Ethische Dimension der fortschreitenden Digitalisierung analysiert

Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski diskutierte beim Koblenzer IT- und Wirtschaftsforum "IT2KO"

Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski ist einer der Podiumsteilnehmer gewesen/Foto: Verena Breitbach/PTHV

Vallendar, 11.05.2017. An dem Koblenzer IT- und Wirtschaftsforum "IT2KO" in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle war auch Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), beteiligt. Er war zunächst Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema "Künstliche Intelligenz – Zukunft lebendig gestalten". In der Diskussion ging es um die Vor- und Nachteile sowie Konsequenzen der Digitalisierung auch im Hinblick auf ethische Fragestellungen. "Die ethische Bewertung von Technik hängt insbesondere davon ab, wie diese von Menschen genutzt wird", erklärte Prof. Zaborowski und gab zu bedenken, dass  die Folgen von Technik oft überschaubar und nicht selten auch reversibel seien. "Das ist bei der Digitalisierung ganz anders." Daher sei es wichtig, die ethischen Fragen, die mit technischen Neuerungen verbunden sind, im Vorfeld zu klären. "Grundsätzliche Fragen, wie ich leben möchte, kann die Technik überhaupt nicht beantworten." Als Beispiel nannte er hier etwa die Pflege durch einen Roboter: "Es kann eine gute oder eine schlechte Pflege geben mit oder ohne einen Roboter."

Auch in diesem Bereich stellen sich letztlich grundsätzliche Fragen nach Menschen und danach, was für ihn wirklich gut ist. In der Podiumsdiskussion zeigte sich, dass es vor dem Hintergrund der rasanten technischen Entwicklungen immer auch darum gehen müsse, die Ängste der Gesellschaft ernst zu nehmen.

Mit Prof. Zaborowski diskutierten Vertreter aus IT und Wirtschaft: Prof. Dr. Paul Lukowicz, wissenschaftlicher Direktor und Leiter des Forschungsbereichs Eingebettete Intelligenz am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI GmbH) und Lehrstuhlinhaber im Fachbereich Informatik der TU Kaiserslautern; Prof. Dr. Ulrich Furbach, Professor für Informatik an der Universität Koblenz-Landau; Christian zur Hausen, Geschäftsführer Akzentum GmbH und Vizepräsident der IHK Koblenz sowie Dr. Holger Schmidt, Digital Economist. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, dass es wichtig sei, den Umgang mit technischen Neuerungen zu lehren und die Technik als positive Ergänzung bzw. Erleichterung des Lebens zu sehen. Es wurde deutlich, dass es in der Auseinandersetzung mit technischen Neuerungen immer wichtiger wird, Philosophen und Ethiker in die Diskussionen mit einzubeziehen. "Denn wir müssen in Freiheit entscheiden, wie und wozu wir die Technik nutzen", sagte Prof. Zaborowski. "Es kommt darauf an, das zu bewahren, was bewahrenswert ist, und das Neue zeitgleich anzunehmen."

Die Frage nach dem 'guten Leben'

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hielt Prof. Zaborowski einen philosophischen Vortrag zum Thema "Moderne Technik und das gute Leben". Darin erläuterte er nochmal nachdrücklich die oben genannten Thesen und verwies darauf, dass man über Technik nur vor dem Hintergrund der Frage nach dem "guten Leben" nachdenken könne.

Die IT2KO findet in diesem Jahr zum 2. Mal statt. Um Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik miteinander in engeren Kontakt miteinander zu bringen, wurde 2006 der Verein IT. Stadt Koblenz gegründet. In diesem Jahr veranstaltete die Plattform zum zweiten Mal die Messe IT2KO. Rund 70 Mitgliedsunternehmen gehören dem IT-Branchennetzwerk für Dialog, Weiterbildung und Entwicklung an.