"Personalentwicklung – welche Führungskräfte brauchen wir für die Pflege?"

Wissenschaftliche Weiterbildung des Lehrstuhls für Gerontologische Pflege

Die Teilnehmergruppe der wissenschaftlichen Weiterbildung zum Thema Personalentwicklung/ Foto: PTHV

Vallendar, 16.11.2015. Personalentwicklung stellt in Zeiten des Fachkräftemangels – insbesondere in der Altenpflege – eine wesentliche Größe zur Entwicklung einer qualitativ hochwertigen Pflege dar. Dazu sind Führungskräfte in der Pflege in besonderer Weise zu befähigen, Entwicklungschancen bei Mitarbeitern zu erkennen, Partizipation zu fördern und lernende Organisationen zu initiieren. Am 9. und 10. November 2015 fand an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) eine wissenschaftliche Weiterbildung des Lehrstuhls für Gerontologie und des Instituts für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) an der PTHV zum Thema "Personalentwicklung – welche Führungskräfte brauchen wir für die Pflege?".

Personalentwicklung ist nicht ohne Organisationsentwicklung umzusetzen. Denn anders als in industriellen Betrieben gilt es, Qualität in der Pflege nicht ausschließlich als ergebnisorientierte Produktmessung zu gewährleisten. Pflege als Dienstleistung am Menschen verläuft diskursiv in Aushandlungsprozessen und braucht Handlungsspielräume, um individuell adäquate Leistung zu sichern. Die herkömmliche Orientierung an Managementkonzepten zur Personalführung aus der Industrie kann daher nicht im gleichen Maße auf die Pflege übertragen werden. Vielmehr gilt es, die soziale Seite des Managements in den Blick zu nehmen.

Vor dem Hintergrund der finanziellen, rechtlichen und politischen Kontextbedingungen in der Gesellschaft wurden drei Aspekte für die Einrichtungen betont. Erstens sind "Aufmerksamkeitsfenster" wichtig, u.a. ein breites (und nicht nur medizinisch oder technisch verkürztes) Verständnis von Lebensqualität, zweitens ein "weiches Controlling" (auch jenseits der messbaren Indikatoren) sowie drittens eine innovative Personalpolitik, verbunden mit Jobenrichement (Arbeitsbereicherung), Supervision und Intervision (kollegiale Beratung in psychosozialen Berufen) und Verbreiterung der Schnittstellen. Zu diesem Themenfeld referierte Prof. Dr. Ingo Bode, Professor für Sozialpolitik an der Universität Kassel. Der Workshop "Lebensqualität, Personalführung und Innovation in der Altenarbeit" im Rahmen der wissenschaftlichen Weiterbildung von Roland Mangold, Präsident der Austrian Evaluation Society, vertiefte Aspekte eines sozialen Managements ausgehend von Ergebnissen aus dem des EU-Projekts "Interregionales Lernen in der Altenarbeit". Neue Wege eröffnen sich dort, wo die Bereitschaft zur lernenden Organisation und Ressourcenorientierung gegeben ist. Wesentliche Dimensionen zur Qualitätsförderung sind Sinnhaftigkeit des Tuns, Partizipation an Entscheidungsprozessen, Autonomie in Handlungsentscheidungen und Kompetenzerfahrung (Erfolgserleben) – bei Bewohnern wie auch beim Pflegepersonal.

Dass die Umsetzung nicht selbstverständlich gelingt, verdeutlichte das Referat von Dr. Alfons Maurer, Mitveranstalter und Vorstand der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung (Sindelfingen). Er berichtete über Erfahrungen im Rahmen eines von ihm initialisierten Entwicklungszentrums "Gut alt werden". Die Entwicklung des Berufsbilds der Pflegefachkraft im Hinblick auf medizinisch-klinische Aspekte wurde kritisch kommentiert. Immer deutlicher zeigen sich Entwicklungen einer Trennung von medizinischen Pflegehandlungen und pädagogisch-begleitenden Tätigkeiten in der Praxis. Hier ist die Frage zu stellen, welchen Weg Personalentwicklung zukünftig einschlagen soll – und welche Rolle eigentlich die Pflege einnehmen soll. Damit verbindet sich nicht zuletzt auch die ethische Frage nach der Würde von Pflegekräften, ihrem Erleben von guter Pflege oder einer Beschneidung wesentlicher Aufgabengebiete. Prof. Dr. Renate Adam-Paffrath, Berufene Professorin an der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf, referierte hierzu aus ihrer Dissertation "Würde und Demütigung aus der Perspektive professioneller Pflege. Eine qualitative Untersuchung zur Ethik im ambulanten Pflegebereich".