Prof. Margareta Gruber, Lehrstuhlinhaberin für neutestamentliche Exegese an der PTHV und als Leiterin des theologischen Studienjahres der Dormitio-Abtei in Jerusalem für drei Jahre beurlaubt, erhielt am 4. Februar von Bundesbildungsministerin Schavan die Ernennungsurkunde für den neu gestifteten Lehrstuhl für biblische und ökumenische Theologie.
Schavan betonte bei der Feier in Jerusalem, in der internationalen Politik spiele Religion eine immer größere Rolle: «Wer nichts von Religion versteht, versteht die Welt auch sonst nicht.» Um so wichtiger sei bei einer theologischen Ausbildung die Einbeziehung der ganzen Person, wie sie das Studienjahr in Jerusalem ermögliche. Theologie stehe auch dafür, die Religion vor Vereinnahmung zu schützen, sagte die Ministerin. So trage sie dazu bei, dass Religion «ihr eigentliches Potenzial entfalten kann».
Das Theologische Studienjahr entstand 1973 an der deutschsprachigen Abtei, die am Rande der Jerusalemer Altstadt gelegen ist. Durch ein Stipendienprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) absolvierten mittlerweile mehr als 900 katholische und evangelische Studierende den zweisemestrigen Studienabschnitt. Zum Programm gehören neben Vorlesungen und Seminaren zahlreiche wissenschaftliche Exkursionen im gesamten Heiligen Land sowie Begegnungen mit den unterschiedlichen christlichen Konfessionen und anderen Religionen in der Stadt.
Gruber studierte 1983/84 selber in dem Studienjahr, dessen Leitung als Studiendekanin sie nun übernimmt. Schavan erinnerte an den Begründer des Studienjahres und früheren Abt-Administrator der Dormitio, Laurentius Klein (1928-2002). Dieser stehe für eine Theologie der Leidenschaft, eine Theologie ohne Angst, die nicht Mauern baue, sondern Mauern einreiße. Der Abt der Dormitio, Benedikt Lindemann, dankte der Bundesregierung, deren finanzielle Unterstützung den Lehrstuhl ermöglicht habe. Zugleich erinnerte er daran, dass sich der DAAD und die katholische Deutsche Bischofskonferenz seit Anbeginn für das Studienjahr engagierten.
Das Studienjahr ist rechtlich über den Benediktinerorden der Theologischen Fakultät Sant Anselmo in Rom angegliedert. Deren Dekan Stefano Visintin, der Gruber die Ernennung offiziell überreichte, nannte das Studienjahr eine Erfolgsgeschichte. In ihrer offiziellen Antrittsvorlesung untersuchte Gruber unter dem Titel «Freundschaft als Lebensform» die Bedeutung von Gastmählern und Fernstenliebe im Wirken Jesu. An der feierlichen Eröffnung des Lehrstuhls nahmen außer mehreren früheren Studiendekanen auch Vertreter verschiedener Kirchen und Ordensgemeinschaften teil.
Quelle: www.liborius.de (4.2.2010)