Coolout in der Pflege – (kein) Thema für Pflegelehrende?!

Veranstaltung für Lehramtsstudierende der Pflege

Zufriedene Gesichter bei den Studierenden: Coolout in der Pflege war das Thema der Veranstaltung/ Foto: PTHV

Vallendar, 15.01.2018. "Coolout in der Pflege – (kein) Thema für Pflegelehrende?!" Dieser Frage haben sich die Studierenden des "Lehramts Pflege an Berufsbildenden Schulen" der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) am 12.01.2018 im Rahmen eines ganztägigen Seminars mit Prof. Dr. Karin Kersting von der Hochschule Ludwigshafen gestellt. "Mit Coolout in der Pflege ist gemeint, dass Pflegende sich unempfindlich (kalt) machen gegenüber widersprüchlichen Anforderungen. Professorin Kersting bezeichnet diesen Prozess als 'Prozess der moralischen Desensibilisierung'", erklärt Dorothee Spürk, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Lehrstuhl für Pflegedidaktik an der Pflegewissenschaftliche Fakultät der PTHV und Organisatorin der Veranstaltung.

Die gemeinsame Antwort lautete: Coolout ist ein Thema für Pflegelehrende, weil nicht nur Pflegende dem Widerspruch zwischen Patienten-/Bewohnerorientierung und Ökonomisierung ausgesetzt sind, sondern auch Praxisanleitende und Pflegepädagogen sich täglich im Spannungsfeld zwischen normativem Anspruch und nicht normkonformer Wirklichkeit in der Pflege und Pflegebildung bewegen.

Ausgehend von den persönlichen Erlebnissen der Studierenden und ausgewählten Fallbeispielen erläuterte Prof. Kersting ihre Studienergebnisse zu den oben genannten Widerspruchserfahrungen von beruflich Pflegenden, so dass die ermittelten Reaktionsmuster der Pflegenden wie beispielsweise die Tendenz der Gelichgültigkeit gegenüber dem Widerspruch oder die Idealisierung falscher Praxis anhand konkreter Erfahrungen deutlich wurden.

Durchaus kontrovers diskutiert wurde die These, dass Coolout-Strategien einerseits eine Schutzfunktion für den Einzelnen und andererseits eine Stabilisierungsfunktion für das System darstellen. Die Studierenden tauschten sich darüber aus, was zu tun sei, um inakzeptable Praxissituationen nicht pflegedidaktisch zu stabilisieren. Die Diskussion verdeutlichte wie herausfordernd es ist, an Verhältnissen und Verhaltensweisen in der Pflege und Pflegebildung etwas zu ändern und ein Umdenken anzustoßen.

Für Prof. Kersting sind die "Cooloutstudien", die sie seit ihrer Promotion im Jahr 2000 an der Gesamtschule Essen kontinuierlich weiter verfolgt, keineswegs abgeschlossen. Sie ermutigte die Teilnehmenden sich auch künftig dem Phänomen "Coolout" zu stellen und die Auseinandersetzung damit fortzuführen: "Ein Teil der Strategien bergen die Gefahr, schwierige Bedingungen zu verharmlosen sowie Ursachen und Lösungen nicht im System, sondern ausschließlich bei den Akteuren zu suchen. Deshalb ist es so wichtig, sich mit den Cooloutstudien zu beschäftigen, über Reaktionsmuster aufzuklären und weiter dazu zu forschen."