Schöpfung im Alten Testament

Zur Vereinbarkeit von biblischen Schöpfungsglauben und moderner Naturwissenschaft. Ein Vortrag von Prof. Dr. Elßner.

 

Dienstag 26. Mai 2009, Katholische Hochschule Vallendar, 9.30 Uhr

Schöpfung und/oder Evolution?

Eine Vorbemerkung

Es gibt Themen, von denen man meinte, daß sie ausdiskutiert und die Argumente letztlich ausgetauscht seien. Noch vor wenigen Jahren hätte man als Exeget, als alttestamentlicher zumal, sich nicht ohne weiteres vorstellen können, daß es um den Schöpfungsglauben in Verbindung mit bzw. in bezug auf naturwissenschaftliche Entstehungserklärungen der Erde/des Kosmos zu lebhaften Auseinandersetzungen kommen könnte. Eher wurden vor reichlich 20 Jahren im östlichen Teil Europas im vulgärmarxistischen Bereich insofern über diese Fragen vor allem im Schulunterricht Debatten geführt, als es die sogenannte Unwissenschaftlichkeit der an Gott Glaubenden zu beweisen galt.

Im Norden der Vereinigten Staaten, besonders im sogenannten „Bibel-Gürtel“, aber auch im Süden und an der Westküste waren diese Auseinandersetzungen zwar immer präsent, aber um sie kümmerte sich das „Alte Europa“ wenig. So wurde beispielsweise 1925 in Dayton, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Tennessee, der Biologielehrer John Thomas Scopes zu einer Geldstrafe von 100 Dollar verurteilt, weil er nach Darwin seine Schüler unterrichtete. Im März 1981 wird in Sacramento, der Hauptstadt von Kalifornien, ein Prozeß geführt, welchen der Kreationist Kelly Segraves vom „Forschungszentrum für Schöpfungswissenschaft“ angestrengt, weil in der Schule, die sein Sohn besucht, die Evolutionstheorie unterrichtet wird. So bizarr diese Debatten gegen die Evolutionstheorie mitunter auch erscheinen, diese haben jetzt auch Europa erreicht. Freilich, es werden diese Debatten nicht einfach in alten, sondern in neuen Kleidern geführt. Diese tragen nun beispielsweise das Etikett „Intelligent Design“. Gibt man allein letzteren Begriff in genau dieser Wortverbindung bei „Google“ ein, so erhält man in 0,14 Sekunden über 2.650.000 Einträge weltweit. Beschränkt man diese Wortverbindung für „Seiten aus Deutschland“, so sind es zwar sehr viel weniger Einträge, aber immerhin noch 73.000. Eine deutsche Online-Zeitung schrieb schon vor vier Jahren in bezug auf Debatten um „Intelligent Design“, daß es sich hierbei um „religiös motivierten Unfug“ handle.


Fragt man also, woher diese „Intelligent-Design-Bewegung“ kommt bzw. wo sie einen ihrer wichtigsten Ursprünge hat, so sind vor allem die USA zu nennen. Dies kann freilich den informierten Zeitgenossen insofern nicht ganz verwundern, als die Wiege des neuzeitlichen Fundamentalismus vor fast nunmehr 100 Jahren in den USA stand. Ursprünglich war jedoch der Begriff „Fundamentalist“ in interessierten Kreisen positiv konnotiert. Mit diesem kennzeichneten sich in den USA Anhänger christlicher Kreise evangelikal-protestantischer Provenienz selbst. Denn näherhin geht der Begriff „Fundamentalismus“ zurück auf die zwölfbändige Veröffentlichung „The Fundamentels. A Testimony to the Truth“ (Die Fundamente. Ein Zeugnis für die Wahrheit). Diese zwölfbändige Ausgabe erschien in den Jahren 1910 bis 1912, herausgegeben von Dwinght Lyman Mody und Molton Stewart. Sieht man sich die zentralen fundamentalistischen Glaubensüberzeugungen an, so finden sich mit an erster Stelle folgende:

  • die Bibel ist Wort Gottes und daher sind all ihre Worte vom Heiligen Geist wortwörtlich den Schreibern eingegeben worden. Der theologische Fachausdruck hierfür ist „Verbalinspiration“
  • und der biblische Schöpfungsbericht ist historisch zu verstehen, und zwar wortwörtlich.


Im Umkehrschluß bedeutet(e) dies, wer diese Aussagen nicht bejaht(e), hatte die Fundamente des christlichen Glaubens verlassen. Wer nordamerikanische Verhältnisse ein bißchen kennt, der weiß, daß eine solche Feststellung, von anderen erhoben, oder sogar als Selbstbekundung geäußert, arge (soziale) Konsequenzen nach sich ziehen kann.

