Oft scheitert religiöse Erziehung daran, dass Eltern sagen, sie wissen nicht, wie es geht. Um dem zu begegnen, müssen Menschen wieder sprachfähig werden für das, woran sie glauben. Dafür plädierte der Tübinger Religionspädagoge und Autor zahlreicher Bücher Albert Biesinger auf dem zweiten Akademietag an der Hochschule der Pallottiner in Vallendar. Er begann seine Ausführungen mit einer Meditations-Reise in die eigene Kindheit und Jugend: „Wo hat mich Gott zum ersten Mal berührt? Welche Menschen waren daran beteiligt? Was ist mir wertvoll geworden?“ Denn nur das können wir weiter geben, so der Referent, was uns selbst bedeutungsvoll geworden ist. Deshalb sind religiöse Alltagsrituale unverzichtbar, bei denen Werte ins Leben hinein greifen, wie z.B. das Tischgebet, der Segen beim Verlassen des Hauses oder der abendliche Tagesrückblick vor und mit Gott. Kinder haben durch religiöse Erziehung viel zu gewinnen, die Tiefendimension ihres Lebens. Dass dies keine Frage (angeblich) nicht vorhandener Zeit ist, erläuterte Biesinger an konkreten Beispielen aus dem eigenen Leben als Familienvater und Diakon. Gerade in der Gemeindeseelsorge stößt er oft auf Vorbehalte gegenüber Familien und Kindern. Er selbst studierte in Chile ein Modell von Erstkommunion-Vorbereitung, das von den Eltern getragen wird und über die Beteiligung von Jugendlichen dafür sorgt, dass die vor dem Weißen Sonntag zusammen gewachsene Gruppe auch weiter bestehen bleibt. Insgesamt, so der die ca. 150 Teilnehmer begeisternde „Religions-Praktiker“, gehe es im Glauben nicht in erster Linie um „müssen und sollen“, sondern um die Zusage: „Du kannst!“
Die anschließende Podiumsdiskussion mit von Fragen religiöser Erziehung Betroffenen leitete Elisabeth Jünemann, gebürtige Koblenzerin und Professorin für theologische Ethik an der Kath. Fachhochschule in Paderborn. Dabei stellte Jutta Laux, Diplompädagogin im Bistum Limburg, das Modell „KESS“ als Stütze für Erziehung vor. Die Abkürzung steht für „kooperativ, ermutigend, sozial, situationsbezogen“. Schon über 30.000 Eltern haben sich in Kursen darauf eingelassen, zusammen mit ihren Kindern Fragen an das Leben zu stellen und wurden so in der eigenen pädagogischen Aufgabe gestärkt. Es bleibt, so Prof. Biesinger abschließend, eine Existenzfrage der deutschen Kirche, ob sie in Fragen der Katechese ein zukunftsfähiges Modell entwickelt.
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