Hochschultheologie der Zukunft in "Veritatis gaudium"

Prof. Dr. Joachim Schmiedl klärt im Interview mit katholisch.de Missverständnisse auf

Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch/ Foto: Privat

Vallendar, 01.02.2018. Die neue apostolische Konstitution "Veritatis gaudium" (Freude der Wahrheit), die am 8. Dezember 2017 durch Papst Franziskus erlassen und am 29. Januar 2018 veröffentlicht wurde, möchte die Hochschultheologie zukunftsfähig machen. Kurz vor der Veröffentlichung des Dokuments war das Gerücht aufgekommen, die Zahl der katholisch-theologischen Fakultäten in Deutschland könnte drastisch reduziert werden. Dazu hat sich Prof. Dr. Joachim Schmiedl ISch, Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der PTHV und Vorsitzender des Katholisch-Theologischen Fakultätentags (Zusammenschluss und Repräsentationsorgan der Katholisch-Theologischen Fakultäten und Institute in der Bundesrepublik Deutschland) nun in einem Interview mit katholisch.de geäußert und mit Gerüchten und Mißverständnissen aufgeräumt. Er erklärt im Interview, wie vielmehr die Zukunftsfähigkeit der deutschen Fakultäten gewährleistet werden kann.

Zunächst machte Schmiedl deutlich, dass es in der Debatte im Vorfeld nicht um die Anzahl der katholisch-theologischen Fakultäten in Deutschland ginge, sondern vielmehr um die Zahl der Priesterseminare aufgrund der stark sinkenden Anzahl an Priesteramtskandidaten. "Deshalb gibt es seit Jahren die Überlegung, sie zusammenzulegen", erklärt Schmiedl im Interview mit katholisch.de. "Da wird natürlich gleich spekuliert: Seminare und theologische Fakultäten, das gehört traditionell zusammen. Also hat man wohl die genannte Zahl einfach auf die Fakultäten übertragen. Tatsächlich muss man das aber sehr stark auseinanderhalten."

Zu dem Zusammenhang zwischen theologischer Fakultät und Priesterausbildung sagt Schmiedl: "Bisher ist in Deutschland vorgesehen, dass theologische Fakultäten an staatlichen Hochschulen mit einer entsprechenden institutionellen Priesterausbildung vor Ort verbunden sind. Das ist aber auf die Dauer kaum mehr praktikabel. Denn im Vergleich zur Gesamtstudierendenzahl ist die Zahl der Priesteramtskandidaten sowie die Zahl derjenigen, die ein theologisches Vollstudium absolvieren, deutlich rückläufig. Die Fakultäten haben inzwischen teilweise bis zu 80 Prozent Lehramtsstudenten. Von daher lässt es sich schon nicht rechtfertigen, warum eine theologische Fakultät nur dort bestehen sollte, wo auch ein Priesterseminar existiert."

Als wichtigsten Impuls des neuen Vatikan-Dokuments nennt Schmiedl vorrangig das Anliegen, katholische Theologie in Deutschland flächendeckend präsent zu halten. "Das war auch bislang die Linie der vatikanischen Bildungskongregation. Entscheidend scheint mir in dem Dokument hier vor allem das Vorwort von Papst Franziskus zu sein. Da schreibt er, dass katholische Theologie einer 'Kirche im Aufbruch' dienen muss, dass sie sich also gerade nicht zurückziehen darf, sondern 'nach vorne' gehen muss. Das kann aber nicht geschehen, wenn Fakultäten oder theologische Institute aufgegeben werden. Und der Papst sagt auch, wie Theologie künftig aufgestellt sein muss: Sie muss auf allen Ebenen dialogisch handeln." Das heißt konkret, dass die einzelnen theologischen Disziplinen untereinander verstärkt zusammenarbeiten müssen. "Die theologischen Fakultäten müssen dann aber auch mit den anderen Fachbereichen an ihren Hochschulen kooperieren. Darüber hinaus gilt es, Netzwerke zwischen den Standorten katholischer Theologie zu bilden – nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Im Bereich der Lehre müssen wir künftig vor allem die ökumenische, interreligiöse, aber auch religionskritische Kompetenz der Studierenden stärken. Der Religionsunterricht wird zunehmend konfessionell-kooperativ gestaltet. Da müssen die angehenden Lehrer befähigt werden, auch mit Anders- oder Nichtglaubenden kompetent umgehen zu können. Dahingehend wird die derzeitige Studienordnung noch einmal auf den Prüfstand kommen müssen."

Was die Profilschärfung der einzelnen Fakultäten angeht, so ist Schmiedl der Ansicht, dass die Fakultäten danach schauen müssen, wo sie Schwerpunkte in ihrer Forschung setzen. "Bei uns in Vallendar zum Beispiel haben wir eine Pflegewissenschaftliche Fakultät an unserer Hochschule und setzen deshalb im Bereich von Diakonie und Ethik einen Schwerpunkt. Andere Fakultäten und Institute haben etwas anderes. […] Und das muss künftig fortgeführt werden, denn vor allem durch ein geschärftes Profil behält man seine Daseinsberechtigung."

Lesen Sie das gesamte Interview auf katholische.de: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/so-bleibt-die-deutsche-hochschultheologie-zukunftsfahig

Die Stellungnahme des Katholisch-Theologischen Fakultätentags findet sich unter www.kthf.de/voten