Thema "Habitus in der Altenpflege – Konsequenzen für die Ausbildung"

Prof. Dr. Constanze Eylmann zu Gast beim Expertinnen-Seminar an der PTHV

Das Seminar von Prof. Eylmann (links) war gut besucht/ Foto: PTHV

Vallendar, 09.05.2017. Am 08.05.2017 fand wieder ein Pflegeexpertinnen-Seminar an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) statt. Zu Gast war dieses Mal Prof. Dr. Constanze Eylmann, Professorin für Pflegewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Sie sprach zum Thema "Habitus in der Altenpflege – Konsequenzen für die Ausbildung". Insbesondere der Lehramtsstudiengang 3 war Hauptzielgruppe dieses vom Lehrstuhl Pflegedidaktik organisierten Seminartages.

Zunächst ging es darum, sich über didaktische Konzepte wie z.B. selbstgesteuertes Lernen auszutauschen und gedanklich im Alltag der Altenpflegeausbildung anzukommen. Nachdem sich die Studierenden der derzeit gängigen "didaktischen Werkzeuge" vergewissert hatten, tauchten sie in die Welt der "Erkenntniswerkzeuge" Pierre Bourdieus ein und setzten sich mit dem Habituskonzept auseinander.

"In welcher Weise, aus welchen Gründen handeln beruflich Pflegende, die alte Menschen versorgen und was veranlasst Auszubildende diesen Beruf zu ergreifen?" waren die Kernfragen des Tages. Sie wurden auf der Grundlage einer empirischen Milieu- und Habitusanalyse, durchgeführt von Prof. Eylmann, kritisch und zuweilen kontrovers diskutiert. "Am Ende dieser Einheit wurde vor dem Hintergrund dieser soziologischen Sichtweise das deutlich, was Pflegelehrer in der Praxis hautnah jeden Tag erleben. In die Pflegeausbildung gelangen Menschen mit sehr unterschiedlichen, ungleichen Bildungsvoraussetzungen, auf die die Pflegedidaktik im Sinne einer sozialen Gerechtigkeit noch nicht hinreichend reagiert", resümiert Dorothee Spürk, Lehrkraft für besondere Aufgaben und Organisatorin der Seminarreihe.

Daher ging es am Nachmittag speziell um den Ausblick auf die Pflegedidaktik. Die Frage: "Wie kann man die gewonnen Erkenntnisse für die Ausbildung nutzen?" stand im Zentrum. Die Diskussion der Studierenden fasste Frau Prof. Eylmann in Form von zwei Thesen wie folgt zusammen: Erstens "Wenn der Habitus in der o.g. Form ‚einverleibt’ ist, dann sollten die bisherigen Lern- und Prüfungsformen um solche ergänzt werden, die dem intuitiven Handeln und dem alltagspraktischen Begreifen Rechnung tragen. Zweitens: Das selbstgesteuerte Lernen ist stärker als bisher durch Lernprozessbegleitung und Lernberatung zu flankieren."

Prof. Eylmann studierte an der FH Bielefeld Berufspädagogik im Anschluss an ihre Tätigkeit als Krankenschwester und Praxisanleiterin in unterschiedlichen Pflegebereichen. Danach folgten Tätigkeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschungsprojekten zur Versorgung und Bildung in der Pflege. Lehraufträge erfüllte Frau Eylmann seit 2005 an der FH-Bielefeld, an der btu Cottbus-Senftenberg oder im Institut Bildung &. Beratung Bethel. Nach erziehungswissenschaftlichen Studien an der Universität Bielefeld folgte die Dissertation mit dem Titel: "Es reicht ein Lächeln als Dankeschön" – Habitus in der Altenpflege – an der Universität Osnabrück.