1. Biblische Schöpfungserzählungen - Am Anfang der Bibel, aber nicht am Beginn der biblischen Überlieferung
Wenden wir uns im folgenden vor dem Hintergrund der vorgegebenen Themenstellung „Schöpfung und/oder Evolution?“ den biblischen Schöpfungsberichten zu, vor allem dem ersten. Als Alttestamentler gibt mir dies die Möglichkeit, einige notwendige exegetische Anmerkungen in bezug auf in die in Frage kommenden Texte zu machen, aber auch Grundsätzliches anzusprechen. Wer sich jedoch auch nur etwas in der Geschichte der Exegese der Schöpfungsberichte auskennt, dem wird heute – glücklicherweise – so viel Neues oder noch Nie-Gehörtes nicht mitzuteilen sein. Aber in partiell in Schöpfungs(theologischen)-Fragen unruhigen Zeiten, ist es durchaus angezeigt, den Befund hier und da noch einmal zu erheben. Vielleicht gelingt es mir auch, dem Evangelium ein weinig gerecht zu werden, wenn es in ihm heißt: „Jeder Schriftgelehrte also … gleicht einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt“ (Mt 13,52).


Nun mag vielleicht die eben gehörte Überschrift etwas irritiert haben, wenn es mit Bezug auf die beiden klassischen Schöpfungserzählungen im Buch Genesis heißt: „Am Anfang der Bibel, aber nicht am Beginn der biblischen Überlieferung“. Bei Büchern, die als Erzählung angelegt sind, halten wird es in der Regel ja so, daß wir mit der ersten Seite zu lesen beginnen; denn uns interessiert es ja, wie das, was erzählt wird, begonnen hat. So ist es auch beim Penta- bzw. Hexateuch , der von seiner Endfassung her von der ersten Seite an gelesen sein will. Nun wissen wir, daß der Entstehung des Pentateuch ein langwieriger und vielschichtiger Prozeß zugrunde liegt, den die alttestamentliche Wissenschaft in all seinen Verästelungen immer noch bzw. immer mehr auf die Spur zu kommen versucht. Holzschnitzartig läßt sich nun zu unserer Themenstellung sagen, daß es der theologische Ausbau und die theologische Fortschreibung der Väter- und der Moseüberlieferung nach Gerhard von Rad (1901-1971) erforderlich machten, den „Grund und den Ursprung“ der Heilgeschichte … bis zu der Erschaffung der Welt“ zurückzuverlegen. Von daher hat die „biblische Urgeschichte, insonderheit das Zeugnis von der Schöpfung … keinerlei Selbständigkeit.“  Es ist nach Gerhard von Rad zurecht dem Mißverständnis entgegenzutreten, „als sei die `Lehre´ von der Schöpfung ein zentraler Gegenstand des alttestamentlichen Glaubens.“  Dem korrespondiert, daß in den älteren Überlieferungsschichten des AT von keinem Schöpfungs- und keinem Schöpferglaube die Rede ist.  Der Schöpfungsglaube steht in Israel vielmehr im unlöslichen Zusammenhang des Heils- und Erwählungsglaubens. Die Schöpfungserzählungen haben demnach Zeugnischarakter insofern, als sie zu bekräftigen helfen, daß der Gott des „Abraham- und Sinaibundes auch der Schöpfer der Welt ist.“  M.a.W. Israel blickt von einem erreichten Grad der Gemeindewerdung zurück, und zwar zurück bis zur Erschaffung der Welt, und sieht von da aus wiederum die Linie der Heilsgeschichte vom äußeren Rand auf sich selbst zulaufen.  Ähnliche Erfahrung machen auch heute Menschen immer wieder, wenn sie von einem bestimmten Punkt in ihrem Leben Rückschau halten, und Entwicklungslinien, die ihnen vorher unentdeckt waren oder verworren schienen, jetzt als zu ihrem persönlichen Heil angelegt und immer schon auf sie zulaufend deuten.


