Pflegeoasen: (K)Ein Lebensraum für Menschen im Alter mit schwerer Demenz!?

Die Ergebnisse einer zweijährigen Längsschnitt-Evaluationsstudie zur Versorgung von Menschen mit schwerer Demenz in einer Pflegeoase wurden der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Vallendar, 18.03.2011

 

Gerontologischer Lehrstuhl der Pflegewissenschaftlichen Fakultät stellt vor:

Pflegeoasen: (K)Ein Lebensraum für Menschen im Alter mit schwerer Demenz!? Zentrale Befunde von POLA-SD

Am Donnerstag, dem 17. März 2011, wurden die Ergebnisse einer zweijährigen Längsschnitt-Evaluationsstudie zu einer Pflegeoase im Rahmen einer Fachveranstaltung vor den Mitgliedern des AWO-Bezirksverbandes Rheinland sowie geladenen Gästen vorgestellt. Das Konzept der Pflegeoase ist eine Versorgungsform, bei der drei bis sieben Menschen mit schwerer Demenz in einem großen, in sich noch einmal in Nischen mit Betten unterteilten, Raum gepflegt und versorgt werden. Die Auswirkungen und Effekte dieser neuen Versorgungsform in Deutschland auf Menschen mit schwerer Demenz sind weitgehend unbekannt. In der Schweiz (Sonnweid) existiert ein entsprechendes Modell bereits seit 15 Jahren, welches in Deutschland in unterschiedlichen Varianten erprobt wird.

 

Ziel unserer Studie war es, mögliche Auswirkungen der Pflegeoase auf die Lebensqualität der betroffenen alten Menschen und die Belastung der Pflegenden zu untersuchen. Darüber hinaus wurden subjektive Einschätzungen der beteiligten Berufsgruppen und der Angehörigen erfasst.

Anwesend waren 60 Personen, die intensiv über die Ergebnisse der Studie und den sich daraus ergebenden Anforderungen an die Praxis diskutiert haben. Beteiligt waren die Arbeiterwohlfahrt (AWO), das Sozialministerium des Landes Rheinland-Pfalz, das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung sowie Fachvertreter der Pflegewissenschaft und der Pflegepraxis. „Die größte Herausforderung in dieser Studie war die Untersuchung der Lebensqualität der Bewohner mit schwerer Demenz, weil sie in ihrer Kommunikationsfähigkeit sehr stark eingeschränkt waren und uns über sich selbst keine Auskunft mehr geben konnten“, betonte Prof. Brandenburg, der die Studie geleitet hat. „Von daher sollte die Implementierung einer Pflegeoase mit Blick auf den jetzigen Forschungsstand und die Ergebnisse aus unserer Studie an Kriterien gebunden sein, die ein gut durchdachtes Pflegeoasenkonzept, ein hohes Maß an professioneller Pflege sowie eine Multidisziplinarität voraussetzen“, führten Brandenburg und seine Kollegin Adam-Paffrath weiter aus. Und weiter hieß es: Insgesamt stellt die Pflegeoase ein innovatives Modell dar, das einer weiteren Entwicklung bedarf, aber vorschnelle Antworten verbietet. Denn auch mit der Pflegeoase in Idar-Oberstein, wie auch mit den anderen beforschten Pflegeoasen, sind gleichzeitig positive Aspekte und Defizite verbunden. Der wichtigste Positivfaktor ist die Einsatzbereitschaft und Offenheit der Pflegenden. Allerdings: Das Konzept sollte überarbeitet und weiterentwickelt werden. Im Raumprogramm muss der Gemeinschaftsbereich stärker akzentuiert werden. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Privatsphäre in stärkerem Ausmaß als bisher ermöglicht und der Mobilisierung der Bewohner ein größerer Raum eingeräumt werden. Eine Möglichkeit zur Besprechung und Reflexion ethischer Konfliktfragen ist anzuraten. Wichtig ist eine umfassende Personalqualifizierung, bei der auch die Angehörigen mit einbezogen werden sollten.

 

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Eine Zusammenfassung zentraler Befunde finden Sie hier:

Brandenburg, H., Adam-Paffrath, R. (2011): Pflegeoasen: (K)Ein Lebensraum für Menschen im Alter mit schwerer Demenz !? Zentrale Befunde von POLA-SD. online-Veröffentlichung: http://www.pthv.de/fileadmin/user_upload/PDF_Pflege/Projektberichte/Pflegeoase_Zentrale_Befunde_03-2011.pdf

 

Der Endbericht erscheint in der letzten Märzwoche und kann unter www.pthv.de heruntergeladen werden. Eine umfassende Publikation zu Pflegeoasen, die auch den Erkenntnisstand anderer Forschungsgruppen in Deutschland berücksichtigt, ist für den Herbst 2011 vorgesehen.

(Veröffentlichung frei, Belege erbeten, Bildmaterial wird auf Anfrage zur Verfügung gestellt)