"Störfaktor Gott!?" Leben zwischen Komfort und Entschiedenheit

170 Besucher beim 2. Akademietag der Pallottiner Vallendar 2017

170 Besucher kamen zum 2. Akademietag der Pallottiner Vallendar/ Foto: PTHV

Vallendar, 16.01.2017. Beim 2. Akademietag der Pallottiner Vallendar (Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar, Haus Wasserburg, Pfarrei Vallendar) am 14.01.2017, 14.00-17.15 Uhr, stand das Thema "Störfaktor Gott!?" im Fokus. Rund 170 Besucher waren in die Aula der PTHV gekommen. Mit drei "verstörenden" Fragen eröffnete Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Rektor der PTHV, den Akademietag: Wie verbindlich ist unser Glaube an Gott? Haben wir das "Störende" domestiziert? und - in Anlehnung an eine Formulierung von Papst Franziskus - Entdecken wir Gott, indem wir uns (von ihm) stören lassen?

Diese Fragen versuchte Edward Fröhling, Professor für Fundamentaltheologie und Theologie der Spiritualität an der PTHV, nachzugehen. Es gebe verschiedene Zugänge und Wege zu Gott, "so viele wie es Menschen gibt (Benedikt XVI.)". Die Gottesfrage rücke uns auf die Pelle, wenn wir Augen und Ohren für andere Sinne offen hätten. "Gott lässt mich nicht in Ruhe, er fordert mich heraus und ermutigt mich zu einer eigenen Standortbestimmung." Es sei zwar nicht ganz unmöglich sich Gott als ständigem, lebendigem und provozierendem Begleiter zu entziehen. Das münde aber in eine Haltung des Desinteresses, der Gleichgültigkeit, der Ignoranz und des Wegschauens. "Mit dieser Haltung wird man nur begrenzt leben können." Fröhling ermutigte die Besucher dazu, an vielen Stellen in ihrem Leben selbst und immer wieder etwas zu ändern. "Da kann man nichts machen, die Welt ist einfach so", sei ein gottloser Satz. Diesen müsse man mutig in Frage stellen, damit beginne das eigentliche Nachdenken über Gott. Es gehe darum, das Leben nicht mehr als "unabänderlich zu begreifen". "Ich lebte fern von mir und ging im Gewohnten verloren", so habe es Augustinus formuliert. "Dann hast Du (Gott) mich gerufen und geschrien und meine Blindheit in die Flucht geschlagen. Seitdem brenne ich lichterloh Dir entgegen." Dorothee Sölle spreche in diesem Zusammenhang vom "Gefangen sein im wunschlosen Unglück" - es gebe eine andere Lebensverheißung, eine "weltfremde Verrücktheit" in der "Anderswelt". Sich von Gott anzünden, anstecken, ansprechen lassen, das störe unsere Routine und Gewohnheiten. Und führe zu einem Vertrauen, einer Hoffnung, die die deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin Hilde Domin so ausdrücke: "Ich setze meinen Fuß in die Luft und- sie trägt."

"Ich erlebe das Leben mit Gott als reinen Komfort", ergänzte Lissy Eichert UAC , "Wort zum Sonntag" - Autorin von der Kath. Kirchengemeinde St. Christophorus Berlin. Sie begann buchstäblich bei  Adam und Eva. Schon da haben Gott gerufen "Mensch wo bist Du?". Dieser Ruf gelte heute auch ihr "Lissy wo bist Du?", "Wir haben einen zutiefst redseligen und geselligen Gott, er möchte nur, dass wir (Zu-) Hören!" Aus dem "Störfaktor" werde ein "Plusfaktor", wenn wir uns Zeit nähmen, mit Gott zu reden. "Ich gehe manchmal spazieren, um zu hören, was Gott mir sagt. Dann sage ich ihm immer wie toll ich ihn finde." Der Gott Israels habe nicht angebetet werden wollen, er wollte reden (Dtn6, 4-6) - dafür müssten wir hören! Es gehe immer darum, diesen Gott zu hören und das störe massiv. "Hören mit ganzem Herzen und ganzem Verstand". Lissy Eichert erzählte, dass sie sich einen Timer (Wecker) in die Tasche gesteckt habe, damit sie immer wieder (zu bestimmten Zeiten) daran erinnert werden auf Gott zu hören, und/oder mit ihm zu reden. Sie lasse sich gern von ihm "stören". Denn der Gott, mit dem sie zu tun habe schenke "Gewissheit, Gefühl, Freude und Frieden (Blaise Pascal)". Die Pastoralreferentin, die im sozialen Brennpunkt im Berliner Bezirk Neukölln im Spannungsfeld zwischen interreligiösem und religionsfernem Milieu mit Hartz IV-Empfängern und Flüchtlingen arbeitet, schloss mit der Bemerkung: "Gott schenkt mir Ruhe, indem er mich nicht in Ruhe lässt".

Die Akademietage der Pallottiner Vallendar werden in diesem Jahr in gemeinsamer Trägerschaft mit den Katholischen Erwachsenenbildungen und Bildungswerken Koblenz, Westerwald und Rhein-Lahn veranstaltet. Der dritte Akademietag am 21. Januar 2017 widmet sich dem Thema: "Muss er wirklich weg?  Schmerz im Zeitalter der Selbstoptimierung." Referenten sind JProf. Dr. Erika Sirsch, Lehrstuhl für Akutpflege an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der PTHV, und Josef Thümmel, Psychologe und Schmerztherapeut, Koblenz. Der Moderator des Nachmittags ist Professor Paul Rheinbay SAC, Rektor an der PTHV. 

Hier können Sie die Referate von Prof. Dr. Fröhling und Frau Eichert nachlesen.