"Neugeborene an der (Über-)lebensgrenze"

Nachbericht zur 13. Medizinethischen Fachtagung an der PTHV

Dr. med. Carolin Longardt, Charité Berlin (rechts) und Prof. Dr. Ursula Rieke, Ärztliche Leitung/Stiftungsvorstand der Katharina Kasper Stiftung Dernbach, referierten auf der 13. Medizinethischen Fachtagung an der PTHV/ Foto: Timo Michael Kessler

Vallendar, 09.05.2017. Wenn das Leben eines Kindes im frühen Entwicklungsstadium bedroht ist, stellen sich für die Eltern und das medizinische und beraterische Fachpersonal weitreichende Fragen und Entscheidungsoptionen. Vorgeburtlich schwerwiegende Diagnosen, Frühgeburtlichkeit oder Geburtskomplikationen erfordern individuelle Unterstützung zum Leben wie zu einem guten Abschied und sind für alle Beteiligten eine große Herausforderung. Optionen der Neopalliativmedizin wie einer intensivierten Trauer und Abschiedsbegleitung haben dabei an Bedeutung gewonnen.

Zu diesem Thema veranstaltete die Katharina Kasper-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) und dem Ethik-Institut an der PTHV ihre 13. medizinethischen Fachtagung. Rund 100 Personen aus den Berufsgruppen Medizin, Pflege, Beratung, Pädagogik, Seelsorge sowie betroffene Familien nahmen an der Veranstaltung teil. Den Eröffnungsvortrag "Intensivmedizin und Neopalliativmedizin im Diskurs" hielt Dr. Ann Carolin Longardt, Klinik für Neonatologie der Charité Berlin. Helga Beisel von der Selbsthilfe-Initiative "Leere Wiege Landau/Pfalz" referierte über das Landesbestattungsgesetz und die Trauerbegleitung bei früh verstorbenen Kindern. Dr. Ingo Proft, Leiter des Ethik-Instituts, ging ethischen Fragen im Bereich der Neopalliativmedizin nach unter dem Titel "Leben ermöglichen - Sterben zulassen".

Der zweite Teil der Veranstaltung befasste sich vorrangig mit Beratungskonzepten. So widmete sich Prof. Dr. Ursula Rieke, Ärztliche Leitung/Stiftungsvorstand der Katharina Kasper Stiftung Dernbach, in ihren Ausführungen der "Prozessbegleitenden Beratung bei schwerwiegenden vorgeburtlichen Diagnosen - Erfahrungen einer psychosozialen Fachberatungstelle". Einen sehr persönlichen Einblick in die Thematik bot indes der Erfahrungsbericht des Elternpaares Lutosch/Möllmann aus Greifswald. Sie berichteten über eigene Erlebnisse unter dem Titel: "Begleiten und begleitet werden. Schwangerschaft, Tod und Geburt mit einem chromosomal geschädigten Kind".

Die Tagung bot vielfältigen Raum für persönliche Gespräche zwischen Referenten und Teilnehmern, dem Aufbau von Netzwerken und dem Austausch von Erfahrungen. Veranstalter und Teilnehmer waren sich darüber einig: "Das Thema Neopalliativmedizin muss zukünftig noch stärker in der Öffentlichkeit verankert werden".

Weitere Informationen: http://www.pthv.de/institute/ethik-institut.html