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Prof. Dr. Hermann Brandenburg (2. von rechts) stellte das Projekt als wissenschaftlicher Leiter vor

Wie gelingt die Öffnung von Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe ins Quartier?

Abschlussveranstaltung des Projektes GALINDA

Die Frage, wie eine Öffnung von Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe in das sie umgebende Wohnumfeld gelingen kann, steht im Mittelpunkt des Forschungsprojekts „Gutes Altern in Rheinland-Pfalz“ (GALINDA). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe DIALOG SOZIAL wurde das Projekt nun vorgestellt und seine Ergebnisse von der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler mit Expertinnen und Experten diskutiert. Das Thema stieß bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf reges Interesse.

„Wir sind davon überzeugt, dass die Öffnung von Einrichtungen in das sie umgebende Wohnumfeld ein wichtiger und zukunftsfähiger Weg ist. Mit einer Stärkung des Quartiersgedankens und des gegenseitigen Interesses von Einrichtung und Wohnumfeld aneinander können eine gute Betreuung und Pflege nicht nur der Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung, sondern auch des Wohnumfelds entwickelt und sichergestellt werden“, betonte Ministerin Bätzing-Lichtenthäler die Bedeutung des Forschungsprojekts.

Zunächst stellte das wissenschaftliche Team der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) unter Leitung von Prof. Dr. Hermann Brandenburg seine Erkenntnisse aus dem Projekt vor. Diese wurden durch die Begleitung und Beobachtung von drei Einrichtungen für ältere Menschen mit Pflegebedarf und Menschen mit Behinderungen über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren sowie einer Online-Befragung aller rheinland-pfälzischen Pflege- und Eingliederungshilfeeinrichtungen gesammelt. Danach befürwortet die große Mehrheit der Einrichtungsleitungen eine stärkere Öffnung ihrer Einrichtungen zum Quartier, allerdings unter der Maßgabe, dass die Bewohnerinnen und Bewohner nicht zu stark belastet werden. Die Öffnung richtet sich, so die Erkenntnisse des Forschungsteams, derzeit noch weitestgehend an den Bewohnerinnen und Bewohnern aus, wohingegen Angebote für das Umfeld der Einrichtung noch weniger im Fokus der Einrichtungen stehen.

Häufig sind Ehrenamtliche, Kirchengemeinden, Schulen und Kindergärten an den Angeboten beteiligt. Schwach bis nicht vorhanden sind dagegen eine Vernetzung mit lokalen Unternehmen, Anbietern von Erwachsenenbildung sowie mit Freizeiteinrichtungen. Neben den Chancen einer Quartiersöffnung konnte das Team aber auch Ambivalenzen herausarbeiten, die mit unklaren rechtlichen und finanziellen Aspekten, aber auch mit Belastungen und Herausforderungen für die beteiligten Berufsgruppen – wie der Pflege oder Sozialen Betreuung – begründet werden.

Prof. Dr. Brandenburg betonte: „Die entscheidende Frage lautet: Wie wird Wissen wirksam? Und dazu muss erstens in den Einrichtungen ein Informations- und Reflexionsprozess in Gang gesetzt werden, der die Frage klärt: Was bedeutet Quartiersentwicklung für die jeweiligen Professionen und wie kann ihr konkreter Beitrag aussehen? Ich denke hier an die Pflege, die Soziale Arbeit und die Hauswirtschaft. Zweitens muss eine verbindliche Struktur, Anbindung und Schärfung des Aufgabenprofils des Quartiersmanagements sichergestellt werden. Die Verortung in der Kommune ist aus meiner Sicht sehr bedeutsam. Und drittens müssen Möglichkeiten geschaffen werden, durch die eine Unterstützungskultur der Zivilgesellschaft entwickelt und nachhaltig etabliert wird.“

Mit Blick auf die Ergebnisse diskutierten mit Ministerin Bätzing-Lichtenthäler Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, wie diese Erkenntnisse weiter genutzt und eine Öffnung der Einrichtungen sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner, die Einrichtungen als Institutionen, aber auch für die Menschen im Umfeld der Einrichtungen weiter umgesetzt und nutzbar gemacht werden können.

Prof. Dr. Martin Lörsch von der Universität Trier hob dabei die Rolle der Kirchen hervor: „Die christlichen Kirchen sind heute mit der Frage konfrontiert: ‚Wozu und für wen sind wir Kirche?‘ Meine Antwort lautet: Diakonische Kirchenentwicklung und sozialraumorientierte Gemeindepastoral als Beitrag zu einem guten Leben im Quartier! Als Träger vieler Einrichtungen der Stationären Altenhilfe sind die Kirchen herausgefordert, die gesellschaftlichen Entwicklungen für sich als ‚Zeichen der Zeit‘ zu erkennen. ‚GALINDA‘ gibt der Kirche Hinweise, wie sie sich mit den örtlichen Pflegeeinrichtungen im lokalen Sozialraum neu aufstellen kann.“

„Die Öffnung der Einrichtungen in das Quartier ist notwendiger Garant für die soziale Teilhabe der Bewohnerinnen und Bewohner. Einrichtungen brauchen dafür vor allem Flexibilität für eigene Ideen und Personalkonzepte, um Öffnungen für und in das Quartier bedarfs- und qualitätsgerecht ermöglichen zu können. Jedoch müssen auch die Rollen der Angehörigen und des sozialen Umfelds in ihren gesellschaftlichen Verantwortungen gefördert und gefordert werden“, so Regina Schuster, Vorstandsvorsitzende der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz.

Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt von der Deutschen Altershilfe forderte: „Nicht mehr Geld in das System pumpen ohne Strukturreform! Strukturreform meint: sozialraumorientierter Wandel der Angebotsformen vor dem Hintergrund der Differenzierung der Wohnformen im Alter. Das ist aber ein radikaler Kulturwandel!“

Als Fazit der Diskussion wurde beschrieben, dass die Öffnung von Einrichtungen gezielter angegangen und Einrichtungen bei diesem Vorhaben stärker unterstützt werden müssen. „Denn für eine Öffnung der Einrichtungen in das Wohnumfeld sind nicht nur die Einrichtungen gefordert, sondern auch die Kommunen und insbesondere die Zivilgesellschaft“, so Ministerin Bätzing-Lichtenthäler. Sie warb dafür Skepsis, Vorbehalten und Angst vor Alter, Gebrechlichkeit und Behinderung stärker zu begegnen und forderte alle gesellschaftlichen Gruppierungen und jeden einzelnen dazu auf, sich mit seinen Fähigkeiten und Ressourcen für die Bewohnerinnen und Bewohner in den benachbarten Einrichtungen einzubringen und damit auch das Wohnquartier zu stärken.

Der DIALOG SOZIAL ist das Forum des Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, in dem Themen und Perspektiven von zentraler landespolitischer Bedeutung mit Kooperationspartnern, Betroffenen, Verbänden, Organisationen, Kommunen und Mandatsträgern im Dialog erörtert werden.

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter www.msagd.rlp.de und www.menschen-pflegen.de

Kontakt

Verena Breitbach

Philosophisch-Theologische
Hochschule Vallendar (PTHV)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing
Pallottistr. 3, 56179 Vallendar

Tel.: +49 261 6402-290
Fax: +49 261 6402-300
E-Mail vbreitbach@pthv.de

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