Das Verhältnis von Kolonialismus und Religion

Arbeitskreis Ordensgeschichte 19./20. Jahrhundert tagte an der PTHV

Treffen des Arbeitskreis Ordensgeschichte an der PTHV/ Foto: Georg Adams/Limburg

Vallendar, 06.02.2017. Die 17. wissenschaftliche Fachtagung am Institut für Theologie und Geschichte religiöser Gemeinschaften (IRG) der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) fand vom 03. bis 05. Februar 2017 in Vallendar statt. Dazu kamen 35 an der modernen Ordensgeschichte Interessierte aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden an die PTHV. Die Tagungsleitung lag bei Prof. Dr. Joachim Schmiedl, Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der PTHV und Institutsleiter sowie Dr. Gisela Fleckenstein, Archivarin am Historischen Archiv der Stadt Köln.

Die diesjährige Tagung hatte kein Schwerpunktthema. Im Rahmen der Tagung wurde das Verhältnis von Kolonialismus und Religion an einem Beispiel verdeutlicht. Dr. Wolfgang Stein (Koblenz) hat eine archivgeschichtliche Reise nach Afrika unternommen, um sich auf Spurensuche nach den "Busch-Archiven" der pallottinischen Mission in Kamerun zwischen 1890-1916 zu begeben. Anlass war der 100. Todestag von Bischof Heinrich Vieter (1853-1914) sowie die geplante Aufnahme seines Seligsprechungsprozesses.

Wer schreibt wie die Geschichte der Missionen? Dr. Peter van Meijl SDS (Wien) referierte über die Internationalisierung von Gemeinschaften und ihren Häusern und den damit verbundenen Chancen und Gefahren für die Ordensgeschichte.

Als Brüdergemeinschaft sind die Alexianer seit Jahrhunderten in der Krankenpflege tätig. Deshalb war ein Einsatz in den Kriegslazaretten nahezu eine Selbstverständlichkeit. Dr. Wolfgang Schaffer (Köln), stellte ein neu aufgefundenes Kriegstagebuch eines aus dem Aachener Mutterhaus stammenden Alexianerbruders vor, der in verschiedenen frontnahen französischen Lazaretten eingesetzt war.

Zwei Vorträge beschäftigten sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Aufhebung von Jesuitengesetzen: Dr. Clemens Brodkorb (München) begab sich 100 Jahre nach der Aufhebung des Jesuitengesetzes auf Spurensuche im Provinzarchiv der deutschen Jesuiten. Prof. Dr. Klaus Schatz SJ (Sankt Georgen) untersuchte die Aufhebung des Jesuitengesetzes in der Schweiz 1973 und seine Vorgeschichte.

Dr. Gisela Fleckenstein (Köln) warf einige Schlaglichter auf die Orden im Erzbistum Paderborn nach dem Konzil.

Die Entwicklung des religiösen Lebens nach dem Konzil führte Dr. Jan Sloot (Utrecht), in seinem Beitrag auf internationaler Ebene weiter. Er skizzierte zunächst die Entwicklung der alten Orden und Kongregationen, indem er auf ihre zahlenmäßige Entwicklung einging.

Ganz ohne Jubiläum entstand 2016 das Mitteilungsblatt MiRKO. Es ist eine Fachzeitschrift und das Publikationsorgan des Referats für die Kulturgüter der Orden, einer Einrichtung der Ordensgemeinschaften Österreichs. Dr. Helga Penz (Wien), informierte, das MiRKO vorrangig der Veröffentlichung von Vorträgen dient, die bei Tagungen des Referats für die Kulturgüter der Orden gehalten werden, sowie Beiträge von Ordensleuten und ihren Mitarbeitenden im Bereich Kultur und Geschichte der österreichischen Klöster und Ordensgemeinschaften.

Erst digital und dann analog soll die Geschichte der Klöster und Ordensgemeinschaften im Bistum Essen aufgearbeitet werden. Prof. Dr. Reimund Haas (Köln) hat im Rahmen eines Workshops eine Initiative gestartet, die den klösterlichen Gemeinschaften mit ihren Niederlassungen einen Platz in der Geschichte geben will. Es sollen Bausteine zu einer Bistumsgeschichte gesammelt werden.

Dr. Hermann Josef Roth OCist (Bonn) zeigte an Beispielen die rasante mediale Karriere der Zisterzienser auf, die in der Rezeption und Aufmerksamkeit an anderen Orden vorbeizogen. Die Ruinenromantik des 19. Jahrhunderts und die sie befördernden Maler, die Klosterruinen mit Mönchen „garnierten“, wie z. B. Caspar David Friedrich, Georg Hasenpflug, trugen ein Übriges zum Klischee bei. 

Die nächste Tagung des Arbeitskreises ist vom 02.-04. Februar 2018 in Vallendar geplant. Ein Call for papers wird im Sommer 2017 verschickt. Beiträge aus allen Bereichen der modernen Ordensgeschichte sind erwünscht.

Der "Arbeitskreis Ordensgeschichte 19./20. Jahrhundert" ist ein etabliertes Diskussionsforum zur neueren Ordensgeschichte. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der Orden seit der Säkularisation bis heute.