gegensatz zu so vielen #Systemrelevanten zu Hause bleiben. Ich habe Zeit, die Dinge zu tun, für die ich sonst keine Zeit hätte. Mir geht es gut, ich bin gesund. Ich kann für so Vieles danken. Ich kann vielen Menschen danken und dank meinem Glauben kann ich auch sagen: Gott sei Dank!

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Ricarda Schlenke, Theologie-Studentin: "Ein kurzer Gruß vom Gelände der PTHV!"

Da ich nicht nur hier studiere, sondern auch in der WG an der Hochschule wohne, darf ich die Frühlingssonne am liebsten Platz vieler Studierenden und Mitarbeiter*innen genießen: mit einer Tasse Cappuccino am Teich, gegenüber des Foyers. Da zur Zeit weder Prüfungen noch Vorlesungen sind, bleibt viel Zeit, um die Schönheit auf der Welt zu bewundern, lange Spaziergänge in der Natur zu machen und das langsam aufkeimende Grün und die vielfältigen Blüten staunend wahrzunehmen.
Dies ist auch meine Einladung an euch alle: In dieser ungewöhnlichen Zeit nicht den Blick für das Schöne in der Welt zu verlieren. Haltet Augen und Herzen offen für die wunderbare Schöpfung Gottes und die Menschen in eurer Umgebung.

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Lena Beuth, Theologie-Studentin: 60 Sekunden Bibel Cover "Zeit für Überlegungen"

YouTube-Video hier: www.youtube.com/watch

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Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch: "Eigentlich andere Pläne gehabt"

Mein Forschungssemester habe ich mir auch anders vorgestellt. Der Terminkalender war voll. Ich habe mich auf viele Begegnungen gefreut und auf interessante neue Einsichten. Gott sei Dank, dass ich gleich nach Semesterschluss einige Archivbesuche machen konnte. Zur Zeit wäre das nicht mehr möglich. Statt dessen bin ich nun auch in die Überlegungen mit einbezogen, wie unsere Hochschule auch in der Krisenzeit nicht nur überleben, sondern sich auch weiterentwickeln kann.

Doch es gibt auch positive Zeichen. Mit etwa 100 Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt arbeiten wir an einem Megaprojekt zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Ob und wie in den folgenden Monaten unsere Workshops stattfinden können, ist mehr als ungewiss. So treffen wir uns eben virtuell. Am Montag hatten wir eine Videokonferenz mit elf Kolleginnen und Kollegen aus vier Kontinenten. Den Kollegen aus Australien informiere ich eigens – da sind die Zeitdifferenzen zwischen Nordamerika und Australien doch zu groß. Es funktioniert; schließlich sind alle zu Hause und arbeiten vor ihrem Computer.

In unserer Hausgemeinschaft im Provinzhaus Berg Sion halten wir gebührend Abstand, genießen aber auch die Zeit, in der wir alle da sind, was sonst nicht der Fall wäre. Wir sind bislang alle negativ (was eine positive Aussage ist!).

Im Internet ist sehr viel Religiöses zu finden. Ich beobachte die Diskussionen um die Sinnhaftigkeit von privat gefeierten Messen, in denen ja immer die ganze Kirche und Welt mit ihren Sorgen präsent ist. Wozu diese ganze Krise letztlich gut ist, weiß ich nicht. Ich suche noch nach einer Antwort.

Hoffentlich können wir uns bald wieder real begegnen und uns nicht nur mit Abstand begrüßen. Bis dahin bleiben wir uns virtuell nahe.

