Für einen Mentalitätswechsel im Blick auf die Demenz

1. Akademietag 2013

v.l.n.r. Heinz Peter Rüffin, Dr. Verena Wetzstein, Andrea Paolazzi, Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Prof. Dr. Alfred Schuchart SAC

Mit einem Plädoyer für einen veränderten Umgang mit dementen Menschen eröffnete der Pflegewissenschaftler Hermann Brandenburg die Reihe der diesjährigen Akademietage an der PTHV vor ca. 200 interessierten Teilnehmern. Er sprach über die Möglichkeit eines guten Lebens, auch wenn die Symptomatik der weit verbreiteten Alterskrankheit viele Aktivitäten einschränkt, die in der gesellschaftlichen Erwartungshaltung oft als unverzichtbar gelten. Hier aber – so der stellvertretende Dekan der Vallendarer pflegewissenschaftlichen Fakultät - gelte es anzusetzen und in einem Miteinander von Medizin, Pflege, familiärer und nachbarschaftlicher Umgebung die veränderten Ausdrucksformen und Bedürfnisse der Menschen zu akzeptieren und ihren Ruf nach Beziehung in dieser schwierigen Lebensphase nicht zu überhören. 

Dabei sollte das Alltagsleben so weit wie möglich beibehalten werden – es gelte, das Bild der Krankheit, deren Ursachen nach wie vor unbekannt sind, zu „entschrecken“.

Im Vergleich zwischen Skandinavien und Deutschland wurde die hiesigen Defizite im politischen Gestaltungswillen deutlich: Während in Nordeuropa für die Pflege ein weiterer Begriff gilt und diese eingebettet ist in die Regelung des Gemeinwohles, wird hier noch sehr stark, oft aus Kostengründen, die private Pflege gefördert. Die öffentlichen Ausgaben übersteigen in Skandinavien um bis zum 5fachen die deutschen Verhältnisse.

Auf die öffentliche Haltung gegenüber Demenz ging auch Frau Dr. Verena Wetzstein, Theologin von der Katholischen Akademie in Freiburg, ein. An der sich verändernden Haltung des bekannten Tübinger Rhetorikprofessors Walter Jens vor und während seiner Krankheit machte sie deutlich, wie wichtig es ist, Menschenwürde als unbedingt zu schützendes Gut unabhängig zu machen von Gesundheit und Krankheit.

Der Mensch als Einheit von Leib und Seele – nicht nur als intellektueller Leistungsträger – habe ein Recht auf Leben in jeder Phase seines Lebens. Zusammen mit Andrea Paolazzi im Mayener Pflegestützpunkt sprach sie sich für einen Mentalitätswechsel aus: Damit ein gutes Leben auch bei Krankheit gelingt, braucht es sowohl die Werteskala des einzelnen wie auch objektive, öffentlich geförderte und gestaltete Rahmenbedingungen.

Am 20. Januar feiert die Gemeinschaft der Pallottiner den 50. Jahrestag der Heiligsprechung ihres Gründers Vinzenz Pallotti. Aus diesem Anlass wird sich der zweite Akademietag am 19.01.2013 dem kirchlichen Weitblick Pallottis zuwenden: „Wir alle sind berufen!“

Referat Professor Dr. Hermann Brandenburg

siehe auch Artikel von Andreas Krisam hier

 

Referat Professor Dr. Alfred Schuchart