Pflegewissenschaft

Nachruf

Prof. Dr. Heribert W. Gärtner (re.) anlässlich seiner Ernennung zum Honorarprofessor im April 2008; Prof. Dr. Heribert Niederschlag SAC (damals Rektor, li.); Foto: PTHV

Die Pflegewissenschaftliche Fakultät trauert um
Herrn Prof. Dr. theol. Heribert W. Gärtner (1955 – 2017)

Am 24. Januar 2017 ist unser lieber Kollege, Ideengeber und Freund, Prof. Dr. Heribert W. Gärtner, im Alter von 61 Jahren plötzlich verstorben. Er war einer der Gründerväter unserer Fakultät und war uns von Beginn an als Initiator, Förderer und Wegbegleiter sehr verbunden.
Heribert W. Gärtner wurde 1955 im Kraichgau in Nordbaden geboren. Er hat an der Universität Freiburg im Breisgau Theologie, Philosophie und Psychologie studiert und schloss dort als Diplom-Psychologe ab. Nach seiner Zeit als wissenschaftlicher Assistent übernahm er Ende der 80er Jahre die Position als sozialwissenschaftlicher Leiter der Caritasakademie für Pflegeberufe in Freiburg i.Br. und setzte sich hier erstmals intensiver mit Fragen der Pflege auseinander. 1994 wurde er mit der Dissertation „Zwischen Management und Nächstenliebe: Zur Identität des kirchlichen Krankenhauses“ an der Universität Freiburg promoviert und übernahm kurz darauf die Professur für Management und Organisationspsychologie an der Katholischen Fachhochschule NW (jetzt KatHO NRW) in Köln. Dort fungierte er einige Jahre als Gründungsdekan des Fachbereichs Gesundheitswesen. Ende der 90er Jahre initiierte er die ersten Kontakte zur PTHV zum Zwecke der Vorbereitung und Gründung der Pflegewissenschaftlichen Fakultät. Von 2001 bis 2004 hatte er gemeinsam mit Prof. Dr. P. Manfred Probst SAC den Vorsitz der entsprechenden Gründungskommission inne. Er war Mitinitiator und -gründer des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) in Köln und von 2003 bis 2009 dessen Vorstandsvorsitzender. 2006 war er als Anstifter Gründungsmitglied der ersten Kommunität der heiligen Kosmas und Damian in Köln. Seit 2008 hatte er die Honorarprofessur für Pflegesystemforschung an unserer Fakultät inne und war insbesondere ins Promotionsprogramm Pflegewissenschaft eingebunden.


Heribert W. Gärtner war als Wissenschaftler ein überzeugter Vertreter der „neueren Systemtheorie“ Luhmannscher Prägung, die für die theoretische Diskussion in der Management- und Organisationsforschung eine der wichtigen Grundlagen darstellt. Es war für ihn keine Frage, dass zum Verständnis, zur Analyse und zur Kritik von Organisationen, wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, eine Globaltheorie zwingend ist. Seine zweite Quelle des Antriebs und der Inspiration war das Evangelium. Fasziniert war er von den beiden Heiligen Kosmas und Damian, einem Brüderpaar, das als christliche Heiler zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. im heutigen Syrien gewirkt, Kranke und Aussätzige unentgeltlich behandelt und geheilt hat. Diese Inspirationen verbreitete er auch im Kontext seines Wirkens und Schaffens. In der klugen und lebendigen Verbindung von angewandter Systemtheorie und christlicher Tradition entwickelte er immer wieder neue Zugänge zu den für ihn zentralen Fragen im modernen Gesundheitswesen: „Wie kommt das Evangelium in die Organisation und was passiert dann?“ Zugleich stellten seine Arbeiten damit auch eine fundamentalkritische Position zur vorherrschenden Ökonomisierung und ihrer direkten und indirekten Folgen für das Gesundheitswesen und für die betroffenen Akteure dar.
Früchte dieser Ansätze sind auch die Promotionen, die unter seiner wissenschaftlichen Begleitung in Vallendar entstanden sind und dazu beigetragen haben, das Feld der „Pflegesystemforschung“ zu fundieren und weiterzuentwickeln. Zehn Promovendinnen und Promovenden haben seine zuge-wandte und verlässliche Art erleben dürfen.


