Die Kirche weiter entwickeln

Pressenkonferenz mit Kardinal Kasper am 3.7.09

Kardinal Kasper,Prof. Becker-Huberti (li.), Prof. P. George Augustin SAC

 

In einer Pressekonferenz nahm Kardinal Kasper am Freitag, 3.7., an unserer Hochschule zu Fragen der Kirche Stellung. In einem sehr persönlichen Rückblick stellte der Kardinal, der vor kurzem sein 20jähriges Bischofsjubiläum feiern konnte, die Wandlungen der Kirche in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg im Erleben seiner eigenen Person dar. Dazu gehörte das Engagement in den vorkonziliaren Aufbruchs- und Erneuerungsbewegungen wie auch das engagierte Aufnehmen der Impulse des II. Vatikanums als akademischer Lehrer in Tübingen. „Die Spannungen mit dem damaligen Kollegen Hans Küng gehörten zu den schwierigsten Erfahrungen als Professor der Theologie.“ Mittlerweile, so der Kardinal, habe er zu Küng wieder ein „ordentliches Verhältnis“, in dem es auch möglich ist, miteinander zu kommunizieren.


Gegen eine weit verbreitete resignative Stimmung in Deutschland warb Kasper für eine Weiterentwicklung von Kirche im Geist des Konzils, die getragen ist von Glaubensmut und spiritueller Tiefe. Dazu gehört auch ein neuer Blick auf das Umgehen mit Strukturen. Ihm komme manchmal die deutsche Kirche vor wie ein „Mercedes mit einem VW-Käfer –Motor“. Anstelle von großen pastoralen Räumen mit einer Vielzahl von Gottesdienstorten müsste es möglich sein, zu „Mittelpunktkirchen“ zu kommen, in denen dann auch so Gottesdienst gefeiert werden kann, dass es für alle Beteiligten zu einem religiösen Erleben kommt. Dort können, so der Kardinal, sich kleine Priestergemeinschaften ansiedeln oder auch Ordensgemeinschaften tätig werden.


Angesprochen auf Herausforderungen an die Kirche von traditionalistischen Gruppen, betonte der Kardinal, dass die Piusbruderschaft für die Kirche keine eigentliche Gefahr bedeute und von den Medien die damit zusammen hängenden Ereignisse unnötig hoch gespielt würden. Ob freilich die versöhnlichen Gesten aus Rom in der Bruderschaft, deren Verhalten ganz klar als „nicht katholisch“ zu bezeichnen ist, zu grundlegenden Veränderungen führen wird, beurteilte auch er eher skeptisch.
Seine Sicht der Kirche hat der Kardinal in den jetzt vom Kardinal Kasper Institut unserer Hochschule heraus gegebenen und bei Herder edierten Bänden 11 und 12 seiner Werksausgabe neu formuliert. Dabei sind auch seine Erfahrungen mit der Weltkirche, ganz besonders mit der ostkirchlichen Ökumene eingeflossen.

Näheres unter: Kardinal-Kasper-Institut der PTHV