Fassen wir also diesen Punkt zusammen. Schöpfungsaussagen durchziehen nicht das gesamte Alte Testament. Abgesehen von Gen 1 und 2 finden wir Schöpfungsaussagen bzw. Schöpfungsbekenntnisse ebenso im Psalter, vor allem in den Schöpfungspsalmen 8; 19, 104, zudem in den Psalmen 33; 121,1f; 136; 148, in der Weisheitsliteratur (Sir ; Spr ; Ijob ; Koh ) und beim Exilspropheten DtrJes.  Den biblischen Autoren ging es dabei nicht in erster Linie darum, eine Schöpfungslehre in abstracto zu entwickeln, die zudem noch in Beziehungslosigkeit zu anderen biblischen Überlegungen und Überlieferungen steht. Zudem ist JHWH anscheinend ursprünglich nicht als Schöpfer verehrt worden, denn für Israel war sein Gott zuvörderst Retter in und aus der Not. Dies läßt sich exemplarisch am sogenannten kleinen geschichtlichen Credo Israels in Dtn 26,5-9 ablesen. Im Unterschied beispielsweise zu unserem Credo, welches Gott bereits im ersten Satz als (den) Schöpfer von Himmel und Erde bekennt „credo in unum Deum, Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae…“, enthält das kleine Credo Israels überhaupt keinen Hinweis auf JHWH als einen/den Schöpfer der Welt.  Dafür aber wird JHWH um so mehr als einer bekannt, der auf die Not des Volkes hört und es befreit: „Und wir schrieen zu JHWH, den Gott unserer Väter, und JHWH hörte unser Schreien …und JHWH ließ uns hinausführen aus Ägypten mit starker Hand und mit gestrecktem Arm und mit großem Schrecken und mit Zeichen und durch/mit Wunder(n)“ (Dtn 26,7f). An dieser Stelle ist das wirkmächtige Handeln JHWHs in der Geschichte für sein Volk aus Sicht des befreiten Volkes von viel größerer Sinn und Glauben stiftender Bedeutung als die Frage, wie die Welt entstanden ist. Eine solche Sichtweise ist auch heute noch ein durchaus sehr wichtiger Punkt für eine Gemeinschaft und/oder für das Leben eines Menschen im Angesicht Gottes. Denn auch Diktaturen lassen naturwissenschaftlich forschen und bringen es in diesen Dingen zu beachtlichen, um nicht zu sagen, zu schwindelerregenden Ergebnissen. Der Schrei der Menschen aber nach Erlösung, nach wirklicher Befreiung aus Elend und aus Bedrückung, der Schrei nach Gott schlechthin, ist und bleibt menschengerecht über die Zeiten hinweg. Jedoch wissenschaftlicher Forscherdrang und drängendes Suchen nach Gott lassen sich in recht verstandener Weise nicht gegeneinander ausspielen.


Wenngleich erst später, aber folgerichtig trat in Israel die Erkenntnis hinzu, daß der Befreier und Erlöser Israels ebenso der Schöpfer der Welt schlechthin ist. Von daher sind die klassisch gewordenen biblischen Schöpfungsgeschichten so etwas wie Spätlinge in der Theologie Israels. Denn die Schöpfungsberichte der Genesis kamen hinzu, als Israel eine theologische Gesamtschau seines Werdens entwickelte und dabei auch die Frage nach dem Beginn/dem Ursprung dieser Welt von größerem Interesse wurde. In diesem Kontext bilden dann die beiden Schöpfungsberichte den notwendigen „Vorbau“ zu den Vätergeschichten. Daß sie erzähllogisch an den Beginn gesetzt werden, ergibt sich hierbei von selbst. Aber bei der Verschriftlichung und Ausformulierung sind Traditionsbestände nicht einfach kritiklos übernommen. Dies zeigt sich u.a. darin, daß der mehr ausschmückende und ältere der beiden Schöpfungserzählungen Gen 2,4b-24 an die zweite Stelle gerückt und die jüngere und zugleich abstraktere Schöpfungserzählung an die erste Stelle gesetzt worden ist. Auch dies ist ein Anzeichen eines fortdauernden Reflexionsprozesses.

1.1.     Das Literarisches Genus

Bisher haben wir mit Blick auf Genesis 1 und 2 von Schöpfungsgeschichte und Schöpfungsberichten gesprochen, wie es landläufig oft geschieht. Stimmen aber diese Gattungsangaben? Nimmt man die Begriffe so, wie sie heute verwendet werden, so können sie schnell in die Irre führen. Konsens besteht in der Exegese darüber, daß es sich bei Gen 1 + 2 um keine Berichte handelt, so wie es beispielsweise Zeitungs-, Sport- oder gar Zeit-Zeugenberichte sind. Auch ist der Begriff „Geschichte“, wie er in der Zusammensetzung von „Schöpfungsgeschichte“ verwendet wird, ohne nähere Erläuterungen nicht ohne weiteres angemessen. Denn ohne hier ins Detail gehen zu müssen, ist deutlich und nachvollziehbar, daß mit Gen 1 und 2 keine Geschichtsereignisse beschrieben werden, wie das bei der Varusschlacht im Jahre 9, bei der Gründung der Bundesrepublik 1949 oder beim Fall der Mauer 1989 getan werden kann, wenngleich sich auch mit Blick auf diese Ereignisse oft nicht unerhebliche Schwierigkeiten in der historischen Rekonstruktion ergeben.
Auch handelt es sich bei Genesis 1 und 2 um keine Erzählung, die wie jede gute Erzählung wahr oder nicht wahr sein kann. Ebenso ist es bei Gen 1 und 2 nicht wie bei einem Märchen, bei dem es letztlich nicht darauf ankommt, ob das in ihm Erzählte sich so ereignet habe, sondern daß es vielmehr in einem übertragenden Sinn als „wahr“ zu verstehen sei.


