Prof. Dr. Andreas Kruse (Direktor des Instituts für Gerontologie an der Universität Heidelberg) und einer der führenden Gerontologen in Deutschland, sprach am gestrigen Campustag in der Pflegewissenschaftlichen Fakultät in seinen Ausführungen über „Neue Altersbilder“ davon, dass ein Altersbild, welches ausgehend von einem kognitivistischen Menschenbild, die Schwächen und Defizite eines alten Menschen fokussiere, diesem die Möglichkeit zur Teilhabe verwehre. Sinnerfüllte Aktivität und soziale Teilhabe seien jedoch wesentlich für ein gesundes Altern und Demenz sei keine Erkrankung bei der dies per se ausgeschlossen sei. „Auch Menschen mit Demenz erleben Glück!“ so Kruse.
Das Alter sei zwar gekennzeichnet durch eine hohe Verletzlichkeit (mangelnde Respektierung verbleibender Fähigkeiten durch die Fokussierung auf das Kognitive, mangelnde Kommunikation…) auf der einen Seite, aber zugleich auch durch eine hohe Widerstandsfähigkeit. So sei bspw. die Häufigkeit von Depressionen bei alten Menschen trotz dieser besonderen Verletzlichkeit und dem immer häufigeren Erleben von existentiellen Grenzsituationen nicht höher als bei Jüngeren, vielleicht weil der Mensch gerade an und in Grenzsituationen wachse und sich entwickele - und das bis zum Ende.
Prof. Kruse betonte nachdrücklich, dass die Gesellschaft deutlich mehr Ressourcen in eine gute Pflege investieren muss, vor allem in die Ausbildung, Qualifikation und Begleitung der Pflegenden vor Ort. Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung, dass die Praxis nicht nur durch externe Vorgaben bestimmt wird, sondern dass hervorragende Beispiele guter Praxis (Best Practice Modelle) aufzeigen, welche Möglichkeiten einer Unterstützung und Förderung in der Langzeitpflege auch und gerade bei Menschen mit Demenz möglich sind.