Bewegung im Thema Kirche und Sexualität

Ein Ja zu verantwortlich gelebter Sexualität

 

Bei kaltem, aber sonnigem Winterwetter versammelten sich über 320 Menschen zum dritten und letzten Akademietag am 29. Januar. Das Thema „Kirche und Sexualität – zwischen Unterdrückung und Befreiung“ traf gerade angesichts der nun ein Jahr andauernden Missbrauchsdebatte in der deutschen Kirche auf großes Interesse. Der Mainzer Moraltheologe Prof. Stephan Goertz erläuterte in einem ersten Durchgang die Wandlungen, welche die kirchliche Sexualmoral in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat. Von einer Angst besetzten und auf das Sündhafte starrenden Einstellung war bereits das II. Vatikanum abgewichen hin zur Betonung der menschlichen Personalität, in die Sexualität als ein Wert integriert werden soll. Daraus resultiert für unsere Zeit, dass in erster Linie zu fragen ist, mit wie viel Eigenliebe, Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme der Mensch und ganz besonders der Christ seine Geschlechtlichkeit gestaltet und realisiert. Zu diesem Respekt gehört unbedingt die Unversehrtheit des menschlichen Leibes – hier liegt dann auch der eigentliche Grund, sexuelle Gewalt in jeder Form und vorbehaltlos zu verurteilen.

 

Im zweiten Vortrag ging Dr. Wunibald Müller, der Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach, auf ein weites und lebendiges Verständnis von Sexualität ein. Er zeichnete die sexuelle Kraft als den Menschen übersteigend, ja in Anlehnung an die breite mystische Tradition der Kirche als die liebende Herzens-Suche des Menschen auf Gott hin. Dabei ist es zentral, dass dieses Verlagen den Menschen nicht auf sich selbst zurück wirft, dass er vielmehr das „Für“ der Hingabe weckt, die dann viele Formen des Ausdrucks und der Kreativität findet. Nur wenn es der Kirche gelingt, ein volles Ja zu sagen zu dieser den ganzen Menschen erfüllenden, in weitem Sinne Leben zeugenden Kraft, wird sich die in der Geschichte oft gehemmte und zuweilen verkorkste Beziehung zwischen Kirche und Sexualität zum Besseren wenden. Und für den einzelnen gilt: Jedes Verdrängen, Nicht-Anschauen der eigenen Sexualität mindert den Strom des Lebens und kann sich „rächen“ in abnormalem, respektlosem und verletzendem Tun. „Es hat in der Kirche eine notwendige Bewegung begonnen“, darin waren sich beide Referenten einig wie auch Frau Gisela Lauer, die Moderatorin der Podiumsdiskussion, Juristin und Missbrauchs-Beauftragte des Bistums Trier.

 

Bei der Begrüßung hatte Rektor Rheinbay seinem Mitbruder und Kollegen Prof. Alfred Schuchart ausdrücklich für sein langjähriges Engagement in der Vorbereitung und Durchführung der Akademietage gedankt. In einer Feier im Anschluss wurde Schuchart als Leiter des Instituts für Wissenschaftliche Weiterbildung verabschiedet (separater Artikel erscheint in Kürze).

 

Referat Dr. Müller    Referat Prof. Dr. Goertz