Mit Blick auf den Text von Gen 1,1-2,4a ist nüchtern zu konstatieren, es er weder ein mythischer Text noch eine Sage, sondern im besten seriösen Sinne als „Priesterlehre“ einzustufen ist.  Präziser formuliert, dieser Text ist in unserem heutigen Sinne weder wissenschaftlich noch unwissenschaftlich, sondern vorwissenschaftlich. Es ist genau diese Differenz zwischen unwissenschaftlich und vorwissenschaftlich zu notieren, die mitunter schnell verwischt wird. Der Text gibt den Kenntnisstand seiner Zeit wieder und ist bestrebt, neue Erkenntnisse und Erfahrungen behutsam einzubringen. Heutige Fragen, ob ein Gott Schöpfer der Welt ist oder nicht, sind der damaligen Zeit unbekannt. Es wäre zuhöchst unredlich, ja sogar unseriös schlechthin, wöllte man den Text von Gen 1,1ff mit heutigem naturwissenschaftlichen Kenntnisständen befragen – um ihn dann als ungenügend abzutun. Eher ist es Brauch in evangelikalen und fundamentalistischen Kreisen – was nicht deckungsgleich ist –, daß man die biblischen Text wie Gen 1 als Tatsachenbeschreibung liest und ihn entsprechend als solchen propagiert und ihn ganz selbstverständlich auch heute noch für naturwissenschaftlich bzw. für zeitlos gültig in seinen Einzelheiten hält. Mit einer solchen Auffassung begibt man sich nicht nur ins Abseits und marginalisiert sich selbst, sondern man verweigert mit einem derartigen biblizistischen Verständnis paradoxerweise dem biblischen Text von Gen 1,1ff und seiner Leistung selbst den Respekt, den man ja selbsternannt retten will und von anderen – oft intolerant auftretend – einfordert. Produktiven Respekt aber erweist jemand einem Text wie Gen 1f dann, wenn er herausschält und kenntlich macht, was der Text zu und in seiner Zeit zu leisten vermocht hat. Geht man so an den Text heran, so offenbart sich dem Betrachter durchaus Erstaunliches. Auch Thomas von Aquin hatte bezüglich des ersten Schöpfungsberichtes eine insgesamt differenzierte Auffassung: „Was im Schöpfungsbericht steht, aber durch solide Vernunftsgründe widerlegt ist, darf nicht länger als Sinn der Heiligen Schrift dargestellt werden.“

 

Wenngleich die Begründung, die Thomas hierfür gibt, eher noch von theologiegeschichtlichem Interesse ist, so äußert sich in ihr dennoch die durchaus bedenkenswerte Überlegung, daß das im Schöpfungsbericht Mitgeteilte auf das Fassungsvermögen der Adressatengruppe abgestimmt und nicht eines sogenannten objektiven Inhaltes sei: „Vielmehr ist zu bedenken, daß Mose zu unwissendem Volk sprach, daß er sich zu dessen Beschränktheit herabließ und sich deshalb sinnfällig begreifbar ausdrückte.“

1.2 Kennzeichen der ersten Schöpfungserzählung


Vergleicht man den Text von Gen 1 mit anderen Schöpfungstexten wie z.B. mit dem babylonischen „Enuma elisch (Als droben)“, so sind in ihm mythische Elemente so gut wie völlig herausgehalten. Allein schon von daher steht dieser „Schöpfungsbericht“ in seiner Zeit im Vergleich mit den „Kosmogonien anderer Religionen völlig einzigartig da.“  Näherhin sind das sprachliche Gewand und die Ausdrucksweise gekennzeichnet „von äußerster Konzentration auf das rein Theologische … `kein Versuch der Phantasie den Hergang näher zu bestimmen´“ ; ja man darf durchaus von einer nüchternen Monotonie der Ausdrucksweise sprechen. Zu recht kann festgestellt werden, daß der erste Schöpfungsbericht zu den „reflektiertesten Aussagen“ über die Schöpfung in der Bibel und darüber hinaus mit Blick auf das Umfeld Israels zu zählen ist. Zugleich steht er aber damit paradoxerweise in der Gefahr „als Produkt einer theoretischen, aus größter Distanz geschriebenen Weltdeutung mißverstanden zu werden.“


