Die Kräfte der Liebe ordnen

Dresdner Religionsphilosophin beim 1. Akademietag in Vallendar

Der Mensch unserer Tage geht sträflich über die in ihm seit Jahrtausenden eingepflanzten Gesetze von Liebe, Eros und Sexus hinweg. Denn die wahre Liebe kann nur einem einzigen Menschen gelten, sie ist ohne Bedingung auf Zeitlosigkeit angelegt, offen für die Geburt neuen Lebens und braucht die innere Stütze des Glaubens, der göttlichen Hilfe. Wo dies nicht der Fall ist, also in „Liebeleien“, da verkommt der Mensch und sein Leben missglückt - so der Tenor des Vortrags von Prof. Gerl-Falkovitz, Philosophie-Professorin an der Uni in Dresden und seit 1996 Ehrendoktorin an der Hochschule der Pallottiner in Vallendar. In einem breit angelegten Überblick über die griechische, jüdische und christliche Tradition stellte die Referentin heraus, wie sehr die Menschheit immer schon um die unfassbare Gewalt erotischer Kräfte wusste, die sowohl in unstillbare Sehnsucht hinauf ziehen wie auch in den zerstörerischen Abgrund hinab stürzen können. Die deswegen von der Gesellschaft aufgestellten Tabus waren längst keineswegs  Anzeichen einer verklemmten Prüderie (dies wohl im 19. Jahrhundert), sie wollten vielmehr dem Menschen helfen, die ihm inne wohnenden Kräfte zu ordnen. Die rund 110 Zuhörer, die trotz winterlicher Witterung gekommen waren, folgten der engagierten Rednerin mit viel Zustimmung und Beifall, brachten jedoch in der anschließenden Diskussion auch ihre Schwierigkeiten zum Ausdruck, dieses Ideal zu verwirklichen und an die kommende Generation weiter zu geben. Aus eigener Erfahrung ermutigte Gerl-Falkovitz dazu, das eigene Stummsein in diesen Fragen zu überwinden und zu einer Sprache der Liebe zu finden, die jungen Menschen Orientierung geben kann. Ohne die Bereitschaft zum Risiko, sich ganz zu geben und zu „verlieren“, gebe es keine echte Liebe. Dies führt den Menschen jedoch nicht von sich weg, so betonte die Rednerin am Schluss, sondern lässt ihn vielmehr ganz zu sich selbst finden. Wie schon Goethe wusste: „Du bist jetzt mein und jetzt ist das Meine meiner als jemals zuvor.“ Gerl-Falkovitz schloss mit einem Zitat von Theresa von Avila. Es gehe darum „ ein ganzes Leben zu leben, eine ganze Liebe zu leben und einen ganzen Tod zu sterben.“

 

Das Referat können Sie hier einsehen: Referat Prof. Gerl-Falkowitz