Interaktion von Pflegequalität, -bedürftigkeit, -Personalbedarf

Forschungsprojekt "Pflege in Baden-Württemberg (PiBaWü)" an der PTHV

Vallendar, 09.03.2016. Seit 2016 und bis 2018 wird am Lehrstuhl für Statistik und standardisierte Methoden unter der Leitung von Prof. Dr. Albert Brühl in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Katarina Planer, Hochschule Esslingen, zum Thema Pflege in Baden-Württemberg geforscht. Das Projekt PiBaWü untersucht, wie Pflegequalität, -bedürftigkeit und -Personalbedarf zusammenhängen. Das Projekt wird gefördert vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg.

Beim Projektstart im November 2016 wurde Pflegebedürftigkeit in fünf Stufen (PS 0–PS 3 und sog. "Härtefälle") unterteilt. Seit 2017 wird Pflegebedürftigkeit nach dem Pflegestär-kungsgesetz II in fünf Pflegegrade unterschieden. Im Ursprungsmodell genügten knapp 40 Kriterien, um Pflegebedürftigen eine der fünf Pflegestufen zuweisen zu können. Mit der Ein-führung des Neuen Begutachtungsassessments für Pflegebedürftigkeit (NBA) werden dazu knapp 80 Kriterien benötigt. Auch mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wird die Personalbemessung voraussichtlich auf der Einschätzung der Pflegebedürftigkeit (Pflege-grad) basieren. Unklar ist jedoch, ob und wie gut mit den Pflegegraden des NBA der tatsäch-liche Pflegeaufwand abgebildet werden kann.

Das Projekt PiBaWü will zeigen, dass es sich positiv auf die Berechnung von Personalmengen auswirkt, wenn es gelingt, die tatsächliche Pflegebedürftigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner besser zu differenzieren. In Einrichtungen, in denen es den professionell Pflegenden gelingt, die Bewohnerinnen und Bewohner sehr differenziert in ihrem Pflegebedarf wahrzunehmen, ist davon auszugehen, dass hier eine "andere" Pflegequalität ermöglicht werden kann als in Einrichtungen, in denen die Bewohnerinnen und Bewohner weniger gut in ihrer Pflegebedürftigkeit unterschieden werden. Das Projektteam untersucht dazu, unter welchen personellen und organisatorischen Bedingungen diese Unterscheidung von Pflegebedürftig-keit besser gelingt. Schlussendlich will das Team herausfinden, was ein System der Personalbemessung berücksichtigen muss, wenn es gute Pflegequalität sicherstellen will.

Da sich die Personalausstattung auf die Differenzierung von Pflegebedürftigkeit und damit
auch auf die Pflegequalität auswirkt, soll die Studie Fragen der Personalbemessung und Aspekte der Pflegeorganisation in Bezug auf Pflegequalität beantworten. Es wird aufgezeigt werden, welche Pflegequalität mit welcher Personalausstattung erreicht werden kann. Die Ergebnisse des PiBaWü-Projektes werden weitere Erkenntnisse für bessere pflegepolitische Entscheidungen zur Personalbemessung auf Landesebene liefern.

An der Studie beteiligen sich vollstationären Langzeitpflegeeinrichtungen, die einen Versorgungsvertrag nach § 72 SGB XI in Baden Württemberg abgeschlossen haben. Nutzen für Träger und Einrichtungen sind Erkenntnisse über die Auswirkungen des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG II) und des Neuen Begutachtungs-Assessments (NBA) auf die Personalausstattung sowie eine Analyse der Beziehung zwischen vorliegenden Bewohnerinnen und Bewohner, Organisations- und Leistungsdaten für die weitere Organisationsentwicklung sowie der Vergleich von Pflegestufen und Pflegegraden.

"Nachdem im Jahr 2016 die Datenerhebung vorbereitet und der zeitliche Ablauf in Absprache mit den Einrichtungen organisiert sowie das Handbuch für die Datenerhebung geschrieben wurde, findet diese in diesem Jahr statt", erklärt Projektleiter Prof. Brühl. "Dazu werden Daten in 53 vollstationären Langzeitpflegeeinrichtungen erhoben. Hierzu kooperieren wir mit aktuell 42 Pflegeschulen." Im Jahr 2018 werden die Ergebnisse an den Auftraggeber, das Land Baden-Württemberg, die Einrichtungen selbst und die beteiligten Träger zurückgemeldet.