"Wohnen als Grundrecht"

Dr. Hanno Heil referierte beim Themen-Abend im Kurt-Esser-Haus

Dr. Hanno Heil (links) war einer der Referenten beim Themenabend/ Foto: Gemeinsam wohnen i.d. Region Koblenz e.V.

Vallendar, 27.11.2017. Der im Grundgesetz verankerte Gestaltungsspielraum aller Bundesbürger bei der politischen Willensbildung wird nicht selten unterschätzt. Am 13.11.2017 konnten Besucher des vom Verein Gemeinsam Wohnen in der Region Koblenz organisierten Themenabends vielfältige Alternativen kennen lernen, die Bürgern ermöglichen, aktiv an der Gestaltung von neuen Wohnformen mitzuwirken.

Dr. Hanno Heil, Lehrbeauftragter für Diakonische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), fragte, ob den Missständen auf dem Wohnungsmarkt entgegen gewirkt werden könne durch eine stärkere Gemeinwohlorientierung der Wohnungsbauunternehmen und Kommunen. Immerhin sei in der rheinland-pfälzischen Landesverfassung die Gemeinwohlverpflichtung der Wirtschaft, der Kommunen und Einzelpersonen deutlich formuliert.  Ein Instrument zur praktischen Umsetzung des Gemeinwohlprinzips auf dem Wohnungsmarkt sieht er in der Anwendung eines Zertifizierungsverfahrens, dass die Gemeinwohl-Orientierung von Kommunen und Unternehmen misst und transparent darstellt. Der Wettbewerb auf dem Wohnungsmarkt müsse künftig nicht mehr durch die Höhe der Renditen, sondern durch die Auswirkungen der Bauvorhaben und der sie durchführenden Unternehmen auf das Gemeinwohl gesteuert werden. Er verwies auf erste Gemeinden in Österreich und Spanien, die sich auf ihre Gemeinwohl-Orientierung hin zertifizieren lassen. Dabei wird z.B. auch beurteilt, wie weit ihre Wohnungsbaupolitik das  soziale Zusammenleben fördert.

Im Rahmen der anschließenden Diskussion mit dem Publikum und den anderen Referentinnen und Referenten wurde vorgeschlagen, dass bei dem Planungsverfahren für die "Fritsch-Kaserne" sowohl die interessierte Bürgerschaft als auch Architekten einbezogen werden sollen. Um dort nachbarschaftlich orientierte Wohnprojekte anzusiedeln,  müsste ein besonderes Vergabeverfahren erfolgen, da diese in Konkurrenz zu normalen Investoren auf dem offenen Grundstücksmarkt i.d.R. chancenlos sind. Sich zukünftig in der Konsequenz für einen "Geschützten Wohnungsmarkt" mit Vergabe an das beste Konzept und nicht zum Höchstpreis sowie mehr Bürgerbeteiligung  einzusetzen, versprachen für den Verein Christine Holzing und Gesa Schmidt, die den Abend moderierten.