Untersucht man unsere 35 Verse des sogenannten ersten Schöpfungsbericht genauer, so wird man alsbald feststellen, daß es gewisse Unstimmigkeiten zwischen den Schöpfungswerken und Schöpfungstagen gibt. Acht Werke sind auf sechs Tage verteilt. So haben näherhin der dritte  und der sechste  Tag je zwei Schöpfungswerke. Die Erschaffung des Firmaments erstreckt sich über den zweiten und dritten Tag. Diese Unstimmigkeiten, wenn man so will, resultieren anscheinend daraus, daß das den ersten Schöpfungsbericht jetzt strukturierende Siebentageschema später einem schon vorliegenden Schöpfungsbericht bewußt gewaltsam übergestülpt worden ist.  Neu ist, daß eine solche Einteilung keine Vorläufer oder Parallelen in anderen Schöpfungserzählungen/-mythen hat.  Der siebente Tag als ein Ruhetag ist auch dazu da, die Schöpfungswoche abzuschließen.  Von daher ist bei der Priesterschrift nicht der Mensch das letzte Ziel der Schöpfung bzw. der Schöpfungswoche, sondern das, was sich im siebenten Tag selbst andeutet: Die Schöpfung einer Welt für den Menschen, mit der zugleich die Geschichte mit dem Menschen beginnt, hat letztlich ihr Ziel in Gott.  Mit der Schöpfung begann somit zugleich die geordnete Zeit, „die in sinnvoll geordneten Epochen auf ein Ziel zuführt, das ein von Gott der Zeit gegebenes Ziel ist.“  Mit der Einspannung des Schöpfungsberichts in das Prokrustesbett von einem Ablauf von sechs bzw. sieben Tagen wird dieser so auch auf diese Weise von mythischen Vorstellungen abgegrenzt. „Die sieben Tage wollen ohne Frage als wirkliche Tage und als ein einmaliger, nicht umkehrbarer Ablauf innerhalb der Zeitlichkeit verstanden werden.“  Auf diese Weise eröffnet die Schöpfungstat Gottes die Zeitlichkeit der Welt und implizit somit auch zugleich ihre Endlichkeit.
Eine weitere Entmythologisierung erfährt der erste Schöpfungsbericht dadurch, daß Elohim ganz im Hintergrund seiner Schöpfung insofern bleibt, als nichts über sein Aussehen oder vordergründig über sein Wesen mitgeteilt wird, aber ebenso wird auch nicht ausgesagt, wie Elohim sein Werk vollbringt, wie er sein Schöpfungswerk en detail durchführt. Nur an einer Stelle scheint im ersten Schöpfungsbericht etwas über Elohim selbst auf, wenn vom Ausruhen Elohims die Rede ist (Gen 2,2-4a): „Und Elohim hatte am siebten Tag sein Werk vollendet, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tage von all seinem Werk, das er gemacht hatte“ (Gen 2,2). Entgegen einer ersten Annahme vielleicht, daß es sich hierbei um einen Anthropomorphismus in dem Sinne handle, als Gott sich nach einer schaffensreichen Arbeitswoche einmal ausruhen müsse, weil er so erschöpft sei, liegt der Aussagesinn der priesterschriftlichen Schule vielmehr in einem hochtheologischen. Das hebräische Wort „ruhen“ bzw. „aufhören“ (schabat) soll bewußt eine Assoziation zu dem hebr. Wort „Schabbat“ (schabbat)  hervorrufen, und zwar aufgrund seiner nahezu identischen Schreibweise  und homophonen Aussprache. Auch wenn eine etymologische Verbindung zwischen beiden Wörtern von manchen als strittig beurteilt bzw. eine Entscheidung offengelassen wird , so darf mit Ernst Haag ein solcher anerkannt werden.  Die Grundbedeutung des Nomens Schabbat lautet „Feiertag“, wie dies mit Bezug auf Ex 34,21 hervorgeht. Insgesamt besteht nun das Besondere des ersten Schöpfungsberichts darin, daß in ihm so gut wie kaum Abhängigkeiten von Mythen bestehen, wie sie im Umfeld Israels allseits präsent waren.


Von daher erweist sich der priesterschriftliche Schöpfungsbericht auch aufgrund seiner „sauberen Ausschwitzung alles Mythologischen“  in seiner Zeit als seiner Zeit voraus und auf einem höchsten theologischen Niveau. Sehr konzentriert und zurückhaltend zugleich wird von Elohim/Gott gesprochen (Gott schuf, sprach, schied, machte, segnete). Dieser Befund ist ein wichtiger anschlußfähiger Punkt für Theologinnen und Theologen auch heute weiterhin theologisch verantwortungsvoll von Gott zu sprechen. Denn so wie jede naturwissenschaftliche Forschung einem Wandel unterliegt, wissenschaftliche Kenntnisse sich ständig erweitern, so trifft dies auch für die Theologie und Exegese zu, inklusiv all ihren zeit(geist)gebundenen Voraussetzzungen und Vorverständnissen. So paradox dies klingen mag: Wer den ersten Schöpfungsbericht entkontexttualisiert, ihn eins zu eins für zeitlos unübertroffen gültig hält, fällt hinter dessen Niveau zurück.

