"Führen Frauen wirklich anders?"

Tagung von Frauen für Frauen an der PTHV

v.l.n.r.: Michaele Münch, Geschäftsbereichsleiterin Betriebliches Gesundheitsmanagement/Arbeitssicherheit der Marienhaus Holding GmbH; Eva Hasske, Referentin an der Waldbreitbacher Ärzteakademie; Sr. Dr. h. c. M. Basina Kloos, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Hildegard-Stiftung und Vorstandsmitglied der Edith-Stein Trägerstiftung; Andrea Rall, stellvertretende Akademieleiterin der Edith-Stein-Akademie; Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Rektor der PTHV; Dr. Katrin Keller, Leiterin der Stabsstelle Unternehmensentwicklung und Waldbreitbacher Ärztekademie der Marienhaus Holding GmbH; Christiane Underberg, Unternehmerin und Gesellschafterin der Firma Underberg; Christa Garvert, Stiftungsvorsitzende der Franziskus-Stiftung für Pflege und selbstständige Beraterin "Garvert-Beratungskonzepte" sowie Eva Birrenbach, Praxisstudentin Betriebliches Gesundheitsmanagement/Arbeitssicherheit/ Foto: Verena Breitbach/PTHV

Vallendar, 19.10.2017. Selbstbewusst – offen – organisiert – motiviert – souverän – partnerschaftlich – authentisch – stilvoll: Dies sind nur wenige der genannten Attribute, die bei der Tagung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) zur Beschreibung weiblichen Führungsstils fielen. Führen Frauen tatsächlich anders? Was unterscheidet weibliches von männlichem Führungsverhalten konkret? Gibt es wirklich Unterschiede oder sind die Stärken nur anders besetzt? In welchen Situationen führt der Einsatz bestimmter Charaktereigenschaften vielleicht sogar zu wirksameren Ergebnissen? Diesen gesellschaftspolitisch bedeutsamen Fragestellung haben sich die drei hochkarätigen Referentinnen Sr. Dr. h. c. M. Basina Kloos, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Hildegard-Stiftung und Vorstandsmitglied der Edith-Stein Trägerstiftung, Christiane Underberg, Unternehmerin und Gesellschafterin der Firma Underberg sowie Christa Garvert, Stiftungsvorsitzende der Franziskus-Stiftung für Pflege und selbstständige Beraterin "Garvert-Beratungskonzepte", in der Tagung für Frauen gestellt. Rund 60 Teilnehmerinnen aus dem Profit- und aus dem Nonprofit-Bereich kamen dazu nach Vallendar.

In Impuls-Vorträgen stellten die Referentinnen zunächst den Schwerpunkt ihres jeweiligen Führungsstils vor: Christa Garvert war von 1980 bis 2016 bei der Marienhaus GmbH unter anderem erste weltliche Krankenhausoberin und Sprecherin der Geschäftsführung, dann gründete sie die Franziskus-Stiftung für Pflege. Sie widmete sich in ihrem Vortrag gemeinsam mit Michaele Münch, Geschäftsbereichsleiterin Betriebliches Gesundheitsmanagement/Arbeitssicherheit bei der Marienhaus Holding GmbH, dem Thema "gesund führen". Ihr Leitspruch: Wer seine Wurzeln kenne, könne etwas gestalten. Zudem sei es wichtig, sich stets zu fragen: Welchen Sinn hat das, was ich tue? Wie sieht meine Mitte aus, was ist mir wichtig? Und: Passt meine persönliche Ausrichtung zu der Firmenausrichtung? "Grundlegend ist die Strategie, die aus einer Vision (des Unternehmens) abgeleitet werden muss. Neben der Struktur spielt zudem zu 80 Prozent die Kultur des Unternehmens eine wesentliche Rolle." Ihr Fazit: Führung ist Kunst. Es gibt keine Kriterien zu entscheiden, welche die bessere Philosophie des Führens ist. Es ist die Unterschiedlichkeit in der männlichen und weiblichen Führung, die Perspektiven eröffnet und eine wichtige Grundlage für die Persönlichkeits- und Unternehmensentwicklung darstellt. Unter Beachtung dieser Grundbedingungen erreichen wir menschlich und wirtschaftlich gute Ergebnisse für ein menschlich und unternehmerisch gelungenes Leben.

Sr. Dr. h.c. M. Basina Kloos war dreimal in Folge (insgesamt 18 Jahre lang) Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, ehemals Vorstandsvorsitzendes der Marienhaus Unternehmensgruppe, jetzt Hildegard Stiftung. In ihrem Beitrag, gemeinsam mit Andrea Rall, stellvertretende Akademieleiterin der Edith-Stein-Akademie, ging es um "wert-volle Führung". Sie machte deutlich, dass es Werte und Vorbilder brauche. "Man muss die Menschen mit ihrer Biografie im Blick halten." Wichtig seinen 1. Zielvereinbarungen und Vertrauen zu verknüpfen, 2. wertschätzende und begleitende Förderung von starken Mitarbeitenden, 3. Fehlerkultur, 4. Leistungsförderung durch Personalentwicklung und Weiterbildung.

Christiane Underberg plädierte für das offene Wort. Die ausgebildete Sozialarbeiterin erklärte, gemeinsam mit Dr. Katrin Keller, Leiterin der Stabsstelle Unternehmensentwicklung und Waldbreitbacher Ärztekademie der Marienhaus Holding GmbH, in ihrem Beitrag "stil-voll Führen", dass Frauen die Karriere anders angehen als Männer: schrittweise. Zudem könnten Frauen mit Symbolik besser umgehen. Anders als Männer haben Frauen einen eher ganzheitlichen Blick. Sie ist der Ansicht: "Wir können Frauen in ihren Fähigkeiten fördern, wenn uns dies bewusst ist." Besonders wichtig ist ihr der Aspekt der Förderung einer ganzheitlichen und selbstbestimmten Handlungsfähigkeit.

Im Anschluss gab es zahlreiche Fragen aus dem Publikum etwa: Wie geht man mit immer wiederkehrenden Diskussionen um? Und: Wie geht man mit den Menschen um, wenn es letztendlich immer nur um Zahlen gehe? Die sich anschließende Moderation haben Dr. Katrin Keller, Michaele Münch und Andrea Rall übernommen. Die Marienhaus Holding GmbH ist neben der Vinzenz Pallotti gGmbH der Träger der PTHV gGmbH.

Nach einer Mittagspause gab es während eines „Markts der Möglichkeiten“ die Chance sich mit den Referentinnen vertieft zu den einzelnen Impuls-Referaten auszutauschen. Bei der etwas anderen ‚Schuhprobe‘ zum Abschied, bei welcher sich die Teilnehmerinnen zu unterschiedlichen Schuhmotiven zugeordnet haben, wurde Resümee gezogen. Den ‚Wanderschuh-Damen‘ wurde klar, dass Führung einen Auftrag darstellt, der ein sicheres Schuhwerk benötigt, um sich trittsicher auf jedem Boden zu bewegen. Mit ‚Arbeitsschuhen‘ kann es ganz anders aussehen, "Stahlkappen schützen, vor denjenigen die mir gerne auf die Füße treten möchten, haben Kratzer und sind trotzdem bequem", sagte eine Teilnehmerin, das macht eben Führung auch aus – selbst sicher stehen und gehen, auch wenn es nicht möglich ist jedem Anspruch gerecht zu werden. Klar wurde allen Teilnehmerinnen, dass eigene Werte, ein eigener Stil und ein gesunder Umgang mit sich und mit anderen wesentliche Komponenten von Führung sind.