Entlastungsprogramm für pflegende Angehörige von Demenzkranken erfolgreich!

Ermutigende Projektergebnisse: Pflegende Angehörige von Demenzkranken können nachweislich entlastet werden! 300 Familien wurden von eigens geschulten Pflegefachkräften mehrfach zu Hause besucht, begleitet und beraten.

Zuhörer auf der EDe-Abschlusstagung

EDe-Abschlusstagung

Am 17. November fand mit rund 100 Teilnehmern die Abschlusstagung des Modellprojektes „Entlastungsprogramm bei Demenz – EDe“ in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (bei Koblenz) statt. Das Projekt wurde von 2006 bis 2009 vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) gefördert und im Kreis Minden-Lübbecke (NRW) durchgeführt. Dort nahmen rund 300 Familien, in denen ein an Demenz erkrankter Mensch versorgt wird, an dem Projekt teil. Sie wurden von neun eigens geschulten Pflegefachkräften mehrfach zu Hause besucht, begleitet und beraten. Eine Grundlage der Unterstützung bestand in der möglichst genauen Einschätzung der jeweiligen Belastung des pflegenden Angehörigen. Die Ergebnisse des Projektes wurden jetzt präsentiert. Es konnte gezeigt werden, dass mit dem Einsatz von EDe die teilnehmenden Familien nachweislich entlastet und die häusliche Pflegesituation stabilisiert werden konnten.

 

„Wir freuen uns über diese eindeutigen und ermutigenden Ergebnisse für Familien, die von Demenz betroffen sind, und hoffen doch sehr, dass unsere Ansätze von der Gesundheitspolitik aufgenommen werden“, sagte Prof. Frank Weidner vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln, der die Leitung der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes innehatte. Er hob hervor, dass Beratungsbesuche in der Häuslichkeit und professionell arbeitende Gesundheitsberater zentrale Bestandteile von Entlastungsprogrammen sein müssen. „Wir konnten u. a. zeigen, dass die Familien viel besser mit den demenzbedingten Verhaltensweisen umgehen konnten und sich durch die häusliche Beratung emotional unterstützt sahen“, so Weidner weiter.
Hanka Bendig vom Projektförderer GKV-Spitzenverband sprach von einem Projekt mit zukunftsweisenden Ergebnissen für die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung. Sie wies darauf hin, dass die Ergebnisse jetzt im Spitzenverband diskutiert werden. Ursula Laag, wissenschaftliche Mitarbeiterin im dip, stellte die komplexen Zusammenhänge in der häuslichen Pflege dar und hob hervor, „dass deswegen auch die Angebote komplex und zugleich flexibel anpassbar sein müssten, um die individuellen Bedarfe der Familien zu treffen.“ Erstmals wurden im Modellprojekt EDe konsequent verschiedene Konzepte der Qualifikation, Beratung, Einschätzung, Schulung und Unterstützung in einem Entlastungsprogramm zusammengeführt. Die daraus resultierenden individuellen Unterstützungsangebote für die Familien haben sich nachweislich positiv ausgewirkt.
„Die Familien haben durch das Projekt erheblich mehr zeitliche Freiräume, die so genannten Pflegemoratorien, genutzt“, sagte Projektleiter Hartmut Emme von der Ahe von den Paritätischen Sozialdiensten aus Minden. „Das haben viele Angehörige als eine Art Schonzeit empfunden, in denen sie nicht verantwortlich seien“, so Emme von der Ahe in Bezug auf konkrete Aussagen von Projektteilnehmern weiter.


Projektträger und wissenschaftliche Begleitung konnten auf der Grundlage der Ergebnisse zahlreiche Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung geben. So wird für die zukünftige Entlastung von Familien, in denen ein an Demenz erkrankter Mensch lebt und versorgt, wird empfohlen, Beratungs-, Schulungs- und Unterstützungskonzepte ineinander verzahnt einzuführen. Außerdem empfehlen die Experten die Förderung der Professionalität von Beraterinnen und Beratern durch zielgruppenorientierte Qualifikationsmaßnahmen. Nicht zuletzt haben sich die Angebote von wiederholten Hausbesuchen in den betroffenen Familien bewährt und werden als ein wichtiges Element der Stabilisierung komplexer Bedarfslagen gesehen.
In drei Workshops wurden am Nachmittag der Abschlusstagung einzelne Bestandteile des Entlastungsprogramms näher beleuchtet und diskutiert. Dabei wurde unter anderem der in Minden-Lübbecke eingesetzte Fragenkatalog zur Einschätzung der Belastung BIZA-D-M (Berliner Inventar zur Angehörigenbelas-tung bei Demenz - Version Minden) näher vorgestellt. Das BIZA-D-M wurde für das Projekt EDe weiterentwickelt und in eine EDV-Fassung gebracht, die direkt bei den Familien zu Hause eingesetzt werden konnte. Ebenfalls wurde die im Modellprojekt neu entwickelte Schulungsreihe für pflegende Angehörige vorgestellt.
Gegenstand der Diskussionen auf der Tagung waren insbesondere die Hintergründe und Grundlagen der eingesetzten Konzepte, die konkreten Erfahrungen der Projektbeteiligten sowie die zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis. Die Tagungsunterlagen werden kurzfristig über die Homepage www.projekt-ede.de herunterladbar sein. Der komplette Projektbericht wird vor-aussichtlich in 2010 veröffentlicht.
Träger des Projektes ist die PariSozial gemeinnützige Gesellschaft für paritätische Sozialdienste mbH im Kreis Minden-Lübbecke. Weitere Kooperationspartner in der Region Minden-Lübbecke sind ambulante Pflegedienste, Pflegekassen, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung sowie Anbieter von sozialen Dienstleistungen in der Modellregion Minden-Lübbecke.


Die wissenschaftliche Begleitung wurde vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) durchgeführt. Das gemeinnützige dip beschäftigt rund zwanzig Mitarbeiter/innen. Zum Angebot des dip gehört das gesamte Spektrum der Forschung, Entwicklung, Evaluation, Beratung, wissenschaftlichen Begleitung und Gutachtenerstellung im Pflege- und Gesundheitswesen. Es ist ein Institut an der Katholischen Hochschule NRW (KatHO NRW) in Köln und betreibt einen weiteren Standort an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) bei Koblenz.
Kontakt: Ursula Laag, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V., Köln, Tel: 0221 / 4 68 61 - 54, u.laag@dip.de

 

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