2 Ausgewählte Einzelbeobachtungen

2.1 Ein Wort zum überschriftartigen Mottosatz von Gen 1,1.


Allgemein ist anerkannt, daß der erste Satz von Gen 1 „bereschit bara elohim aet ha-schamaim we-aet ha-araes“ als Summe bzw. als Überschrift des darauf folgenden Schöpfungsberichtes zu lesen ist. So weit so gut. Ein klassisches Problem in der Exegese besteht aber darin, wie das erste Wort „bereschit“ zu verstehen und zu übersetzen sei. Die Diskussion darüber ist noch nicht ganz abgeschlossen.  Einen Grund dafür liegt darin, daß das erste eine Wort von Gen 1 „bereschit“ aus zwei Bestandteilen besteht, und zwar aus der einradikalen Präposition be und dem Nomen „reschit“. Das Nomen selbst bedeutet soviel wie Anfang/Beginn, Bestes und Erstling. Und die Präposition be kann mit „in, im, unter, als , innerhalb, auf, an, gemäß, mit, indem“ übersetzt werden. Folgende Möglichkeit bestehen bzw. Vorschläge sind im Deutschen schon gemacht worden : Bei Beginn, Zu Anfang, Durch einen Anfang, Im Anfang (Elberfelder, EÜ), Zu Beginn, Am Anfang (Luther).


Sieht man jetzt im einzelnen genauer hin, so wird besonders in priesterlichen Texten das Nomen reschit im Sinne von „Erstling“ verwendet (vgl. Lev 23,10).  In bezug auf Menschen bedeutet reschit „Erstgeburt“ , was sich auch auf Völker beziehen läßt: So ist Israel die Erstgeburt, die „reschit“ JHWHs (Jer 2,3; Hos 9,10).


Aber auch im Zusammenhang von Schöpfungsaussagen findet sich reschit, so neben Gen 1,1 auch in Ijob 40,19 und Spr 8,22. So sagt in Spr 8,22 „die Weisheit“ von sich, daß JHWH sie als „Erstling seines Weges“ (MT Sg.; LXX: Pl. „seiner Wege“) hervorgebracht habe. Während heute im hebräischen Text reschit steht, findet sich in einigen Handschriften auch die Lesart bereschit wie in Gen 1,1. Von daher kann es nicht verwundern, daß die Übersetzung von Spr 8,22 zwischen einem temporalen und einem qualitativen Verständnis oszilliert.  Der emeritierte Hallenser Alttestamentler Arndt Meinhold übersetzt den Vers in seinem Sprüchekommentar mit: „JHWH hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, als erstes seiner Werke, damals.“  Wenngleich sich hier ein zeitliches Verständnis nahelegen könnte, so geht es doch vor allem um das Handeln JHWHs: „Der `Anfang seines Weges´ meint das erste Schöpfungswerk, mit dem gewissermaßen der Weg Gottes mit seiner Schöpfung begann.“  Vor diesem Hintergrund schlägt Wolfgang Oswald jetzt die Übersetzung vor: „Jhwh hat mich geschaffen als Erstling seines Weges.“  Die Konsequenz die Oswald aus dieser Beobachtung zieht, lautet: „Wenn bereschit in Schöpfungskontexten `Erstlingswek´ bedeutet und bereschit in den priesterlichen Texten ohnehin Objektcharakter hat, dann sollte die Übersetzung `Erstling´ oder `Erstlingswerk´ auch für Gen 1,1 zutreffen.“  


Widmen wir uns kurz auch noch der Präposition be. Wenn nun reschit im Schöpfungskontexten mit `Erstling´ oder `Erstlingswerk´ zu übersetzen ist, dann läßt sich die Präposition nicht mit „am“ oder „im“ wiedergeben. Aber wie wir gehört haben, läßt die Präposition be noch andere Bedeutungen zu. So kann sie in unserem Zusammenhang als be-essentiae bestimmt werden. Einen Anhaltungspunkt hierfür finden wir im ersten Schöpfungsbericht selbst, und zwar in Gen 1,26a wo das Nomen םלצ (Bild/Abbild/Ikone) ebenso mit der Präposition be präfigiert ist: „Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich.“ Von daher spricht nichts dagegen, die Präposion be auch in Gen 1,1 als be-essentiae zu bestimmen und reschit in einem materiellen Sinne zu verstehen (reschit: inhärente Determination; status absolutus).
Als Übersetzung von Gen 1,1 schlägt daher schließlich Wolfgang Oswald vor: „Als Erstling(swerk) hat Gott die Himmel und die Erde geschaffen.“ Mit dieser Übersetzung kann nun das vieldiskutierte Problem in den Hintergrund treten, ob es sich hier um einen absoluten oder relativen Zeitanfang handle. Denn weder von dem einem noch von dem anderen ist hier ausdrücklich die Rede. Freilich impliziert die Rede vom „Erstling“ auch eine zeitliche Priorität. Wer von Erstling spricht, der nimmt gleichzeitig auch Bezug auf Späteres, so daß somit in Gen 1,1 doch eher eine relative Zeitbestimmung vorliegt.  Dies korrespondiert mit der schon lange festgestellten Beobachtung, daß Gen 1, aber auch Gen 2 nicht von einer creatio ex nihilo handelt. Diese Auffassung findet sich ausdrücklich im AT erst spät, und zwar in 2 Makk 7,28.  


