Gut alt werden in religiösen Gemeinschaften

IV. Vallendarer Kolloquium zum Gesundheitswesen 2018

Dr. Hanno Heil (7. von links, 2. Reihe), Prof. Brandenburg (2. von links, 1. Reihe) und Judith Bauer (4. von links, 1. Reihe) umringt von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung/ Foto: PTHV

Vallendar, 05.03.2018. Vom 15. bis 16. Februar 2018 fand an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) das IV. Vallendarer Kolloquium zum Gesundheitswesen statt. Diesmal wurden Fragen verhandelt, die das Altern in religiösen Gemeinschaften betreffen. Insgesamt 18 Personen sowie die Referentinnen und Referenten waren involviert. Organisiert wurde das Kolloquium von Dr. Hanno  Heil, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Diakonische Pastoral und Vorsitzender des Verbands der Katholischen Altenhilfe in Deutschland. Als Mitveranstalter waren Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Dekan der Pflegewissenschaftlichen Fakultät an der PTHV, Dr. Alfons Maurer, Vorstand der Paul Wilhelm v. Keppler-Stiftung und Diplom-Gerontologe Karl-Heinz Will, Leiter der Abteilung Altenpflege der Stiftung der Cellitinnen, beteiligt. Eröffnet wurde die Tagung durch einen aufschlussreichen Vortrag von Dr. Uwe Sperling (Theologe und Gerontopsychologe) vom Universitätsklinikum Mannheim (IV. Medizinisch Klinik - Geriatrie). Sein Thema war: "Religion im Alter. Befunde zur religiösen Kommunikation und zu religiösen Gemeinschaften. Ein Überblick über aktuelle Herausforderungen." Er zeigte auf, welche z.T. grundlegenden psychischen und sozialen Herausforderungen hinter den praktischen Fragen der Lebensgestaltung, der Pflege und der Betreuung im Alter stehen. Die Bewältigung dieser Herausforderungen kann durch religiöse Lebensformen und christliche Glaubenspraxis in Gemeinschaften unterstützt werden. Der theoretische Input wurde am zweiten Tag durch Studienergebnisse ergänzt und vertieft. Judith Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der PTHV, stellte die Ergebnisse der Studie: "Gut alt werden in pallottinischen Gemeinschaften (GAGE)" vor. Dafür wurden ältere und leitende Mitarbeitende in verschiedenen Niederlassungen umfassend befragt. Auch Ordensangehörige, so das Ergebnis, erfahren das Altern ambivalent: einerseits als Last und Begrenzung, dann aber auch als Chance und Herausforderung.

Als sehr bedeutsam  zeigten sich die Rahmenbedingungen, die ein gutes Altern ermöglichen. Im Vortrag von Diakon Allhorn (Stiftung der Cellitinen zur hl. Maria in Köln) über "Seniorenklöster" als Modell zur Bewahrung von gemeinschaftlicher Identität wurde sehr gut erkennbar, dass der Einzug in eine professionell geführte stationäre Altenpflegeeinrichtungen eine neue und bereichernde Form gemeinsamen Lebens für Ordensangehörige darstellen kann. Im Beitrag von Matthias Mört, Fachplanung Pflege in Ahaus, wurde die Umwandlung eines klassischen Altenpflegeheims in Ordensträgerschaft in verschiedene  ambulant betreute Wohngruppen vorgestellt. Dieses gemeinschaftliche Wohn- und Pflegemodell zeigte eine gelingende Aktivierung und Verlebendigung der einzelnen Bewohner und des Gemeinschaftslebens – und dies sogar bei reduzierten Kosten. Beide Praxismodelle stießen auf großes Interesse des Auditoriums und  sollten im Hinblick auf ihre Auswirkungen evaluiert werden. Zum Abschluss der Diskussionen stellte Dr. Hanno Heil, fest: "Wir haben in verschiedenen Vorträgen gesehen, dass uns das lange Altern, welches wir heute erleben dürfen, herausfordert, unser Leben auch in späten Lebensphasen neu zu entwerfen. Wo wir die Angst vor der Veränderung hinter uns lassen können – dabei kann uns der christliche Glaube helfen -  zeigt sich, dass überraschend gutes Leben im Alter möglich ist. Eingeübtes Gemeinschaftsleben und gereifter Glauben sind dabei wichtige Hilfestellung." 

Das V. Vallendarer Kolloquium wird 2019 stattfinden, Informationen dazu werden rechtzeitig auf der Homepage der PTHV bekannt gegeben.