Im Zentrum steht die Frage nach dem Menschen und dem richtigen Tun in der Gesundheitsversorgung. Welche Auswirkungen und Konsequenzen bergen die zunehmende Professionalisierung und Vermarktung sozialen Handelns? Welchen Einfluss kann und soll die Praxis auf diese Entwicklung nehmen? Welchen Beitrag leistet die Wissenschaft?
Die zweitägige wissenschaftliche Weiterbildung bietet eine kritische und interdisziplinäre Reflexion an.
02. November 2011: 10:00 – 12:30
„Gesundheit in der Dienstleistungsgesellschaft – Von der Nächstenliebe zur Kundenorientierung“
(Referent: Dr. Stefan Blüher, Institut für Medizinische Soziologie, Charité Berlin)
Einführend wird die Entwicklung zur heutigen Dienstleistungsgesellschaft unter Berücksichtigung des Stellenwerts der Gesundheit bzw. der Gesundheitsversorgung dargelegt. Darauf aufbauend wird die Verschiebung der Versorgungspraxis diskutiert, z.B. die demographisch bedingte Verschiebung von akuter Intensivversorgung hin zur kontinuierlichen Langzeitversorgung chronisch Kranker und pflegebedürftiger Menschen. Dabei wird der Aspekt der Kundenorientierung im Kontext der Ökonomisierung des Gesundheitswesens beleuchtet. Abschließend werden Konsequenzen dieser Entwicklung für die Gesundheitsversorgung aufgezeigt.
02. November 2011: 14:00 – 16:00
„Lei(d)tbilder in der Pflege – vom gebrechlichen Alten zum modernen Kunden“
(Referenten: Prof. Dr. Brandenburg, Helen Güther, MPH, Pflegewissenschaftliche Fakultät, PTHV)
Nach dem Blick auf die Gesellschaftsstruktur und Kultur gilt es in diesem Beitrag der gerontologischen Pflege und Heilpädagogik den Fokus auf die konkrete Interaktionsebene Behandelnder – Behandelter zu richten. Ausgehend von der Überlegung, dass Leitbilder Ordnungs- und Herrschaftsmittel sind (Kontratowitz), wird zunächst die historische Entwicklung nachgezeichnet. In der Vergangenheit wurde - jenseits von Familienorientierung und innerfamilialem Pflegedruck – eine vorrangig unter dem Prinzip der Kosteneffektivität gestaltete Institutionalisierung unter Hintansetzung der Bedürfnisse der Gepflegten praktiziert. Erst in den 70/80er Jahren des letzten Jahrhunderts änderte sich das Leitbild. Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe wurden und werden immer wichtiger. Deren Garantie bleibt aber nicht ohne Widersprüche und bis in die Gegenwart problematisch. Auf die aktuelle Situation muss daher Bezug genommen werden. Das Leitbild vom Kunden und seiner Implikation vom selbstbestimmten Menschen und gleichberechtigtem Verhandlungspartner wird diskutiert – und damit an den ersten Vortrag explizit angeschlossen. Welches berufliche Selbstverständnis ergibt sich hieraus? Und welche Konsequenzen ergeben sich für die Begegnung von Dienstleistern und hilfe- bzw. pflegebedürftigen Menschen?
02. November 2011: 16:00 – 18:00
„Der Kunde ist König“ – Gesundheit um jeden Preis?“
(Referent: Prof. Dr. Schulz-Nieswandt, Prodekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zu Köln, Geschäftsführender Direktor des Seminars für Sozialpolitik)
In diesem Beitrag wird die Frage nach dem Kunden aus gesundheitsökonomischer Perspektive beleuchtet. Was impliziert dieses Konzept der Kundenorientierung für die gesundheitsökonomische Praxis? Welche Konsequenzen auf die Dynamik von Angebot und Nachfrage ergeben sich? Gewinne sind abzuwägen mit möglichen Kosten, wobei hierbei nicht nur finanzielle Aspekte zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus sollen empirische Ergebnisse und Erkenntnisse vorgestellt werden, die uns Hinweise dazu liefern, wie Kunden tatsächlich reagieren, wovon diese Reaktion abhängig ist - und wie man sie ggf. beeinflussen kann. Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen wird ein wichtiges Thema darstellen.