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Prof. Dr. Hubert Lenz SAC, Lehrstuhl für Systematische Philosophie und Evangelisierende Pastoral: "Mittendrin – spirituelle Impulse zur Corona-Krise"

Das Leben steht quasi still. Absagen von Veranstaltungen, von Gottesdiensten, Kontaktverbote, Abstand als Gebot der Stunde: Das Virus mit dem sperrigen Namen SARS-CoV-2 oder einfach Corona zwingt uns alle zu einer “Unterbrechung”. Wir werden massiv in den Kontakten eingeschränkt, auf uns selbst zurück geworfen und mit unserem Leben konfrontiert. Neben der Sorge um uns selbst, unsere Familien und Freunde, melden sich zunehmend Fragen: Was ist mit mir und meinem Leben? Was habe ich eigentlich in der Hand? Wo finde ich Halt?
Im normalen Alltag kann man diesem Blick in den Spiegel oft ausweichen – jetzt oft nicht. Da springen uns diese Fragen manchmal geradezu an. Der Pallottiner-Pater Hubert Lenz – Leiter der Vallendarer WeG-Initiative “Glaube hat Zukunft” – lädt in einer 12-teiligen Radio-Serie ein, sich auf diese Fragen einzulassen: "Die Zeit, die wir jetzt erleben, wird unser Leben stark verändern und ich vermute, dass sich aus der veränderten Perspektive auch neu die Frage nach Sinn, Glück, nach Gott und Glaube stellen lassen." Vielleicht finden nicht nur kirchlich Verbundene, sondern auch Fragende und Suchende dabei einen neuen, sehr persönlichen und existenziellen Blick auf das Evangelium.
Die leicht verständlichen Sendungen können und wollen den Glauben in dieser Zeit ins Gespräch bringen.
Wo und wann?
Seit dem 23.03.2020 jeweils montags bis donnerstags von 17:15 Uhr -17:30 Uhr bei Radio Horeb. Die Beiträge finden Sie im Anschluss an die Sendung im Podcast von Radio Horeb – unter der Bezeichnung “Mittendrin”: https://www.horeb.org/…/zeit-zum-nachdenken-geistlicher-im…/
Die Sendung kann dort auch heruntergeladen werden. Die Auftaktsendung: Aktuelles – zur Corona-Krise (im Rahmen der Reihe Credo) hier (27 min). https://www.horeb.org/mediathek/podcasts/credo/…

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Prof. Dr. Margareta Gruber OSF, Dekanin der Theologischen Fakultät: "Verwundbar und aufeinander verwiesen"

Derzeit machen wir weltweit eine ganz neue Erfahrung: Die Welt rückt plötzlich weit auseinander und gleichzeitig ganz nah zusammen. Wir können unsere Familien und Freunde auf Wochen, vielleicht Monate, nicht mehr besuchen und hatten vielleicht noch nie so engen Kontakt mit ihnen durch die sozialen Medien.

Ich sitze selber seit einer Woche in Quarantäne weil ich Kontakt mit einer infizierten Person hatte. Mir geht es gut, vielleicht habe ich den Infekt mit leichten Symptomen bereits überwunden. Ich merke in dieser eigentlich nur geringen und relativ bequemen Isolation, wie ich mich über lebendige Zeichen von anderen Menschen freue. Das Berührendste war ein WhatsApp-Austausch mit Freunden in Qom in Iran. Da es den Menschen in Qom wirklich sehr schlecht geht, auch auf Grund der bestehenden Sanktionen, habe ich ihnen geschrieben und die Nachricht von der Aktion „Kerze ins Fenster stellen und beten“ weitergeschickt. Da erhielt ich ein schönes Foto mit einer brennenden Kerze und einer Gebetsschnur, die während des Abendgebets in Qom für mich gebrannt hat. Darauf habe ich, während ich den Fernsehgottesdienst aus der Limburger Bischofskapelle mitfeierte, ebenfalls eine Kerze mit meinem Rosenkranz aufgestellt, für die Menschen in Iran gebetet und mein Foto nach Qom geschickt. Ich musste denken, und dieser Gedanke hat in mit eine tiefe Freude ausgelöst: Der Leib Christi ist viel mehr als meine Kirche, er umspannt die ganze Menschheit. Und er zeigt sich uns in diesen Tagen verwundbar und in gegenseitiger Abhängigkeit. Auch das Heil für diesen verwundeten Leib wird alle berühren müssen, oder keinen.

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