"Gut alt werden in pallottinischen Gemeinschaften"

Zwischenfazit des Forschungsprojektes wurde gezogen

Vallendar, 25.04.2017. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Fakultäten, Theologie und Pflegewissenschaft, der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), haben die wissenschaftliche Beratung und Unterstützung der deutsch-österrreichischen pallottinischen Gemeinschaft zu Fragen des Alterns und der Pflege im Projekt "Gut alt werden in pallottinischen Gemeinschaften" (GAGE) übernommen.

Der demografische Prozess der Alterung der Gesellschaft zeigt sich besonders fortgeschritten in Ordensgemeinschaften, die seit Jahrzehnten sinkende Nachwuchszahlen aufweisen. Dies betrifft das Leben der Gemeinschaften in ihrem Alltag. Auch für die Theoriebildung zur Pflege in einer älter werdenden Gesellschaft bieten Ordensgemeinschaften ein wichtiges Forschungsfeld. Ziel des Projektes ist eine grundlegende und nachhaltige Auseinandersetzung mit der Problematik, wie gutes Altern in pallottinischen Gemeinschaften konkret gestaltet werden kann. Die Ergebnisse sollen zu einer besseren Bewältigung des Alltags in diesen Gemeinschaften beitragen.

Die erste Projektphase beinhaltete eine systematische Literatur-Recherche zum Thema "Altern, Pflege und Versorgung in religiösen Gemeinschaften". Insgesamt zeigte sich, dass diesem Thema in der (Pflege-)Wissenschaft bisher wenig Beachtung geschenkt wird. In einem nächsten Schritt des Forschungsprojektes erfolgte eine quantitative Befragung in Form von standardisierten Fragebögen der jeweiligen Niederlassungen. Untersucht wurden insgesamt 14 pallottinische Kommunitäten. Zeitgleich wurden mit den Rektoren der verschiedenen Kommunitäten und älteren Pallottinern insgesamt 17 Problemzentrierte Interviews geführt. Die methodische Beratung fand im Rahmen eines regelmäßig tagenden Projektbeirates statt. Ziel war es, Herausforderungen, Erfahrungen und Umgangsweisen mit der (Pflege)-Versorgungsthematik in der pallottinischen Gemeinschaft zu analysieren.

Zudem nahm das Projektteam an den jährlich stattfindenden Rektorenkonferenzen der Pallottiner teil, bei denen alle Leitungspersonen der einzelnen Niederlassungen aus Deutschland und Österreich zugegen sind. Die nächste Konferenz findet im Juni 2017 statt, und die Ergebnisse werden dort und in den einzelnen Kommunitäten vorgestellt.

Zwischenergebnisse wurden vorgestellt und diskutiert

Bei einem Treffen mit den Verantwortlichen im Februar 2017 wurden die bisherigen Ergebnisse mit dem Auftraggeber intensiv diskutiert. Von den 14 befragten Kommunitäten haben 13 Rückmeldungen auf die gestellten Fragen gegeben. Insgesamt liegt das Durchschnittsalter bei acht Niederlassungen bei über 70 Jahren. Insbesondere die eingeschränkte Beweglichkeit, aber auch ein eingeschränktes Hörvermögen wurde als hinderlich beim Altern benannt. Abgefragt wurden unter anderem folgende Elemente: Die Anzahl der Orte des Lebens, positive wie negative Assoziationen zu den folgenden Begriffen: Alter, Krankheit, Leid, Sinn und Lebensqualität. Auch abgefragt wurde der Tagesablauf, der Umgang miteinander, auch zwischen jungen und alten Pallottinern.

Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass als Besonderheit des Alterns in religiösen Gemeinschaften die Hilfsbereitschaft und die grundlegend religiöse Tagesgestaltung genannt wurde. Die Tatsache im Alter nicht alleine zu sein, die Sorge füreinander sowie die materielle Absicherung wurden als sehr positiv bezeichnet. Die Ressourcen der Pallottiner zur Gestaltung des Alterns sind vorhanden, es ist bereits jetzt möglich gut zu altern. Zudem soll ein gutes alt werden in der Gemeinschaft als Vorbild dienen und die Beziehung zwischen Jung und Alt sowie die Beziehung zu Gott weiterhin intensiviert werden.

„Unsere Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass pauschale Lösungen nicht sinnvoll sind, sondern für jede Kommunität spezifische Lösungen gesucht werden müssen“, sagte Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Dekan der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der PTHV und Projektverantwortlicher auf der letzten Regionalkonferenz der Rektoren. Es werden folgende Möglichkeiten in Betracht gezogen: Die beiden von den Pallottinern in Deutschland und Österreich unterhaltenen Orte des Alterns, im Missionshaus in Limburg an der Lahn sowie in Immenstaat am Bodensee, ein Pflegeheim in nicht pallottinischer Trägerschaft sowie ein ambulanter Pflegedienst in der Hausgemeinschaft.

Prof. Brandenburg wird von Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler, Prodekan der Pflegewissenschaftlichen Fakultät und Judith Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin, unterstützt. Seitens der Theologischen Fakultät sind Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, bis April 2017 Rektor der PTHV, JProf. Dr. Edward Fröhling SAC, Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und Theologie der Spiritualität, Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch, Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte, Dr. Ingo Proft, Leiter des Ethik-Institutes an der PTHV sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Hanno Heil vom Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der PTHV mit beteiligt.