Gemeinsamer "Wall walk"

Methodenworkshop der Pflegewissenschaftlichen Fakultät

Foto 1: (v.l.n.r.): PD Dr. Michael Jonas, Anike Krämer M.A., Ulrike Lindwedel-Reime, M.Sc.; JProf. Dr. Sabine Nover gestalteten die beiden Workshop-Tage

Foto 2: Der gemeinsame "Wall Walk" war sehr aufschlussreich zum gegenseitigen Verstehen/ Fotos: PTHV

Vallendar, 03.12.2018. Am 27. und 28.11.2018 fand unter dem Titel "Zugänge schaffen (2): Neue Entwicklungen in der Pflege erfordern neue Forschungsmethoden" der zweite Methodenworkshop des Lehrstuhls für Methodologie und qualitative Methoden in der Pflege- und Gesundheitsforschung statt. Die Lehrstuhlinhaberin, Frau JProf. Dr. Sabine Ursula Nover, organisierte und moderierte die Veranstaltung.

Zwei Tage lang beschäftigten sich die etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit neuen oder sich wandelnden Aufgaben in der Pflege, etwa neuen technischen Möglichkeiten oder einem veränderten Bewusstsein von krank/gesund, und den daraus erwachsenden Herausforderungen für die Pflegeforschung. Dabei standen drei zentrale Aufgaben qualitativer Forschung im Fokus:

1. Interdisziplinarität in Forschungsprojekten und damit verbundene divergierende Denkstile und Methodologien,

2. unterschiedliche methodologischen Implikationen und ihre Auswirkungen auf die Datenanalyse,

3. die Rolle der Forschenden im Feld und ihre methodologisch erforderliche Reflexion.

Den Anfang machte Frau Ulrike Lindwedel-Reime, M.Sc. in Health Sciences und akademische Mitarbeiterin an der Fakultät Gesundheit, Sicherheit, Gesellschaft der Hochschule Furtwangen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind neben Palliative Care die technikgestützte Pflege und die außerklinische Intensivpflege, sowie Fragen von Gender und Diversity. In ihrem Vortrag gab sie Einblicke in das Projekt "situcare" und die mit der Umsetzung verbundenen methodischen Herausforderungen. In diesem Projekt geht es um die Entwicklung von neuen Mensch-Technik-Interaktionssystemen für Versorgungsprozesse in der Heimbeatmung, wobei es zunächst galt, eine gemeinsame Sprache der beteiligten Professionen zu finden. Die dazu eingesetzte, sehr anregende und effektive Methode des "Wall Walk" durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann einmal selbst ausprobieren.

Den Nachmittag bestritt Herr PD Dr. Michael Jonas, Senior Resercher am Institut für Höhere Studien in Wien, mit den Forschungsschwerpunkten Praxeologie und Partizipative Verfahren in den Themenbereichen Nachhaltigkeit und Gesundheit. Auch er gewährte zunächst einen Einblick in seine aktuelle Forschung und damit verbundene Herausforderungen, wobei er den für qualitative Forschung konstitutiven Zusammenhang von empirischem Feld, eingesetzter Methode und zugrundeliegender Theorie verdeutlichte.

Die dabei im Plenum diskutierten Fragen sind – nicht nur - für die Pflegeforschung zentral: Anhand von Beispielen aus seiner Forschungspraxis diskutierte er Aspekte einer wissenssoziologischen Videoanalyse, einer Grounded Theory basierten Typenbildung sowie einer perspektivischen Rahmung einer praxeologischen Analyse von Alltagskunst. Hier konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand eines kurzen Videos daran üben, eine Partitur für die Analyse zu erstellen.

Mit ihrer besonders interaktiven Veranstaltung beschloss Frau Anike Krämer den Workshop am Mittwoch. Sie hat den M.A. in Sozialwissenschaft und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Genderstudies der Ruhr-Universität Bochum. Ihr aktueller Schwerpunkt liegt in der Erforschung des Erlebens und der Erfahrung von Intersexualität, vor allem unter den Aspekten Familie und Gesundheitsversorgung. Sie nahm die Teilnehmenden zu einem Forschungsproblem, bisweilen sogar Forschungsdilemma mit: der auch ethisch zu reflektierenden Frage, wie man mit der eigenen Rolle als Forschende/r im Feld umgehen soll. Dabei gelang es ihr, die vielfältigen Facetten, die mit der Subjektivität von Forschenden zusammenhängen, durch einen Mix aus Diskussionen, Erarbeiten konkreter Fragen in Kleingruppen sowie eigenen Inputs deutlich zu machen und die Teilnehmenden immer wieder zur Reflexion der jeweiligen eigene Situation als Forscherin bzw. Forscher zu bringen und den Bezug zur eigenen Forschung herzustellen.

"Abschließend lässt sich sagen, dass die Mischung aus Input, eigenem Tun und Themenvielfalt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Augen für manches Problem und mögliche Lösungen im Feld der qualitativen Forschung geöffnet hat", fasst die Organisatorin, JProf. Dr. Sabine Nover, zusammen. Der nächste Methodenworkshop ist für den Sommer 2019 geplant.