Mit dem überschriftartigen Mottosatz „Als Erstling(swerk) hat Gott die Himmel und die Erde geschaffen“ wird das sich anschließende Sechs-Tage-Werk jetzt als erstes und zugleich bestes Werk Gottes bezeichnet. Die in Gen 1 verwendeten Verba bestätigen zudem, daß dieser Schöpfungsbericht mit diesen die Schöpfung der Welt als einen Lebensraum für den Menschen zum Ausdruck bringt und nicht die Welt im Sinne des Weltalls überhaupt. „Die Welt, die Gott schafft, ist als Welt des Menschen gemeint.“  In diesem Sinne ist auch der Abschluß der Schöpfung in Gen 1,31a mit der kommentierenden Feststellung des Erzählers zu verstehen: „Und Gott sah die Gesamtheit an, die er geschaffen hat, und siehe (es war) sehr gut“. Bei „und siehe (es war) sehr gut“ handelt es sich im übrigen um eine Aussage, die singulär in der Hebräischen Bibel ist. Die rabbinische Diskussion um Gen 1 gibt der Midrasch Bereschit Rabba wider.
Noch einmal, mit Gen 1,1 geht es darum, das Sechs-Tage-Werk Gottes als ein Werk zu qualifizieren, das gegenüber den anderen, auch nachfolgenden Werken JHWHs den Vorzug der Erstlingsschaft besitzt. Wenn eine Aussageintention des ersten Schöpfungsberichtes in der Erschaffung der Welt als Lebensraum für den Menschen besteht, so lassen sich heutige naturwissenschaftlich orientierte grundsätzliche Entstehungsthesen/Hypothesen wie Urknalltheorie nicht in Widerspruch zu ihm bringen.

2.2 „Männlich und weiblich schuf er sie“ Gen 1,27b

Vor dem Hintergrund der Herausgabe der „Bibel in gerechter Sprache“ im Jahr 2006 und den darauf folgenden recht kontroversen Diskussionen lohnt ein kurzer Blick auf die Erschaffung des Menschen in seiner bipolaren Geschlechtlichkeit. Ein Anliegen jener Bibel besteht darin, den sprachlich und mental patriarchale Signaturen aufweisenden biblischen Schriften durch eine entsprechende Übersetzung auch eine geschlechtergerechte Sprache zu verleihen, nicht sichtbares, aber implizit Gemeintes explizit zu machen. Sieht man sich daraufhin den ersten Schöpfungsbericht an, so erweist er sich auch in diesem Zusammenhang als seiner Zeit voraus und hohen theologischen Ansprüchen genügend. So heißt es in Gen 1,27: „Und Gott schuf den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn, (und zwar) männlich und weiblich schuf er sie.“ Von Mann oder Frau wird hier nicht gesprochen, sondern davon, daß der eine elohimartige Mensch von vornherein, also gleichursprünglich „männlich“ und „weiblich“ geschaffen ist. Dies wird bestätigt durch die Aussage in Gen 5,2, wo es von Gott heißt: „männlich und weiblich schuf er sie und er segnete sie und er nannte ihren Namen Mensch/Adam.“ Daraus ergibt sich, Frau und Mann sind beide zugleich Ebenbild Gottes, sind gleichberechtigt und besitzen somit gleichursprünglich die gleiche Würde. Einzugestehen ist freilich, daß man sich dieser Aussage durch die Jahrhunderte hindurch so nicht immer bewußt geblieben ist, ja daß man hinter einmal gewonnene Einsichten theologisch auch wieder zurückfallen könnte/kann.

3. Glauben und Naturwissenschaft

Während Gerhard von Rad noch von einem „alttestamentlichen Schöpfungsglauben“  meinte sprechen zu können, hat hingegen Claus Westermann (1909-2000) mit Recht darauf hingewiesen, daß in Israel das Verhältnis des Menschen zu Gott nur selten als „Glauben“ bezeichnet worden ist.  Erst mit dem Erstarken der modernen Naturwissenschaft „fallen Glauben und Wissen derart auseinander, daß es unvermeidlich geworden ist, vom Schöpfungsglauben zu reden.“  Vielmehr kam es hingegen in Israel darauf an, Gott zu erkennen; eine Alternative zur Rede von der Schöpfung gab es damals in Israel nicht. Das Reden von der Schöpfung entsprach „einer selbstverständlichen Denkvoraussetzung, die Israel mit seiner Vor- und Mitwelt teilte.“


