"Wohnen im Alter"

Seminar des IWW erfolgreich beendet

Das Seminar war ein voller Erfolg/ Foto: PTHV

Vallendar, 18.11.2014. Die überwiegende Mehrheit der älteren Menschen (auch Menschen mit Demenz) möchte in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Diesem Thema stellte sich am 04. und 05. November 2014 ein Seminar des Lehrstuhls für Gerontologische Pflege am Institut für Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV). Dabei hat sich das Seminar dem Thema aus verschiedenen Perspektiven der Praxis und Wissenschaft gestellt und neue Wege in der Gerontologischen Pflege reflektiert. In intensiven Diskussionen und qualitativ hochwertigen Vorträgen wurden Möglichkeiten und Grenzen ausgelotet und grundlegende Fragen nach Innovation und Autonomie gestellt.

Vorgestellt wurden Konzepte, die eine deutliche Orientierung in den Sozialraum aufweisen. Wie sind soziale Netzwerke in der Region zu gelingenden Kooperationen zu errichten? Welcher Kompetenzen und Strategien bedarf es? Einer der Referenten, Stefan Kleinstück, Koordinator des Demenz-Servicezentrums für die Region Köln und das südliche Rheinland, vernetzt seit zehn Jahren aktiv die Anbieter demenzspezifischer Angebote im Rheinland. Wichtig ist ihm, die vielfältigen Potentiale aufzudecken und zusammenzuführen. Dr. Alfons Maurer, Vorstand der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung Sindelfingen, referierte erste Modell-Projekte der stationären Altenhilfe, Heime in den Sozialraum zu öffnen. Entscheidend seien hierbei neue Kommunikationsstrukturen wie "Runde Tische". Die Rolle der Wohlfahrtsverbände und Vernetzungsstrategien beleuchtete Prof. Dr. Karin Schneiders, Professorin für Sozialwirtschaft an der Hochschule Koblenz. Diskutiert wurde die Frage, in wie weit der Sozialraum gesteuert werden kann. Hanno Heil vom Verband Katholischer Altenhilfe in Deutschland e. V. (VKAD) antwortete aus theologischer Sicht, dass vorrangig das Prinzip von Demokratie und Gleichberechtigung für moderne Sozialraumgestaltung leitend seien müsse. Falsche Romantisierungen von Dorfstrukturen kritisch zu hinterfragen seien.

Anregung für niederschwellige Unterstützung bot auch das Projekt "Wohnen für Hilfe". Dazu referierten Heike Bermond und Sandra Wiegeler, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Projektbüro "Wohnen für Hilfe – Wohnpartnerschaften in Köln" an der Universität Köln. Vermittelt wird Wohnraum älterer, hilfebedürftiger Bürger an Studenten. Diese "bezahlen" mit Unterstützungs- und Hilfeleistungen im Alltag. Es entsteht eine Win-win-Situation. Wohnen als Ausdruck von Selbstbestimmung bedarf nicht zuletzt der ethischen Reflexion. Ist das vielfach eingeforderte Recht auf Selbstbestimmung auf kognitive Leistungskraft zu begrenzen? Haben Menschen mit Demenz noch Autonomie und Würde? Dr. Heike Baranzke, Theologin von der Universität Wuppertal präzisierte die Begriffe Autonomie, Würde und Selbstbestimmung und sensibilisierte in gut nachvollziehbarer Weise und auf hohem Niveau für die Fallstricke konzeptioneller Gleichsetzung von Autonomie und Selbstbestimmung.

Die Veranstalter, Prof. Dr. Hermann Brandenburg und Helen Güther, Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der PTHV, zeigten sich sehr zufrieden und laden zum nächsten Seminar "Zwischen Pflegeroboter und Alltagsunterstützung – Technik und Pflege" am 26. – 27. März 2015 ein. Dieses Seminar wird eine aktuelle Entwicklung in der Pflege, das Ambient Assisted Living (AAL), vorstellen. Birgid Eberhardt, Bereichsleiterin für AAL, Tellur GmbH Stuttgart, wird über Erfahrungen seitens der Nutzer mit Robotern berichten. Technische Innovationen im Alter können das Leben erleichtern und sollen Selbständigkeit und Selbstbestimmung fördern. Über Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Technik in der Pflege wird Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler, Lehrstuhl für Gemeindenahe Pflege an der PTHV, berichten. Wie sich die stationäre Altenpflege den neuen technischen Möglichkeiten stellt und wie Pflegende die Technisierung erleben, wird Pflegewissenschaftlerin Bianca Berger vorstellen. Diese Aspekte werden ergänzt um Ergebnisse einer Delphi-Studie von Marcus Garthaus, Pflegewissenschaftler an der Universität Osnabrück. Die ethischen Aspekte werden abschließend in einem Workshop mit Dominic Depner, Pflegewissenschaftler an der Universität Osnabrück aus dem Projektverbund "Gestaltung altersgerechter Lebenswelten" erarbeitet.

Informationshinweis: Detaillierte Informationen und Bewerbungsfristen zu den Weiterbildungsmöglichkeiten finden Sie unter www.pthv.de/institute/iww. Die Kursbeschreibung kann bei der PTHV (Frau Stefanie Fein, E-Mail: sfein@pthv.de) angefordert werden. Studieninteressierte können während der 3-stufigen Modulreihe die Fördermöglichkeit des Qualichecks und der Bildungsprämie in Anspruch nehmen.