Der Menschenfreund Heribert W. Gärtner moderierte und steuerte sensibel, aber auch streitbar und klug so manche schwierige Situation. Er hatte für alle ein freundliches Wort und überzeugte durch eine klare Haltung. Seine Schriften und Vorträge zeugen von einem tiefen Einblick in die Funktionsweise von Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten. „Organisationen küsst man nicht“ – so lautete der Titel einer seiner letzten Veröffentlichungen, die sich gegen den Mainstream wandte und damit Nachdenken ausgelöst hat. Zugleich verdeutlicht der Titel, dass ihm auch Witz und Ironie nicht abgingen. Heribert W. Gärtner begeisterte seine Studierenden und Gegenüber nicht nur in seiner so typischen Auseinandersetzung mit Theorien, auch empirische Arbeiten waren ihm nicht fremd. Und nicht selten nutzte er biblische Geschichten vom Heilswirken des Jesus von Nazareth als Auslöser und Hintergrund für Erlebnisse und Geschichten seiner Zuhörer aus dem heutigen Gesundheitswesen. Er gehörte zu jenen, die mit seinen Erzählungen, Blickveränderungen und Irritationen zu einem differenzierten Verständnis moderner Pflege- und Gesundheitsarbeit in verschiedenen Settings, nicht zuletzt auch in der stationären Altenpflege, beigetragen haben.


Seinen letzten Vortrag hielt der geschätzte Kollege am 16. Januar 2017 anlässlich der Verabschiedung von Frau Christa Garvert in den Ruhestand, die langjährig in verschiedenen Führungspositionen der Waldbreitbacher Marienhaus Unternehmensgruppe gewirkt hatte. Gärtner führte aus, dass es in Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten Leute braucht, welche die christlichen Werte akzeptieren. Aber das alleine reichte ihm nicht aus. Er schloss seinen Vortrag wie folgt:
Es braucht Menschen, auch unter den leitenden Personen, „die sich heute als Schülerinnen und Schüler des Jesus von Nazareth, also als Nachfolgende, verstehen. Ich denke dabei gar nicht zuerst an die Berufschristen, wie Priester und Ordensleute, sondern an Sie und mich, an die Stationsleitung, den Oberarzt und die Leiterin des Rechnungswesens. Wertegemeinschaft ist gut, aber es braucht auch einige, die ihre berufliche Tätigkeit in solchen Einrichtungen auch als Nachfolgegemeinschaft verstehen“.
Wie ein Vermächtnis klingen diese Worte!


Die Pflegewissenschaftliche Fakultät ist tief betroffen und verneigt sich vor dem Lebenswerk des lieben und geschätzten Kollegen und Freundes, Professor Dr. Heribert W. Gärtner. Wir werden die Erinnerung an ihn wachhalten.
Vallendar, 30. Januar 2017
Für die Fakultät

Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Dekan
Prof. Dr. Frank Weidner, Gründungsdekan
Maria Peters, Stabsstelle im Dekanat

Aktuelles

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Info- und Kontaktstudientag 2017

Am 21. April findet der diesjährige Info- und Kontaktstudientag statt. Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Wir bitten um Anmeldung, telefonisch, per mail oder über das Anmeldeformular.

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Kontakt Dekanatssekretariat

Sabine Darr

Fon 0261 6402-257

Fax 0261 6402-120

E-Mail: sdarr(at)pthv.de oder 

Veranstaltungen

Das Phänomen Schmerz in der Versorgung alter Menschen

30. März 2017 - 31. März 2017
19:00 Uhr - 16:30 Uhr

Info- und Kontaktstudientag

21. April 2017
09:30 Uhr - 15:00 Uhr

Ringvorlesung:Christliches Abendland? Wie entstehen/verändern sich europäische Identitäten?

27. April 2017
17:00 Uhr - 18:30 Uhr

Ringvorlesung:Christliches Abendland? Wie entstehen/verändern sich europäische Identitäten?

04. Mai 2017
17:00 Uhr - 18:30 Uhr

Ringvorlesung:Christliches Abendland? Wie entstehen/verändern sich europäische Identitäten?

11. Mai 2017
17:00 Uhr - 18:30 Uhr

Bewerbung um einen Studienplatz

Bewerbung Bachelor Pflegeexpertise

Zur Bewerbung um einen Studienplatz für das Wintersemester 2017/18 lesen Sie bitte die Hinweise und und senden den ausgefüllten Antrag inkl. aller Bewerbungsunterlagen (s. Hinweisblatt) bis spätestens zum 31. Mai an die Pflegewissenschaftliche Fakultät.

 

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O-Ton: Ehemalige Studierende über die PTHV

"Kurz nach der Promotion an der PTHV bekam ich eine Professur für Pflegepädagogik"

 

 

 

 

"Ich profitiere sehr vom Studium in Vallendar."

 

 

 

"Das Studium hat mir geholfen, ein anderes Standing als Dozent zu entwickeln, um den Funken weiterzugeben."

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Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP)

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