Die Frage, die sich bei einer Beschäftigung mit den biblischen Schöpfungsberichten aufdrängt, ist die, ob sie „eine Wirklichkeit erfassen, die der Naturwissenschaft verschlossen bleibt?“ , und zwar methodisch, da sie sich mit den sogenannten harten Fakten auseinandersetzt. Nun ist es aber so, daß der Naturwissenschaft die sogenannten evidenten „harten Fakten“ abhanden gekommen sind, die sozusagen für jedermann voraussetzungslos zugänglich und überprüfbar sind. Denn gerade in der Atomphysik, aber nicht nur dort, sind die „Ergebnisse vom jeweiligen Experiment und damit vom Beobachter abhängig.“  Auch die Naturwissenschaften erkennen immer klarer ihre Grenzen bei allem atemberaubenden „Erkenntnis-Fortschritt“. So betont Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-200), „daß die Wissenschaft ihren Erfolg unter anderem dem Verzicht auf das Stellen gewisser Fragen verdankt.“  So setzt sich in reflektierteren Kreisen und in der sogenannten Forschung „immer mehr die Meinung durch, daß Schöpfung und Evolution Antworten auf jeweils ganz verschiedene Fragen sind und deshalb auf verschiedenen Ebenen liegen.“ Von daher wird auch einsichtig, daß Theologie ihr Recht behält, Wirklichkeit „unter einer bestimmten Perspektive“  wahrzunehmen, zu deuten, ohne dabei ihrerseits naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Zugangsweisen in Frage zu stellen und/oder sie gar zu leugnen.


Die Frage, ob es überhaupt einen Schöpfer und damit eine Schöpfung der Welt gegeben hat, interessiert uns ja nicht nur rein aus Wissensdurst und Erkenntnisdrang, sondern es kommen sehr persönliche und unaufgebbare Frage wie die nach dem Sinn meines/eines Lebens ins Spiel. Darf ich mein Leben als ein Geschenk deuten oder ist es Produkt eines sogenannten Zufalls. Wie steht es um die Einsamkeit eines Menschen, um die Sehnsucht nach Liebe und sein Angenommensein. An dieser Stelle kommt sehr viel deutlicher der zweite Schöpfungsbericht wieder ins Spiel: „Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ (Gen 2,22f). Um mit Paulus nach 1 Kor 13,2 abgewandelt zu sprechen: „Und wenn ich alle naturwissenschaftlichen Thesen und Hypothesen verstünde und alle entsprechende Erkenntnisse hätte, aber ein vereinsamter Mensch wäre, wäre ich nichts.“


Hinzu kommt die Einsicht im Leben eines jeden nachdenklichen Menschen, daß alles, was existiert, kontingent ist, das heißt nicht notwendig existieren muß und zudem vergänglich ist. Oder die auch auf Leibniz (1646-1716) zurückgehende klassisch gewordene Frage in der Version Heideggers „Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr nichts“.  Aus dieser auch Beunruhigung evozierenden Frage, die bis in die Fundamente meines Lebens zu reichen vermag, rührt vielleicht die mitunter wahrnehmbare Härte und Unversöhnlichkeit in der Auseinandersetzung um die, sagen wir es frei heraus, falsch gestellte Alternative „Schöpfung oder Evolution“ - eine scheinbare Alternative, die oft im Gewande eines articulus stantis et cadentis vitae meae/der Artikel mit dem mein Leben steht oder fällt“ einher kommt.

4. Schluß

Kommen wir zum Schluß. Georg Hentschel fragt in seinem Aufsatz „Leben als Geschenk. Zum Verständnis der alttestamentlichen Schöpfungsaussagen“: „Ändert sich etwas, wenn sich jemand dazu bekennt, dass unsere Welt geschaffen ist? … Denn wer meint, dass wir die Ergebnisse der Astrophysik und der Paläontologie einfach hinzunehmen haben, wird aus den naturwissenschaftlichen Ergebnissen und Theorien keine weiteren ethischen Folgerungen ableiten können.“  Anders gewendet: Aus einem Bekenntnis zu Gott als dem Schöpfer dieser Welt leiten sich konkrete Forderungen und Verhaltensweisen ab. Daher weist G. Hentschel auf folgende biblische Aussagen hin: „Wer den Geringen bedrückt, schmäht dessen Schöpfer, ihn ehrt, wer Erbarmen hat mit dem Bedürftigen“ (Spr 14,31) oder „Wer den Armen verspottet, schmäht dessen Schöpfer“ (Spr 17,5). Ebenso gehört hierher die Frage nach der Bewahrung der Schöpfung für den Menschen und die ihm anvertrauten Tiere. Somit muß eine Schöpfungstheologie auch Verstehensweisen entwerfen, „die wir zur Orientierung unserer Verantwortung und zur Ausrichtung unserer Hoffnung brauchen.“  Ebenfalls bricht sich heute die Erkenntnis Bahn: „Eine Wissenschaft, die die Natur zerstört, kann nicht wahr sein.“ Mit Georg Hentschel möchte ich somit diesen Vortrag schließen: „Die Verheißung Gottes, dass unsere Welt Bestand hat (Gen 8,22), ist nicht als Freibrief gemeint, sondern soll dazu ermutigen, im Vertrauen auf den Schöpfer die eigene Verantwortung ernst zu nehmen.“

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