Leibliche Kommunikation und therapeutische Pflege

Auf der Grundlage eines Verständnisses vom Menschen als Körper-Geist-Seele-Wesen ist das Konzept der Bewusstlosigkeit "selbstverständlich". Unter der Perspektive der Leiblichkeit des Menschen wird dieses jedoch zweifelhaft. Spüren bewusst-lose Menschen etwas? Dass man z.B. bei Menschen im Wachkoma physiologische Reaktionen messen kann (Hautwiderstand, Temperaturveränderungen, Sekretion), ist bekannt. Nicht bekannt hingegen ist das, was sie tatsächlich am eigenen Leibe spüren. Dazu gibt es derzeit noch sehr wenige autobiografische Beschreibungen von Betroffenen. Die Neue Phänomenologie hat mit der Beschreibung und Analyse der leiblichen Kommunikationsarten und -kanäle ein Kategoriensystem erstellt, mit dessen Hilfe derartige für die pflegerische Betreuung von langzeitkranken und schwerstkranken Menschen zentrale Phänomene untersucht werden können: Basale Stimulation, Musiktherapie, Bibliotherapie z.B. sind Ansätze, deren therapeutische Evidenz damit belegt werden könnte. Aber auch die therapeutischen, ebenso wie die krank machenden Qualitäten des alltäglichen Umgangs miteinander im Krankenhaus können mittels des Konzeptes der leiblichen Kommunikation identifiziert werden. Darüber hinaus bietet es eine am Leibe orientierte, wissenschaftlich fundierte Baiss für Entscheidungen über Leben - jenseits normativer Setzungen, wie dies z.B. beim Hirntodkriterium der Fall ist.