03. November 2011: 10:00 – 12.30
„Nutzerorientierung in der integrierten Versorgung? Praxiserfahrungen zum Pflegestützpunkt“
(Referentin: Ursula Mund, Dipl. Sozialarbeiterin, Beratungs- und Koordinierungsstelle im Pflegestützpunkt der Ökumenischen Sozialstation Bendorf-Vallendar
In diesem Beitrag wird die Frage nach dem Kunden aus der Beratungsperspektive am konkreten Erfahrungsbereich eines Pflegestützpunkts beleuchtet. Die Sicht auf den Nutzer im Pflegesystem als aktiven Arrangeur von Dienstleistungen impliziert zunächst ein ‚Mehr’ an Freiheit, Entscheidungskompetenz, Konsumsouveränität. In wie weit sich dieses Ideal verbunden mit einer veränderten Kultur von Pflegegestaltung insbesondere in der ambulanten Versorgung verwirklichen lässt, gilt es zu erfahren und zu diskutieren. Wie viel Beratung, welches Vorgehen in der Beratung im Pflegestützpunkt ist notwendig, um das Konzept vom Wohlfahrtspluralismus nutzbar zu machen? Und wie verhalten sich die „Kunden“?
03. November 2011: 14:00 – 16:00
„Vom Unterschied zwischen ‚Güte’ und ‚dem Guten’“
(Referent: Prof. Dr. Rheinbay SAC, Rektor PTHV)
Ist mit hoher Qualitätsgüte auch eine gute Versorgungspraxis gewährleistet? Was ist eigentlich das Gute, wonach alles strebt? Was bedeutet die Differenzierung von ‚Güte’ und ‚Gut’ für unsere alltägliche Handlungspraxis im Gesundheitswesen? Was tue ich eigentlich, wenn ich helfe und ‚heile’? Der theologische Beitrag nähert sich den Begriffen vom ‚Guten’, vom ‚Helfen’ und vom ‚Heilen’ und stellt noch einmal grundsätzlich Anfragen an das professionelle Selbstverständnis und das Berufsethos der Verantwortlichen im Gesundheitswesen.
03. November 2011: 16:00 – 18:00 (Abschlussdiskussion)
„Fremdbestimmung – Selbstbestimmung – Mitbestimmung: Wie ist Profession weiter zu entwickeln?“Welche Herausforderungen stellen sich? Welche Aufgabenfelder der Zukunft entwickeln sich?
Vorrangig akademische Dienstleister und Verantwortungsträger im
Gesundheitswesen: Personen, die im Management, der Aus-, Fort- und Weiterbildung, in der Qualitätssicherung, in der (Krankenhaus)-
Seelsorge tätig sind sowie Referenten von Wohlfahrtsverbänden und Ministerien. (Max. 18 Teilnehmer/-innen)
Prof. Dr. Hermann Brandenburg & MPH Helen Güther (Lehrstuhl für Gerontologische Pflege, Pflegewissenschaftliche Fakultät der PTHV)
Dr. Stefan Blüher, Soziologe, Institut für Medizinische Soziologie, Charité Berlin
Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Universität Köln
Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, u.a.
Modul 1: 2.-3.11.2011;
Modul 2: 20.-21.3.2012;
Modul 3: 19.-20.6.2012
300 € pro Modul
860 € Kursgebühr gesamt
Pension: 79,50 € Einzelzimmer pro Modul
Eine Weiterführung und Vertiefung der Thematik bieten
wir in zwei Folgemodulen:
Modul 2: 20.-21.3.2012
Modul 3: „Theorie-Praxis-Transfer im Gesundheitswesen – nur eine Frage der Ressourcen und des guten Willens?“
Modul 3: 19.-20.6.2012