"Evaluation poststationärer Betreuung – Biberach (EPOS-B)"

Abschlusstagung des PTHV-Projektes

Das Projektteam "EPOS-B" samt Leitung von Verein und Klinik/ Foto: Sana Kliniken Landkreis Biberach

Vallendar, 19.12.2017. Das Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Dekan der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), zur "Evaluation poststationärer Betreuung – Biberach (EPOS-B)" hat am 08.12.2017 im Sana Klinikum Biberach seinen Abschluss gefunden. Die Studie (Laufzeit 01.12.2014 – 01.12.2017) wurde von einer Forschergruppe der PTHV in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Honorarprofessor an der PTHV und Professor für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung an der Universität zu Köln, und dem Verein "Unsere Brücke e.V." umgesetzt. Befunde einer empirischen Untersuchung zur Überleitung von mehrfacherkrankten älteren Menschen aus dem Krankenhaus in die häusliche Versorgung wurden nun vorgestellt.

Bei der Abschlussveranstaltung anwesend waren Prof. Dr. Norbert Heni, Vorstand des Vereins, Dr. Alfred Groner, Teamleiter, sowie die Fachkräfte der Brückenpflege. Ebenfalls waren Ksenija Gajski, zuständig für klinische Prozesse und Qualitätsmanagement in den Sana Kliniken Landkreis Biberach, und der ärztliche Direktor der Sana Kliniken Landkreis Biberach, Dr. Ulrich Mohl, zugegen. Ein Grußwort kam vom Vertreter des die Studie fördernden Sozialministeriums in Stuttgart, Dr. Andreas Marg.

Aus der Forschungsliteratur bekannt sind hohe Informationsdefizite beim Überleitungsprozess von der stationären in die häusliche Versorgung und Versorgungsprobleme bei der Nachsorge. Die genannte Problematik wird in Deutschland u.a. durch sog. "Brückenpflegeprojekte" angegangen, so auch in den Sana Kliniken Landkreis Biberach. Hier wird seit 2014 durch den Verein „Unsere Brücke e.V.“ ein Überleitungsprojekt umgesetzt, in dem qualifizierte Pflegepersonen für die poststationäre Nachsorge engagiert sind. Ihre Arbeit wird über Spenden finanziert, die der Verein einwirbt. Gegenstand des Forschungsprojekts war die Evaluation der Arbeit des Vereins "Unsere Brücke e.V.".

Methodisch wurde ein Mix aus qualitativen und quantitativen Forschungszugängen gewählt. Im qualitativen Teil der Studie (verantwortlich: Judith Bauer, MScN, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät) wurden 36 leitfadenorientierte Interviews durchgeführt. Befragt wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Brückenpflege, die betreuten Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige, externe Stakeholder, wie ambulante Pflegedienste, Hausärzte sowie wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik (Sozialdienst, Klinikleitung usw.). Der standardisierte Teil der Untersuchung (verantwortlich: Christian Grebe, MScN, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät) konzentrierte sich auf eine Interventionsgruppe (N=66 Patientinnen und Patienten), die im Evaluationszeitraum das Brückenpflege-Angebot in Anspruch genommen haben. Als Kontrollgruppe dienten N=53 Patientinnen und Patienten mit ähnlichen Fallcharakteristika des gleichen Krankenhauses. Als primäres Outcome wurde die Veränderung der durch die Patientinnen und Patienten wahrgenommenen Qualität des Überleitungsprozesses untersucht, zudem wurden die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Medikamentenadhärenz, das habituelle subjektive Wohlbefinden und die Zufriedenheit mit dem Brückenpflege-Angebot gemessen.

Als Ergebnis des standardisierten Teils der Studie wurde festgestellt, dass die Brückenpflege einen Unterschied macht. So wies die Interventionsgruppe eine deutlich höhere Qualität in der Überleitung der Patienten vom Krankenhaus in die häusliche Situation auf. Auch bezogen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie die kognitive und emotionale Dimension des habituellen Wohlbefindens zeigten sich statistisch signifikante positive Effekte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Anhand der Kontrollgruppe wurde zudem deutlich, dass Schwächen im Entlassungsmanagement poststationär nicht durch Hausärzte und/oder ambulante Dienste aufgefangen werden können. Im Hinblick auf den qualitativen Studienpart konnten vielfältige Stärken der Brückenpflegearbeit nachgewiesen werden. Diese bezogen sich u.a. auf die psychosoziale Unterstützung, die praktische Hilfe in Alltagsfragen und die Weitervermittlung an ambulante Dienste. Als Defizit wurde eine unklare Profilbildung des Vereines wahrgenommen. Darüber hinaus wurden Überschneidungen mit dem Aufgabenspektrum des Sozialdienstes einerseits und den Sozialstationen andererseits berichtet. Auch die Abgrenzung von Beruf und Privatleben stellte sich als Herausforderung dar.

Auf der Grundlage der vorliegenden Befunde wurden Empfehlungen formuliert. Grundlegend ist aus Forschersicht die Weiterführung des Vereins, allerdings wurden Entwicklungsbedarfe angemahnt. Diese beziehen sich erstens auf die Arbeit des Vereins selbst. Diesbezüglich wurde die Notwendigkeit der Schärfung von Profil und Konzept, der weiteren Investitionen in Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung sowie die die systematische Fortbildung thematisiert. Zweitens ging es um eine stärkere Beteiligung der Klinik, insbesondere im Bereich des Entlassmanagements. Hier wurde vor allem eine Optimierung dahingehend empfohlen, dass das Entlassmanagement konzeptionell wie auch organisatorisch bzgl. der Aufgabenprofile besser konturiert werden sollte. Drittens wurde der Blick auf den Sozialraum gelenkt und insbesondere eine stärkere Beteiligung der zuständigen Krankenkassen angesprochen. Ebenfalls ist aus Sicht des Experten eine flächendeckende Sicherstellung der Brückenpflegearbeit durch das Regelleistungsrecht der GKV mit Blick auf den § 11(4) SGB V wünschenswert.

Abschließend würdigte Prof. Brandenburg den hohen Einsatz der Akteure des Vereins und sagte: "Durch ihr Engagement ist es möglich, dass ältere Menschen im Übergang von der Klinik nach Hause aufgefangen und gezielt beraten werden können. Insbesondere bei alleinlebenden Menschen im hohen Lebensalter wird durch Ihren Einsatz eine Lücke geschlossen".

Abschließend wurde die Hoffnung formuliert, dass es gelingt die Brückenpflegearbeit in der Zukunft nachhaltig zu sichern und an die bisher erreichten Erfolge anzuschließen.