Humane Artifizielle Gameten. Erzeugung und genetische Veränderung von aus humanen pluripotenten Stammzellen differenzierten Gameten und ihre ethische und rechtliche Bewertung (HumArGam)

Neue Entwicklungen in der Stammzellforschung zeigen, dass sich aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) der Maus in der Kulturschale Zelltypen differenzieren lassen, die den Vorläuferzellen von Keimzellen, sog. primordialen Keimzellen, ähnlich sind und sich entweder nach Transplantation in den lebenden Organismus oder in vitro zu funktionellen Gameten ausreifen lassen. Aufgrund ihrer Erzeugung in vitro sind die iPS-Zellen und primordialen Keimzellen Manipulationen zugänglich, so dass an ihnen auch genetische Modifikationen, beispielsweise mit der CRISPR-Cas9-Methode, vorgenommen werden können. Unter der Annahme, dass sich diese Möglichkeiten auf den Menschen übertragen lassen, entstehen eine Vielzahl neuartiger biologischer, medizinischer, rechtlicher, philosophischer und ethischer Fragen.

Ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Forschern an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar, der Universität Passau und der Medizinischen Hochschule Hannover, wird diese Fragen systematisch identifizieren und schwerpunktmäßig unter den Aspekten der Artifizialität, Verfügbarkeit, Verwendbarkeit und Manipulierbarkeit humaner artifizieller Gameten strukturieren. Die Fragen werden im Hinblick auf anwendbare ethische und rechtliche Argumente, Kriterien und Normen analysiert, die argumentativen Zusammenhänge offengelegt und ihre normative Bedeutung beleuchtet. Anhand des Vergleichs mit bestehenden ethischen und rechtlichen Normen lässt sich möglicher Regulierungsbedarf für die neuartigen Handlungsfelder der Erzeugung, Verwendung und Modifizierung artifizieller Gameten identifizieren. Auf Basis dieser Ergebnisse ist es das übergeordnete Ziel des Verbundprojekts, einen normativ reflektierten Handlungsrahmen für den Umgang mit humanen artifiziellen Gameten zu entwickeln, der als Grundlage für eine politische Entscheidungsfindung dienen kann.

 

Beteiligte und Förderung

Das interdisziplinäre Verbund-Forschungsprojekt HumArGam wird vom Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für die Laufzeit von drei Jahren gefördert. Das Projekt wird koordiniert von Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Heinemann, Inhaber des Lehrstuhls für Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), der das philosophisch-ethische Teilprojekt leitet. Prof. Dr. jur. Hans-Georg Dederer, Inhaber des Lehrstuhls für Staats- und Verwaltungsrecht, Völkerrecht, Europäisches und internationales Wirtschaftsrecht, leitet das juristische Teilprojekt an der Universität Passau  http://www.jura.uni-passau.de/dederer/bmbf-projekte/humargam. Prof. Dr. med. Tobias Cantz, Leiter des Exzellenzclusters REBIRTH an der Medizinischen Hochschule Hannover, leitet das naturwissenschaftliche Teilprojekt  http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/6620.php.

 

Das philosophische Teilprojekt (TP 1 Ethik), das in Vallendar bearbeitet wird, analysiert und strukturiert die philosophischen und ethischen Fragen, die mit der Erzeugung, Modifizierung und Verwendung von aus menschlichen pluripotenten Stammzellen erzeugten Gameten verbunden sind.

 

Wissenschaftlicher Beirat

Für das Projekt wurde ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet, dem Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy (Universität Kassel), Prof. Dr. med. Michael Ott (Medizinische Hochschule Hannover) und Prof. Dr. jur. Ralf Müller-Terpitz (Universität Mannheim) angehören

Projektleitung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar und Koordinator des Gesamtprojektes

Prof. Dr. Dr. Thomas Heinemann (Lehrstuhl für Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin)

Laufzeit

01.06.2016 - 31.05.2019 

Websitewww.pthv.de/index.php?id=1073
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