"Wird der Gesprächsprozess gelingen?"

Auftaktveranstaltung der 38. Akademietage der Pallottiner in Vallendar behandelt das Ringen um die Zukunft der katholischen Kirche

(v.l.n.r.) Professor Dr. Manfred Belok, Professor Dr. Joachim Schmiedl ISch/PTHV, Christian Heckmann und Professorin Dr. Hildegund Keul, stellten sich den Fragen der Gäste/Foto: Andreas Wiegand

Vallendar, 11.01.2014. "Was meint 'Gespräch'? Anfangs hieß es noch, die Bischöfe laden zu einem 'Dialogprozess ein'. Warum auf einmal der Titelwechsel? Ist das nur eine Begriffsklauberei? Was meint 'Prozess'? Ist das ein Weg, auf dem man sich schrittweise annähert? Und: Was verstehen Menschen, die in einer demokratischen Gesellschaft aufwachsen und leben unter Dialog 'auf Augenhöhe'? Können sie das auch in der katholischen Kirche erwarten?" Mit diesen kritischen Anfragen eröffnet Prof. Dr. Manfred Belok, Pastoraltheologe an und Prorektor der Theologischen Hochschule Chur/Schweiz sein Grundsatz-Referat bei der heutigen Auftaktveranstaltung der Akademietage der Pallottiner Vallendar zum Thema "Wird der Gesprächsprozess gelingen? Ringen um die Zukunft der katholischen Kirche".

Bei der Veranstaltung stand der von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in den Bistümern der Bundesrepublik Deutschland angestoßene Gesprächsprozess zur Diskussion. Dieser hat in Trier die konkrete Form einer Diözesansynode angenommen, deren erste Sitzungsperiode am 13./14. Dezember 2013 stattgefunden hat. Viele Synodale aus den Regionen Koblenz/Neuwied waren anwesend.

Der Gesprächsprozess gelinge nur, so Prof. Belok, der im Auftrag der Pastoraltheologen-Konferenz von Anfang an am DBK-Gesprächsprozess teilnimmt, wenn Zusammenhänge hinterfragt werden dürfen. Für ihn ergibt sich daraus die eigentliche Kernfrage: "Auf der Basis welchen Kirchenverständnisses kommen die Gesprächs-Teilnehmer zusammen? Was heißt hier Kirche? Wer ist Kirche?" Doch genauso wichtig sei die Frage nach den Kompetenzen (Rollen- sowie Fachkompetenzen) derer, die am Gesprächsprozess beteiligt sind.

Damit kommt der Pastoraltheologe zu folgendem Ergebnis: "Theologisch gesehen bringen beim DBK-Gesprächsprozess (und auch bei der Trierer Synode) alle Teilnehmenden die Kompetenz als Mitglieder des einen Volkes Gottes mit. Kirchenrechtlich gesehen aber haben nicht alle Teilnehmenden Entscheidungskompetenz, erst recht nicht in Fragen, welche die Zukunft der Kirche betreffen." Da unterscheide das Kirchenrecht sehr klar zwischen Kirchenvolk und dem Amt, das allein die Leitung in der Kirche innehat. Belok bezeichnet es als "eine permanente Anleitung zur Schizophrenie", der die Christen in der römisch-katholischen Kirche ausgesetzt sind und kommt zu dem Schluss, dass "der Doppelverfasstheit der Kirche nicht Rechnung getragen und Christen in ihrer Sorge um die gemeinsame Kirche nicht ernst genommen werden". Damit stelle sich die nächste Frage: "Warum werden Menschen motiviert, sich zu beteiligen, wenn sie zwar mitreden, aber in Dingen, die sie unmittelbar angehen nicht mit entscheiden dürfen?"

Deshalb schlägt er im Hinblick auf das nächste Treffen des Gesprächsprozesses am 12./13. September 2014 vor, die Teilnehmer im Vorfeld an der Themenfindung und Gestaltung zu beteiligen und mehr Raum und Zeit für den Austausch untereinander zu geben, um die eigenen Fragen nach der Zukunft der Kirche einbringen zu können. Zudem sollten die Bischöfe als Anwälte für die Kompatibilität von Theologie und Kirchenrecht fungieren und die Versöhnung von Glaube und Struktur anstreben.

Christian Heckmann, Sekretär der Trierer Bistumssynode, berichtet als zweiter Referent aus der bistumsinternen Entwicklung. Die Synode im Bistum Trier will den "Ruf nach Inhalten", dem Bischof Dr. Stephan Ackermann in vielen Gesprächen begegnet ist, aufgreifen, und eine Auseinandersetzung mit der Botschaft Jesu Christi, den Orten und Gelegenheiten ihrer Verkündigung und ihre Konfrontation mit der Welt von heute anregen.

Bezogen auf die von Belok genannte Kritik nannte Heckmann den ausdrücklichen Wunsch des Bischofs, die Synode möge sich als selbständiges "Subjekt" begreifen. Dies drücke sich laut Heckmann etwa in der Wahl von zwei Moderatorinnen und zwei Moderatoren aus dem Kreis der Synodalen aus. "Die Synode wird ein geistlicher Prozess, indem die Synodalen ihre eigenen Interessen zurücknehmen, sich nicht als Lobbyisten der eigenen Region, der eigenen Berufsgruppe oder des eigenen Verbandes verstehen, sondern sich in einem gemeinsamen Hören und Sehen einüben", sagt Heckmann.

Eine der am meisten geäußerten Erwartungen an die Synode sei laut Heckmann die Frage an die Verbindlichkeit . "Niemand hat Interesse an unverbindlicher Beratung, am wenigsten die, die ihre Zeit in den nächsten zwei Jahren in die Beratungen investieren", merkt Heckmann an. "Weder Haupt- noch Ehrenamtliche arbeiten in der Kirche auf 'eigene Rechnung'." Es gehe vielmehr um den gemeinsamen Auftrag. Und dieser werde in Trier konkret in Gang gesetzt.

Professorin Dr. Hildegund Keul, Leiterin der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, gab Impulse aus Sicht der Frauenpastoral. Ihre These lautet: "Aufbruch bedeutet Ortswechsel, der tragfähiger Visionen bedarf." Dazu dürften die Brüche der Gegenwart nicht geleugnet und verdrängt, sondern vielmehr gezielt wahrgenommen und benannt werden, wo gerade darin neues Leben aufbrechen will. Die Zeichen der Zeit sollen als Zeichen der Hoffnung angesehen und miteinander geteilt werden, damit Leben wachsen kann.

Im Anschluss an die Referate folgte eine lebendige Diskussionsrunde zu den Themen Jugend und Kirche, Frauen in der Kirche sowie Synode und pastoraler Alltag.

Vortrag Herr Heckmann

Vortrag Prof. Keul

Vortrag Prof. Belok

Einführungsreferat Prof. Schuchart