"Gesundheit und Krankheit in der Literatur"

PD Dr. Katrin Max (Universität Leipzig) zu Gast beim Campustag der Pflegewissenschaftlichen Fakultät

PD Dr. Katrin Max (Universität Leipzig) referierte zum Thema "Krankheit in der Literatur"/ Foto: PTHV

Vallendar, 22.05.2017. 18.05.2017. Am 18.05.2017 fand der Campustag der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) für alle Studierende beider Fakultäten, ehemaligen Studierende, Mitarbeiter der PTHV und Interessierte zum Thema "Gesundheit und Krankheit in der Literatur", statt. Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Dekan der Pflegewissenschaftlichen Fakultät, begrüßte die Zuhörerinnen und Zuhörer und machte darauf aufmerksam, dass die Campustage Veranstaltungen sind, die über die einzelnen Veranstaltungen der Studierendenformen in der Pflegewissenschaftlichen Fakultät angeboten werden, damit die Studierenden untereinander in Kontakt treten. "Zudem ist diese Veranstaltung auch für die Theologische Fakultät geöffnet, und es geht darum, Dozenten und Studierende miteinander ins Gespräch zu bringen." Bei diesem konkreten Campustag steht im Zentrum Verbindungen von Literatur, Krankheit und Pflege aufzuzeigen." Wir sehen Fragen medizinisch-pflegerischen Versorgung in einem weiteren Kontext“, erklärte Prof. Brandenburg im Hinblick auf die Themenauswahl.

Die Referentin, PD Dr. Katrin Max, Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Leipzig, befasste sich mit "Gesundheit und Krankheit im Zauberberg von Thomas Mann am Beispiel der Tuberkulose". Zunächst gab sie allgemeine Informationen zu dieser Krankheit (inklusive der Geschichte und Metaphorisierung der Tuberkulose als „romantische Krankheit“ im 19. Jahrhundert), dann ging sie auf den Zauberberg ein und zeigte verschiedene Deutungsperspektiven des Themas auf. Ausgehend von der Frage, welche Konzeptionen der Tuberkulose im Roman verhandelt würden, stellte sie unterschiedliche Möglichkeiten der Sinngebung von Krankheit vor. Als Text des frühen 20. Jahrhunderts greife Der Zauberberg auf verschiedene Wissensbestände zurück, sodass die Tuberkulose darin als komplexes Geschehen begriffen werde, das 1. literarisch-künstlerisch (Romantik, "verfeinernde", "interessante"  Schwindsucht), 2. durch die moderne zeitgenössische Medizin (Tuberkulose als Infektionskrankheit), 3. durch die vormoderne Medizin (Konstitutionslehre, Humoralpathologie) sowie 4. paramedizinisch (Nervosität, Psychoanalyse, Psychosomatik, Okkultismus) zu beschreiben sei. Die Referentin kam zu dem Schluss, dass keine dieser Konzeptionen das Wesen der Tuberkulose vollends erfassen könne, dass durch die Kombination der unterschiedlichen Ansichten aber der Komplexität dieser Krankheit Rechnung getragen würde, was Voraussetzung für deren Deutung im Zauberberg sei. So würden nicht allein "die großen Themen des Romans (z.B. Liebe und Krankheit, temporäre Todesauslieferung, Hermetik, Zeittheorie) mit Hilfe der Tuberkulose thematisiert", sondern es sei auch möglich, Krankheit in einem umfassenderen Sinne zu verstehen, da der Text selbst Übertragungen vornimmt und die historischen Ereignisse in Verbindung mit dem Ersten Weltkrieg als krankhaft deutet (im Sinne der Tuberkulose als Rückneigung). Das Ende des Romans ist jedoch offen gehalten, und auch hinsichtlich der Tuberkulose erweist sich Thomas Mann als Ironiker. Dadurch, dass er die Tuberkulosemedizin seiner Zeit mit anderen, zum Teil wesentlich älteren Krankheitskonzepten konfrontiere, weise er letztlich über die Moderne hinaus.

Nach dem Vortrag diskutierten Studierende und andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Referentin zu der Thematik.